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Vom Getränkeautomaten bis zur Banknotenzählmaschine – immer mehr Automaten bestimmen das Alltagsleben. Drum herum gibt es zahlreiche Jobs.

Der Magen knurrt. Jetzt muss schnell ein Schokoriegel her. Ob in der Bibliothek, am Bahnhof oder in der Unternehmenskantine – Automaten sind aus dem Alltagsleben nicht mehr wegzudenken. Im deutschen Vending- Markt, der Getränke- und Verpflegungsautomaten zusammenfasst, arbeiten nach Aussage des Bundesverbandes der deutschen Vending-Automatenwirtschaft rund 35 000 Personen. Eine davon ist die 21-jährige Samanta Beganovic. Seit einem Jahr macht sie eine zweijährige Ausbildung zur Fachkraft für Automatenservice. Nach einem kurzen Praktikum war es für Beganovic klar, „dass das der richtige Jobfür mich ist“.

Rund 14 Automaten füllt die Auszubildende am Tag mit Snacks, Kaffeebohnen und Bechern auf. Auch die Reinigung der Automaten ist Bestandteil der Tour, die sie durch Sozialräume von Speditionen, Metallbauern und Schulen führt. „Am meisten gefällt mir, dass man sehr selbstständig arbeitet und viel mit Menschen zu tun hat“, sagt Beganovic. Auch kleine Störungen, wenn beispielsweise das Kaffeesieb verstopft ist oder sich die Becher verschoben haben, behebt sie selbst.

Beganovic lernt beim Söchtenauer Unternehmen Coffice Betriebsverpflegung. Seit fünf Jahren gibt es den oberbayrischen Automatenbetreiber, dem insgesamt 170 Geräte zwischen München und Salzburg gehören. Vor zwei Jahren startete Geschäftsführer Manfred Rapf mit der Ausbildung. Hauptbeweggründe: schlechte Erfahrungen mit Quereinsteigern. „Entweder hatten wir Techniker, denen der Umgang mit Menschen schwerfiel, oder tolle Reinigungskräfte, die mit der Technik nicht klarkamen“, sagt er. Neben der Fachkraft für Automatenservice bilden die Söchtenauer zwei Automatenfachmänner aus. Beide Ausbildungen gibt es seit dem 1. August2008, und sie verbinden kaufmännische, technische und serviceorientierte Inhalte. „Selbst auszubilden kann ich Kollegen nur empfehlen“, sagt Rapf. Denn obwohl es eine alte Branche sei, wachse diese stetig. Im Fall von Coffice um 30 bis 50 Automaten im Jahr.

Das Gros der Auszubildenden stellt die Unterhaltungs- und Spielautomatenbranche. Das Pfullendorfer Unternehmen Extra- Games Entertainment, das mehr als 200 Spielcenter betreibt, stellte im September 21 neue Azubis ein. Ausbildungsleiter Stefan Bauer sieht für seine Azubis trotz möglicher politischer Neuerungen – der Betrieb vonSpielhallen soll durch Landesspielhallengesetz und Glücksspielstaatsvertrag eingeschränkt werden – eine positive berufliche Zukunft, da „es in unserer Umwelt immer mehrAutomaten gibt und diese auch in anderen Bereichen der Automatenbranche, wie beispielsweise im Bereich der Vending-Automaten, unterkommen können.“

Die 125 Jahre alte Firma Hess in Magstadt, ein 140-köpfiges Tochterunternehmen der ostwestfälischen Gauselmann- Gruppe, produziert seit den 60er Jahren Bankautomaten. In Tausenden Banken und Parkhäusern stehen dieseweltweit, „und die Entwicklung geht immer weiter“, sagt Hess’ kaufmännischer LeiterUlrich Brill. Insbesondere was die Softwareprogrammierung angeht, würden sich die Zahlungssysteme laufend verbessern.

„Dafür benötigen wir Anwendungssoftware- Programmierer, die wir auch selbst ausbilden, die allerdings oftmals schwer zu finden sind“, sagt Brill. Denn Jugendliche, die diese zwei- bis dreijährige Ausbildung anfangen, werden auch von Automobilkonzernen, deren Zulieferern und in vielen anderen Industrien gesucht. Sein Fachpersonal ist sehr wertvoll, denn die größten Verbesserungen bei der Herstellung von Automaten lassen sich in der Softwareentwicklung beziehungsweise im Zusammenwirken der Komponenten erzielen.

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