Raci (links) und Sertac Dede haben ihre freie Tankstelle verloren Foto: Peter Petsch

Die Wogen schlagen hoch am Stuttgarter Großmarkt. Die Stadt will den 25 Jahre alten Betrieb der Familie Dede durch eine Automaten-Tankstelle ohne Personal ersetzen. Die alte Tankstelle ist jetzt dicht. Doch ob und wann die neue genehmigt wird, ist derzeit offen.

Stuttgart - Die Wellen sind in den vergangenen Wochen hochgeschlagen rund um den Stuttgarter Großmarkt. Die Familie Dede, die gegenüber der Zufahrt rund 25 Jahre lang eine freie Tankstelle mit Werkstatt und kleinem Geschäft betrieben hat, ist von der Stadt gekündigt worden. Künftig soll direkt daneben eine reine Automatentankstelle ohne Personal Autofahrer versorgen. Deshalb sind zahlreiche Kunden auf die Barrikaden gegangen. Mehrere Hundert Unterschriften hat die Familie gesammelt. Ohne Erfolg – seit einer Woche ist die bisherige Tankstelle dicht. Doch wann und wie es jetzt weiter geht, ist derzeit offen.

Auf dem Großmarkt kursieren Gerüchte, für die neue Automatentankstelle gebe es überhaupt keine Genehmigung. Im Baurechtsamt bestätigt man das. Allerdings sei dieser Vorgang nichts Außergewöhnliches. Bis Mitte Februar bearbeite man selbst die Unterlagen, danach müsse das Amt für Umweltschutz eine Stellungnahme abgeben. Was dabei herauskomme und wie lange dieser Prozess dauere, könne man derzeit nicht sagen.

Bei der Unternehmensgruppe Oest in Freudenstadt, die die Avia-Automatentankstelle errichten will, äußert man sich derzeit auf Anfrage nicht zum laufenden Verfahren. Auch bei Avia selbst haben sich inzwischen diverse Händler und Kunden des Großmarkts mit der Frage gemeldet, wann man denn am Gelände wieder tanken könne. Auskünfte gibt es jedoch auch von dort nicht.

Für die alten Betreiber ist die Geschichte noch nicht vom Tisch. Sie bemängeln, sie hätten erst von einer Neuausschreibung erfahren, als bereits Interessenten auf dem Gelände unterwegs gewesen seien. Daraufhin hat sich die Familie Dede an der Ausschreibung beteiligt – mit dem Konzept einer ökologischen Tankstelle samt Solaranlage, Gas- und Stromzapfsäulen. Doch das Konzept der Automatentankstelle setzte sich bei der Stadt durch. Da das Geländer der alten Anlage zwar der Stadt gehört, die Gebäude sich aber im Besitz der bisherigen Betreiber befinden, will die Familie nun abwarten, was weiter passiert. Für den Fall, dass die Automaten am exakt selben Platz erbaut werden sollten, kündigt die Familie bereits rechtliche Schritte gegen die Stadt an.

Die Kunden können derzeit nur abwarten. Wer direkt am Großmarkt tanken will, muss damit rechnen, dass sich die Eröffnung einer neuen Tankstelle noch monatelang hinauszögern kann.

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