In der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY...ungelöst“ sucht die Kripo Böblingen nach den Tätern von der Geldautomatensprengung im Breuningerland Sindelfingen. 60 Hinweise gehen nach der Ausstrahlung ein.
Wenn die Polizei bei ihren Ermittlungen zu einem Verbrechen in einer Sackgasse steckt, kommt oft die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY...ungelöst“ ins Spiel. So ist es auch im Falle der Geldautomatensprengung im Breuningerland Sindelfingen, wo vier Täter im Oktober 2021 zwei Bankautomaten der Kreissparkasse in die Luft gesprengt haben und mit 300 000 Euro flüchten konnten. Bis heute sind die Verantwortlichen unbekannt.
Die Kriminalpolizei Böblingen bat deshalb am Mittwochabend zur Primetime bei XY-Moderator Rudi Cerne um Hinweise, denn die wichtigste Frage, wer für den spektakulären Raubüberfall verantwortlich ist, ist noch offen. Eines aber scheint klar: Die vier Tatverdächtigen sind Teil einer kriminellen Organisation aus dem niederländischen Utrecht. Die Bande soll deutschlandweit aktiv sein und in der Vergangenheit wiederholt Geldautomaten gesprengt und hohe Beträge erbeutet haben.
Wie Sandra Glauer, Kriminalhauptkommissarin in Böblingen, erklärt, kämen Kriminelle häufiger aus der Niederlande über die Grenze nach Deutschland, um Bankautomaten in die Luft zu jagen und diese auszurauben – vor allem weil Automaten hierzulande über mehr Bargeld verfügten und schlechter gesichert seien.
Einige Erkenntnisse über Vorbereitungen sind bekannt
Im Falle des Breuningerlands vermutet die Kripo, dass die Täter im Vorfeld der Tat das Einkaufszentrum, die Zufahrtswege und speziell die Bankautomaten nahe des Seiteneingangs ausgeguckt haben. Zu den Vorbereitungen gehöre auch, sich Tage zuvor in Scheunen oder Garagen in der Umgebung zu verstecken. Ob dies auch in Sindelfingen so erfolgte, könne noch nicht mit Gewissheit gesagt werden. „Wir fragen daher, ob in der Umgebung vor dem Tattag aufgebrochene Scheunen oder Garagen vorgefunden oder verdächtige Autos gesichtet wurden“, so die Kommissarin während der Livesendung.
Ein Einspieler schildert das Geschehen vom 29. Oktober 2021 so: In der Tatnacht fuhr das Täterquartett gegen 3.20 Uhr an den Seiteneingang des Einkaufszentrums. In Windeseile, so der Film, hebelten die Täter die Eingangstür auf. Zwei liefen zu den beiden Geldautomaten im Erdgeschoss, die beiden anderen halfen bei der Präparierung des Sprengmaterials. Die Originalaufnahmen zeigen, dass die Täter hochprofessionell vorgehen, „jeder Handgriff sitzt“, beschreibt die Kriminalkommissarin die Vorgehensweise. Nach nur wenigen Augenblicken waren die Kabel verlegt. Nach der gewaltigen Explosion, die die Täter von außerhalb beobachteten, kehrten sie zurück zu den Automaten und sammelten aus den Kassetten des zerstörten Bankomats unzählige Geldscheine. Diese verpackten sie in Sporttaschen.
Täter hinterlassen eine Schneise der Verwüstung
Auf den Videoaufnahmen wird die Wucht der Detonation sichtbar: Insgesamt acht Ladengeschäfte wurden zerstört, dichter Rauch stieg auf. Nach wenigen Minuten war der Überfall vorbei. Über die nahe gelegene Autobahn gelang den vier mit 300 000 Euro Beute im Gepäck die Flucht. „In den vergangenen Jahren haben wir viele solcher Sprengungen registriert. Dabei gehen die Täter rücksichtslos vor. Wer so etwas mitbekommt, sollte unbedingt Abstand halten“, betont Glauer. Auf ihrer Flucht wurden die Räuber aufgrund ihrer Geschwindigkeit geblitzt. Da sie aber sogar während der stundenlangen Fahrten maskiert unterwegs und an ihren hochmotorisierten Autos gestohlene Kennzeichen angebracht sind, konnten die Verdächtigen bislang nicht identifiziert werden.
Nun hofft die Kriminalpolizei durch den TV-Auftritt auf den entscheidenden Tipp zur Aufklärung der Tat. „Stand Donnerstagmittag sind 60 Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen, darunter auch Mails. Über die Qualität lässt sich noch nicht viel sagen, da erst allen Hinweisen nachgegangen werden muss“, heißt es aus der Pressestelle des Polizeipräsidiums Ludwigsburg. Inwieweit ähnlich gelagerte Fälle von gesprengten Bankautomaten in der Region im Zusammenhang mit den Tätern von Sindelfingen stehen könnten, müssten die weiteren polizeilichen Ermittlungen erst zeigen.