Der Diesel verliert an Beliebtheit in der Region Stuttgart. Foto: dpa

Früher galt der Diesel als umweltfreundlich, inzwischen gilt er als Schadstoff-Bösewicht. Deshalb wundert es nicht, dass der Diesel bei den Zulassungen abraucht. Ein Kommentar von Wolfgang Schulz-Braunschmidt.

Stuttgart - Noch vor wenigen Jahren galt der Diesel als Geheimwaffe gegen den Klimawandel. Die Autoindustrie trimmte ihn auf geringere Verbrauchswerte, und die Politik lobte ihn über den grünen Klee als Klimaretter. Gleichzeitig stiegen die PS-Zahlen der Selbstzünder, die das Image einer lahmen Kiste ablegten und zu Publikumslieblingen avancierten.

Technisch wurde der niedrige Treibstoffverbrauch mit besseren Einspritzpumpen, höheren Drücken bei der Verdichtung und deutlich höheren Verbrennungstemperaturen erreicht. Das senkte zwar den Ausstoß des Klimakillers CO2, führte aber durch komplexe chemische Prozesse im Motor zu einem deutlichen Anstieg der Stickoxidemissionen, die bis zu 30-mal höher als bei einem vergleichbaren Benziner sein können.

Abgas-Skandal und Fahrverbote vertreiben Käufer

Aus heutiger Sicht hat man auf diesem Weg sozusagen den Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben. Um die hohen Stickoxid­emissionen zu senken, sind umfangreiche technische Modifikationen erforderlich, die sich vor allem bei sparsamen Kleinwagen nicht lohnen, weil sie deren Preis zu stark in die Höhe treiben.

Für potenzielle Dieselkäufer in der Region kommt als Manko hinzu, dass schon 2018 Verkehrsbeschränkungen und Fahrverbote drohen. Viele Fahrer, die einen EU-6-Diesel gekauft haben, um einen sauberen Wagen zu fahren, fühlen sich wegen der auf der Straße x-fach höheren Schadstoffwerte betrogen. Deshalb wundert es nicht, dass der Diesel bei den Zulassungen abraucht. Nun rächt sich, dass Politik und Autoindustrie den hohen Schadstoffausstoß verdrängt und mit Pseudomaßnahmen wie Feinstaubkleber „bekämpft“ haben, statt wirklich saubere Technik zu bieten.