Die Produkte von Sihn sind in vielen Autos mit Verbrennungsmotor drin. Foto: dpa /Andrea Warnecke

Die Sihn GmbH ist ein Autozulieferer mit Tradition. 1939 wurde das Unternehmen aus Mühlacker, das 2019 Insolvenz anmelden musste, gegründet. Doch weil sich kein Investor gefunden hat, verlieren nun 320 Mitarbeiter ihren Job.

Mühlacker - Der insolvente Zulieferer Sihn in Mühlacker steht vor dem Aus. Trotz intensiver, internationaler Suche habe sich kein Investor gefunden, schreibt der Insolvenzverwalter Marc Schmidt-Thieme in einer Mitteilung. In einem ersten Schritt seien nun 90 der noch 320 Mitarbeiter freigestellt worden – sie sind damit erwerbslos. Die übrigen Beschäftigten arbeiten noch die vorhandenen Aufträge ab. Der Insolvenzverwalter kündigte an, dass mit Betriebsrat und IG Metall „unverzüglich Gespräche über einen Sozialplan mit Interessenausgleich aufgenommen“ werden.

 

Im Juli 2019 Insolvenz angemeldet

Im Juli vergangenen Jahres hat Sihn – Hersteller von fluidischen und mechanischen Verbindungen für sensible Bereiche des Automobilbaus wie Servolenkungen – Insolvenz angemeldet. Damals sah der Insolvenzverwalter „gute Chancen, dass die Sanierung von Sihn gelingen kann“. Dass dies misslang, begründet Schmidt-Thieme mit der sich zuspitzenden Krise in der Autoindustrie; vor allem die Zulieferer von Komponenten für Nutzfahrzeuge und Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor seien betroffen. Trotz laufender Restrukturierungen habe das Unternehmen nicht kostendeckend gearbeitet. Neue Aufträge seien ausgeblieben. „Dies und die derzeit negativen Perspektiven für Zulieferer der Automobilindustrie schreckte potenzielle Investoren ab. Die Sihn GmbH selbst verfügt über keine Mittel mehr, um den Betrieb aufrechterhalten“, heißt es in der Mitteilung.

Kritik von der IG Metall

Die IG Metall spricht von den „bittersten aller Möglichkeiten“ und kritisiert das „katastrophale Missmanagement der früheren Geschäftsleitung“. Dies habe potenzielle Investoren genauso abgeschreckt wie die ungünstige Perspektive der Branche. Negativ war nach Ansicht von Arno Rastetter, Gewerkschaftssekretär bei der IG Metall, zudem die Teilverlagerung nach Bulgarien 2018. Rund 130 Mitarbeiter waren davon betroffen, hieß es damals.