Autoindustrie Kurzarbeit schürt neue Angst bei Opel

Von Klaus Dieter Oehler 

Im Opel-Stammwerk Rüsselsheim wird unter anderem das Modell Insignia gebaut. Foto: Alexander Heimann/Opel
Im Opel-Stammwerk Rüsselsheim wird unter anderem das Modell Insignia gebaut. Foto: Alexander Heimann/Opel

Sechs Monate lang dürfen in Rüsselsheim viele Beschäftigte nur noch an vier Tagen pro Woche arbeiten. Die Opelaner befürchten, dass nach dieser Phase Stellen gestrichen werden.

Rüsselsheim - Seit Freitag ist der Druck auf die rund 19 000 Mitarbeiter des Rüsselsheimer Autobauers Opel in Deutschland wieder gestiegen. Für insgesamt gut 4000 Beschäftigte des Technischen Entwicklungszentrums sowie aus der Verwaltung am Stammsitz hat eine mindestens sechsmonatige Phase der Kurzarbeit begonnen – das heißt, sie arbeiten nur noch an vier Tagen die Woche, der fünfte Arbeitstag wird durch Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit abgegolten. Das sind rund 65 Prozent des üblichen Gehalts und Lohns. Auf diese Maßnahme, die im Rahmen des Zukunftsprogramms Pace beschlossen wurde, hatte sich die Opel-Geschäftsführung mit dem Betriebsrat und der IG Metall bereits am 15. Dezember vergangenen Jahres geeinigt. Sie soll vor allem dazu dienen, die Arbeitsplätze zu sichern, heißt es.

In Betriebsratskreisen allerdings ist man nach wie vor verunsichert, und auch an den Werktoren in Rüsselsheim hört man vorwiegend skeptische Stimmen. „Das ist nur der Vorbote für Schlimmeres“, sagte dieser Tage ein Mitarbeiter auf dem Weg zu seiner Schicht.

Bis Ende des Jahres sind die Arbeitsplätze bei Opel durch Betriebsvereinbarungen gesichert

Bis Ende des Jahres sind die Arbeitsplätze bei Opel durch Betriebsvereinbarungen gesichert, die noch unter der alten Muttergesellschaft General Motors abgeschlossen worden waren. Seit der Übernahme durch den französischen PSA-Konzern jedoch ist die Angst vor einem drastischen Arbeitsplatzabbau nicht geringer geworden. Bis 2020 sind die Standorte in Deutschland gesichert, nicht aber die Zahl der Arbeitsplätze. Der Autoanalyst der Privatbank Metzler, Jürgen Pieper, glaubt durchaus, dass die Franzosen der bessere Partner für Opel sind, da sie mehr vom europäischen Markt verstehen als die Amerikaner, die das Unternehmen über Jahrzehnte dominiert haben. Es sei auch richtig, die Situation in allen Bereichen gründlich unter die Lupe zu nehmen.

Chancen sieht Pieper vor allem im Bereich der Transporter, da sowohl Opel als auch PSA davon etwas verstehen würden. Der Analyst rechnet aber auch damit, dass bis zum Jahresende mindestens 1000 Beschäftigte die Abfindungs- und Vorruhestandsangebote annehmen werden. Dann stünde das Unternehmen von der Kostenseite her deutlich besser da, so Pieper.

Es wird spekuliert, dass bis zu 4500 Jobs bei Opel gestrichen werden könnten

Ziel des Opel-Vorstandschef Michael Lohscheller ist es, die Kosten pro Auto um 700 Euro zu senken und die Gewinnschwelle schon bei 800 000 Autos pro Jahr erreichen zu können. Dies will Lohscheller nicht nur durch die Kurzarbeit erreichen, sondern auch durch die Ausweitung des Altersteilzeitprogramms bis auf den Jahrgang 1960. Die Vereinbarung sieht zudem eine deutliche Verringerung der Zahl der Leiharbeiter in Rüsselsheim und Kaiserslautern vor.

Nach Einschätzung von Gewerkschaftsmitgliedern, aber auch ehemaligen Opel-Managern wird das nicht reichen, um das Ziel einer Umsatzrendite von zwei Prozent bis 2020 oder gar sechs Prozent bis 2026 zu erreichen. Die von PSA-Chef Carlos Tavares und Opel-Chef Lohscheller vorgestellten Pläne, mit beiden Marken auf neue Märkte zu gehen und dort deutliche Absatzerfolge zu erzielen, sind nach Ansicht der Experten in dieser kurzen Zeit nicht zu erreichen. Opel war über Jahrzehnte durch die Ex-Muttergesellschaft vom Zugang wichtiger Automobilmärkte wie China abgeschottet. Hier erfolgreich zu sein werde eher eine Aufgabe von Jahrzehnten, heißt es aus Branchenkreisen. Vorerst bleibe daher nur das Mittel, die Kosten zu senken. Dabei wird darüber spekuliert, dass bis zu 4500 Jobs bei Opel gestrichen werden könnten, was bisher dementiert wird.

Was nach 2018 passiert, ist unklar

Bei der britischen Opel-Schwester Vauxhall kann der PSA-Chef Tavares schon durchgreifen. Im Werk von Ellesmere Port werde es ab April nur noch eine Schicht geben, 250 Stellen werden gestrichen, wie PSA mitgeteilt hat. Bereits im Oktober hatte der Konzern den Abbau von 400 Stellen dort angekündigt. Das entsprach in etwa einem Viertel der Belegschaft. In dem Werk wird das Modell Astra gebaut.

Was nach 2018 passiert, ist unklar. Zwar hat Lohscheller Anfang November sein Zukunftsprogramm Pace vorgelegt, mit dem Opel wieder in die Gewinnzone kommen soll. Dabei wird auch auf neue Technologien und Ideen gesetzt – die Ingenieure in Rüsselsheim müssen dies nun in vier statt in fünf Tagen schaffen. Dabei sollten dort globale Kompetenzzentren für die gesamte PSA-Gruppe entstehen. Als erste Aufgabenfelder waren die Entwicklung von Brennstoffzellen, ausgewählten Assistenzsystemen und Technologien zum automatisierten Fahren vorgesehen.

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