Das Schicksal als Auslaufmodell schien spätestens mit dem gestrichenen Umweltbonus besiegelt. Doch nun meldet sich der Plug-in Hybrid auf dem Automarkt eindrucksvoll zurück. Die Gründe.
Der Start klang damals verheißungsvoll. „Das Beste aus zwei Welten“, so bewarben die Autohersteller eine kombinierte Technik für ihr Plug-in Hybrid Electric Vehicle (PHEV), dessen Antriebsbatterie sowohl über einen Verbrennungsmotor als auch über Strom und Stecker geladen werden kann. Und seit der Einführung 2008 durch den chinesischen Hersteller BYD polarisiert die Kraft dieser zwei Herzen die Autoszene bis heute. Während die eine Seite den Plug-in Hybrid von Anfang an als äußert sinnvolle Brückentechnologie zwischen Verbrenner und Vollelektrifizierung eingestuft hat, bemängelten die Gegner vor allem das hohe Gewicht dieser Doppellösung, das sie bis heute vor allem für unentschlossen halten.
Vorbehalte gegenüber dem PHEV sind gerade erst wieder bei einer Veranstaltung dieser Redaktion zur Zukunft der deutschen Autoindustrie sehr deutlich zum Ausdruck gekommen. „Eine Technik, die das Schlechte aus zwei Welten vereint“ hieß es von einem Leser. Und ein anderer meinte: „Der Plug-in Hybrid ist eine Sackgasse, wer soll sich denn in China ein solches deutsches Fahrzeug kaufen?“ Dahinter steckt die Überlegung, dass die asiatische Konkurrenz nicht nur im vollelektrischen Bereich klare Vorteile bei der Preisgestaltung und Technik hat, sondern auch im hybriden. Dazu kommt bei den Kritikern die Befürchtung, dass zwei Antriebsarten die Pannenanfälligkeit eines Fahrzeugs deutlich erhöhe und die Sicherheit entsprechend mindere.
Steigende Zahl an Neuzulassungen
Als dann auch noch mit dem 1. Januar 2023 der Umweltbonus einkassiert wurde, schien das Aus des deutschen Plug-in-Hybrids endgültig besiegelt zu sein. Galt doch vielen der Preisnachlass als entscheidendes Kaufargument. Von einem hoffnungslosen Fall war fortan die Rede.
Doch das hört sich nun plötzlich wieder völlig anders an. Denn die aktuellen Zahlen sprechen in Deutschland eine andere Sprache. Von Januar bis März 2024 wurden in Deutschland rund 45 000 Plug-in Hybrid-Autos neu zugelassen. Da ist eine 20-prozentige Steigerung im Vergleich zu den ersten drei Monaten des vergangenen Jahres. Interessant ist in diesem Zusammenhang der Blick nach China, wo im Jahr 2023 der Absatz dieser Fahrzeuge um satte 82 Prozent zugenommen hat. Dabei zahlt sich auch aus, dass die elektrische Reichweite chinesischer Plug-in-Hybrid-Pkw mittlerweile 200 Kilometer aufweist – Tendenz steigend.
China sei in diesem Segment ein interessanter Markt für deutsche Hersteller und möglicherweise erfolgversprechender als für vollelektrische Modelle. „Chinesen sind von deutschen Verbrennern überzeugt, Plug-in Hybride sind eine gute Möglichkeit, sie auch an unseren E-Antrieb heranzuführen und davon zu überzeugen“, so heißt es in einer Einschätzung des ADAC. Schließlich stoßen rein batteriebetriebene Fahrzeuge aus Deutschland auf dem größten Automarkt der Welt noch auf wenig Interesse, weil in diesem Bereich den eigenen Herstellern mehr Expertise zugeschrieben wird.
Zurück auf den hiesigen Markt. Dort ist der Plug-in-Hybrid gegenüber dem reinen E-Auto wieder konkurrenzfähig, nachdem nun auch für die Vollelektrischen der Umweltbonus gestrichen ist. Hinzu kommt, dass der Zweifel in Deutschland wächst, dass das für 2035 beschlossene EU-weite Verbrenner-Aus mit Blick auf die wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit darstellbar ist. So könnte der Plug-in-Hybrid im Zuge der 2026 stattfindenden Überprüfung der Entscheidung eine ganz neue Bedeutung bekommen und als sinnvolle Brückentechnik gesehen werden. Das wäre dann ein ganz anderes Image als zuvor. Galt der Plug-in Hybrid doch auch immer als Tricksermodell, mit dem man an finanzielle Umweltvorteile kommt, ohne das Auto entsprechend zu nutzen. Dies passiert, wenn fast ausschließlich im Kraftstoff- und praktisch nie im E-Modus gefahren wird.
Die Reichweite lässt sich verlängern
Im Vergleich ist der Verbrenner weiterhin billiger als der Plug-in-Hybrid. Während das reine E-Auto noch längere Zeit die teuerste Variante sein dürfte. Wie die Preisstaffelung der einzelnen Antriebsarten aussieht, lässt sich gut am Modell Niro des südkoreanischen Herstellers Kia ablesen. 30 690 Euro – 36 690 Euro – 39 990, so lauten die in Deutschland aufgerufenen Preise für das Kompakt-SUV.
Auch in diesem Bereich wird es noch Verschiebungen geben, so wie sich auch beim Plug-in-Hybrid die Bedeutung der beiden Antriebsarten verändern wird. Das gelingt immer besser mit dem Reichweitenverlängerer (Range Extender). Diese Funktion kann ein Verbrennermotor übernehmen, mit dessen Hilfe der Elektroantrieb mit Strom versorgt wird. So funktioniert das Hybridmodell der Zukunft.