Synthetische Kraftstoffe können die Klimabilanz von Autos mit Verbrennungsmotor stark verbessern. Foto: dpa/Arno Burgi

Synthetische Kraftstoffe gelten als Hoffnungsträger vieler Autobauer in Deutschland, denn sie könnten den Diesel fast klimaneutral machen. Doch das Interesse schwindet.

Stuttgart - Die deutsche Autoindustrie rückt von ihrer jahrelang erhobenen Forderung ab, synthetische Kraftstoffe angesichts ihrer günstigen Klimawirkung bei den EU-Grenzwerten besser zu behandeln als fossile Treibstoffe aus Erdöl. In einem Positionspapier, das der Verband im Februar herausgab und unserer Zeitung vorliegt, heißt es zwar, solche E-Fuels seien die bisher einzige Möglichkeit, erneuerbare Energie im großen Maß zu speichern und über weite Strecken zu transportieren. Gleichzeitig aber strich der Verband in dem Papier seine bisherige zentrale Forderung, die Klimawirkung synthetischer Kraftstoffe bei den CO2-Grenzwerten für Autos zu berücksichtigen.

Die Hauptforderung ist verschwunden

Noch im Jahr 2018 hatte der VDA in einem Positionspapier gefordert, die Klimavorteile anzurechnen. Es handle sich hier um die „Hauptforderung“, um den Markthochlauf dieser Kraftstoffe voranzubringen.

Synthetische Kraftstoffe können aus erneuerbaren Energien gewonnen werden, die ansonsten ungenutzt verpuffen würden. Darüber hinaus ist es möglich, sie mit CO2 herzustellen, das ansonsten in der Umwelt verblieben wäre. Eine Anrechnung der Klimavorteile von E-Fuels könnte Investitionen in Anlagen attraktiver machen, die solche Kraftstoffe herstellen und die Ökobilanz von Verbrennungsfahrzeugen verbessern.

Ein VDA-Sprecher sagte, der Verband habe seine Position nicht geändert. Langfristig müssten alle verfügbaren Technologien zur Anwendung gelangen. Bis zum Jahr 2024 investierten deutsche Hersteller und Zulieferer aber 50 Milliarden Euro allein in die Elektromobilität.

„Schlechte Nachricht für Arbeitsplätze“

Das Bundesumweltministerin erklärte, es habe sich immer gegen eine Anrechnungsmöglichkeit ausgesprochen. Diese würde das „Ambitionsniveau der Regulierung schwächen“.

Die umweltpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, die Stuttgarter Abgeordnete Judith Skudelny, sagte unserer Zeitung, im VDA gebe es schon lange Streit über die Antriebstechnologien. „Nun setzt sich immer mehr die Seite durch, die den Verbrennungsmotor aus den Augen verliert. Das ist erschreckend für die Autoindustrie und keine gute Nachricht für die Arbeitsplätze.“ Synthetische Kraftstoffe dürften „nicht vernachlässigt werden, nur um kurzfristig die Rentabilität der Investitionen ins Elektroauto zu erhöhen“.

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