Den Mercedes-Kleinbus konnte die Familie nach Kissing mitnehmen, aber die zur Zulassung erforderlichen Fahrzeugpapiere hat sie bis heute nicht. Foto: /Privat​

Eine Familie aus Bayern hat für 40 000 Euro einen Mercedes-Kleinbus beim Autohaus Enes in Salach gekauft. Der Wagen kann aber seit vier Monaten nicht zugelassen werden. Der Fall ist ein Beispiel dafür, wie eine Firmeninsolvenz auch Privatleute hart treffen kann.

Im Oktober kam das dritte Kind, und die Oma sollte auch Platz finden. Also sollte ein größeres Auto her, „um gemeinsam mal wegzufahren“, berichtet Kathrin Kosel. „Wir suchten ewig.“ Schließlich wurde die Familie aus Kissing (Landkreis Aichach-Friedberg) im Internet fündig. Jetzt steht das Fahrzeug seit vier Monaten in Kissing, kann aber nicht gefahren werden, weil die Familie mit einer Bank über den Fahrzeugbrief streitet. Die Kosels haben nach eigenen Angaben 40 000 Euro bezahlt und sollen nun bis zu 20 000 Euro nachlegen, damit sie das Auto zulassen können.

 

Beim Autohaus Enes in Salach hatte Familie Kosel ihr passendes Fahrzeug gefunden: Ein Mercedes-Benz V250 AMG, so steht es im Kaufvertrag. „Das ist nicht so weit“, dachte sich die Familie, „da können wir mal hinfahren“. Also sei telefonisch für den nächsten Tag, Samstag, 9. November, ein Termin vereinbart worden.


Wagen war in tadellosem Zustand

Mit 5000 Euro für eine Anzahlung im Portemonnaie fuhr die Familie los, und es begann ein Albtraum, der an die Nerven geht und noch viel Geld kosten könnte. Schon der Anfang war schwierig. Vor Ort im Autohaus sei viel los gewesen. Jeder Verkäufer habe mit zahlreichen Kaufverträgen hantiert. „Es hat gedauert.“ Schließlich habe ihnen ein Verkäufer einen Schlüssel gegeben. „Wir haben uns den Wagen angeschaut. Er war in einem tadellosen Zustand“, sagt Kosel. „Scheckheftgepflegt.“

Sie schätzt, dass der Kleinbus neu etwa 60 000 Euro kostet. Damals sei eine Mappe mit Papieren und Dokumenten für das Fahrzeug vorhanden gewesen. Daraus seien die Daten entnommen worden. Laut einem Foto des Kaufvertrags, es steht Autohaus Enes GmbH & Co. KG im Kopf, wurde der Wagen im März 2021 erstmals zugelassen. Er ist mit 80 000 Kilometer angegeben. Am 9. November 2024 wurde eine Anzahlung von 5000 Euro geleistet, weitere 34 999 Euro wurden demnach an den Tagen danach in zwei Tranchen überwiesen. Käuferin des Mercedes ist Kathrin Kosels Mutter.

Nach der Überweisung wollten sie die Papiere haben, seien aber von verschiedenen Personen mehrfach vertröstet worden. Am 15. November holten sie den Wagen ab: „Wir wollten die Papiere haben, bekamen sie aber wieder nicht.“ Sie habe mit einer Tochter des Geschäftsführers gesprochen, sagt Kathrin Kosel. Sie hatte das Gefühl, dass sich der Chef verleugnen ließ. Im Kaufvertrag, in dem die Abholung am 15. November vermerkt ist, steht: „Dokumente werden nachgereicht.“

„Jetzt ist der Insolvenzverwalter da“

In den nächsten Tagen hätten sie vergeblich telefonisch auf die Unterlagen gedrängt. In dem Zeitraum seien auch die Internetbewertungen des Autohauses immer schlechter geworden. Dann wurde am 26. November 2024 das vorläufige Insolvenzverfahren eröffnet. „Da können wir nichts mehr machen, jetzt ist der Insolvenzverwalter da“, erinnert sie sich an ein Telefongespräch mit einem Mitarbeiter des Autohauses. „Dann hat der Wahnsinn seinen Lauf genommen“, berichtet Kosel.

Wie sich herausstellte, lagen die Papiere bei der CreditPlus Bank. Die 1960 gegründete Stuttgarter Bank nennt Absatzfinanzierung, Händlerfinanzierung und Privatkredite als Schwerpunkte. Der nach eigener Aussage „Spezialist in Sachen Finanzierung“ forderte für die Papiere 20 000 Euro. „Wir waren bereit, 5000 Euro zu bezahlen“, sagt die dreifache Mutter. Alexander Keller, der in Frankfurt arbeitet, war Kosels Gesprächspartner bei der CreditPlus. „Wir versuchten eine Einigung zu erreichen“, sagt Keller. Die Bank habe dem Autohaus den Kauf des Kleinbusses mit 55 000 Euro finanziert. „Wir haben eine offene Forderung. Wir sehen uns als Eigentümer.“ Er verstehe die Situation der Käufer, aber aus Sicht der Bank gehe es darum, die Verluste gering zu halten. Deswegen die Geldforderungen vor Herausgabe der Papiere.

Zivilverfahren zwischen der Familie und der Bank

Keller bestätigt, dass mit vielen Käufern des Salacher Autohauses Gespräche geführt wurden. Mit manchen sei man sich einig geworden. Wenn der Kredit, der auf einem Fahrzeug liegt, niedrig war, und der Aufwand hoch wäre, das Auto zurückzubekommen, weil es im Ausland ist, habe man sich auch auf niedrige Summen geeinigt. Im Fall der Familie Kosel liege man viel zu weit auseinander. So weit könne er die Forderung nicht reduzieren. Inzwischen läuft ein Zivilverfahren zwischen der Familie Kosel und der Bank vor dem Landgericht Stuttgart. Für Juni ist ein Gütetermin angesetzt.

Ein offenbar gutes Ende hat der Autokauf für die Familie Quack genommen. Die Familie aus der Nähe von Würzburg hatte ein Auto gekauft, um den schwerbehinderten Sohn transportieren zu können. Wie Kathrin Kosel telefonisch und über die gut vernetzte Whatsapp-Gruppe erfahren hat, können die Quacks ihren Mercedes-Bus jetzt fahren, ohne dass eine weitere Zuzahlung nötig war.

Insolvenzverfahren wurde am 3. März eröffnet

Insolvenz
 Das Amtsgericht Göppingen hat am 26. November 2024 Michael Wahl von der Ulmer Kanzlei Pluta zum vorläufigen Insolvenzverwalter des Autohauses Enes bestellt und am selben Tag den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens durch das Unternehmen bekannt gegeben. Am 3. März 2025 wurde das Insolvenzverfahren eröffnet.

Anzeigen
 ​Im Zusammenhang mit dem Autohaus wurden mehr als 50 Anzeigen erstattet, berichtet Staatsanwältin Ayfer Kaplan-Pirl von der Staatsanwaltschaft Ulm. Es gehe um Betrug in sechsstelliger Höhe und mögliche weitere Delikte. Es werde gegen sechs Tatverdächtige ermittelt.