Im Streit zwischen Autohändler Harry Baun und dem Landratsamt geht es um eine Wiese, die er mit Rasengitter befestigt hat. Das Amt fordert den Rückbau, Baun fürchtet um seinen Standort.
Harry Baun weiß nicht, wie es mit seinem Betrieb weitergehen soll. Seit 1970 gibt es das VW-Autohaus Baun an der Ortseinfahrt nach Weil im Schönbuch, er selbst übernahm das Geschäft im Jahr 2000 von seinen Eltern. Das Geschäft läuft gut, sagt Baun, er verkauft etwa 500 Autos im Jahr, auch die Werkstatt ist ausgelastet. „Ich bin ein guter Steuerzahler.“ Doch was das Landratsamt nun von ihm fordert, bezeichnet er als geschäftsbedrohend. „Wenn ich die Fläche nicht nutzen kann, kann ich diesen Standort nicht halten“, sagt er.
Die Fläche, von der er spricht, liegt auf der gegenüberliegenden Straßenseite seines Autohauses. Jene Wiese, die zwischen Schaichhofstraße und Bahngleisen liegt, gehört seit drei Jahrzehnten seinen Eltern, und Baun nutzt sie seit über 20 Jahren, um dort verkaufte Autos abzustellen, bis die neuen Besitzer sie abholen. „Das wurde immer geduldet“, betont Baun. Vor zehn Jahren habe er die Wiese, die sich nach und nach absenkte, wieder geebnet und mit grobem Schotter belegt.
„Autos im Dreck versunken“: Baun stabilisiert Abstellfläche
Doch über die Zeit senkte sich die Wiese erneut ab, und dieses Frühjahr seien die Fahrzeuge regelrecht im Dreck versunken, berichtet der Autohaus-Inhaber. „Wir mussten die Autos teilweise mit dem Abschleppwagen rausziehen, weil sie festgesteckt sind.“ Daraufhin habe er die rund 400 Quadratmeter große Abstellfläche für einen fünfstelligen Betrag von einer Fachfirma aufbereiten und mit Rasengitter belegen lassen. Es besteht aus recyceltem Kunststoff von etwa acht Mal acht Zentimeter großen Waben, die den Boden stabilisieren. „Es ist keine Bodenversiegelung, die Fläche ist wasserdurchlässig“, versichert Baun. Er zeigt auf viele Grassamen, die zwischen den Waben liegen, und sagt: „Das wird alles Wiese, man wird nichts mehr von dem Rasengitter sehen. Sie ist dadurch nur befahrbar.“
Vom Landratsamt erhielt der Autohausbesitzer Mitte März, unmittelbar nach Fertigstellung der Maßnahme, ein Schreiben. Darin wird er aufgefordert, das Rasengitter bis zum 30. April zurückzubauen, ebenso einige Betonplatten im hinteren Bereich. „Die liegen schon immer da“, sagt Baun kopfschüttelnd. Erfülle er die Forderung nicht, werde das Landratsamt die Beseitigung kostenpflichtig anordnen, heißt es im Schreiben.
Genehmigung fehlt: Bußgeld für Autohaus Baun droht
Begründet wird das Vorgehen damit, dass keine Baugenehmigung vorliege. Da es sich um Außenbereich handele, sei die Fläche grundsätzlich von Bebauung freizuhalten. Eine Genehmigung könne es nur bei „gesetzlicher Privilegierung“ geben, zum Beispiel bei landwirtschaftlicher Nutzung. Die errichteten Stellplätze seien somit nicht genehmigungsfähig. Darüber hinaus werde beabsichtigt, ein Bußgeld gegen ihn zu verhängen, da er als Bauherr dafür verantwortlich sei, dass die baurechtlichen Vorschriften eingehalten würden.
Auf Nachfrage bei der Pressestelle des Landratsamtes betont die Sprecherin Simone Hotz die Unrechtmäßigkeit des Rasengitters: „Es handelt sich hier um einen Vorgang, wo ohne Antrag geschweige denn ohne Genehmigung Fakten geschaffen wurden. Es ist nicht zulässig und daher zurückzubauen“, schreibt sie. Der Bürgermeister von Weil im Schönbuch, Wolfgang Lahl, bestätigt, dass Baun 2024 im Rathaus angefragt habe, ob die Grünfläche mit Rasengitter für eine gewerbliche Stellplatzfläche genutzt werden könne. Diese Anfrage sei vom Ortsbauamt verneint worden. Lahl verweist ebenfalls darauf, dass es sich um Außenbereichsfläche handele, die keine Baumaßnahme zulasse. Über ein Bebauungsplanverfahren eine baurechtlich andere Situation zu schaffen, habe der Gemeinderat mehrheitlich abgelehnt.
„Das Autohaus Baun hat mit dem Bau ohne Genehmigung Tatsachen geschaffen“, sagt Lahl. Baun habe unrechtmäßig gehandelt und dann „durch die kalte Küche“ rechtmäßige Zustände schaffen wollen. Gleichwohl könne er das wirtschaftliche Interesse des Betreibers „selbstverständlich auch nachvollziehen“, merkt der Bürgermeister an.
Autohändler hofft auf Lösung
Harry Baun hat in der Zwischenzeit über einen Anwalt eine Fristverlängerung bis Ende Mai erwirkt. „Ich habe dem Landratsamt geschrieben, dass wir keine andere Möglichkeit hatten. Die Autos sind im Dreck versunken.“ Er hoffe, dass gemeinsam ein Konsens gefunden werde. Schließlich habe er nichts versiegelt und kein Bauwerk errichtet – anders als seiner Auffassung nach der Nachbarbetrieb, der auf seiner Außenfläche ein Bauwerk stehen und den Boden mit Betonsteinen versiegelt habe. „Da sagt keiner was.“
Nicht fassen kann Baun, dass sein Betrieb seit 1990 mit den Behörden im Austausch über die Fläche ist und all die Jahre kein Weg gefunden wurde, eine Lösung zu finden. „Es kann doch nicht sein, dass einem Unternehmer so Knüppel in den Weg geworfen werden und man seit fast 40 Jahren versucht, das in Ordnung zu bringen.“ Er hofft auf eine gute Wendung.