Sparsame Fahrzeuge sind gefragt, so Autohändler Stefan Dast. Foto: -/ Kuhnle

Wer aktuell einen „Gebrauchten“ sucht, tut sich oft schwer. Das Angebot ist knapp, die Preise hoch. Zwei Stuttgarter Gebrauchtwagenhändler sagen, ob es günstiger wird.

Viele Konsumenten sind angesichts der hohen Inflation und der gestiegenen Energiepreise verunsichert. Das spüren auch jene Autohändler, die sich auf Gebrauchtwagen spezialisieren. Zwei von ihnen schätzen die weitere Entwicklung ein. Was sollten Käufer wissen, und wann steigen die Chancen auf ein Schnäppchen?

 

Wie ist das Angebot aktuell bei den Gebrauchten?

„Wir haben viel zu wenige Fahrzeuge auf dem Hof“, berichtet Thomas Kaspar von K Automobile in Stuttgart-Bad Cannstatt. „Normalerweise sind es um die 30, aktuell habe ich nur 13 Fahrzeuge im Angebot.“ Vor allem bei Fahrzeugen in der Kompaktwagenklasse sieht es mau aus. Im Stuttgarter Stadtteil Feuerbach verkauft Stefan Dast bei OD Automobile vor allem BMW und Minis. Auch Dast erlebt, dass die Hersteller wegen der Chipkrise bei der Produktion aufholen müssen. Immer schwieriger wird das Geschäft mit Kleinwagen, weil viele Autokonzerne die Fahrzeuge aus dem Programm nehmen oder dieses ausdünnen. Dies wirkt sich zunehmend auf das Angebot der Gebrauchtwagenhändler aus.

Wie teuer sind die Fahrzeuge – und wie ist die Preisentwicklung?

Thomas Kaspar registriert, dass es für Käuferinnen und Käufer derzeit teurer wird. „Die Preise gehen tendenziell nach oben“, sagt der Händler aus Cannstatt. „Im vergangenen Jahr hätten Sie die meisten Gebrauchten rund zehn bis 15 Prozent günstiger bekommen.“ Stefan Dast sieht die Entwicklung nüchtern: „Die Preise haben teilweise deutlich angezogen, aber Gebrauchtwagen waren auch lange Zeit unterbewertet.“ Wer heute sein Fahrzeug nach drei Jahren verkaufe, könne im Vergleich zu den Jahren vor der Coronapandemie einen angemessenen Preis erzielen.

Welche Modelle sind besonders nachgefragt?

Wenn er mit seinen Kunden spricht, merkt Stefan Dast schnell, was die Leute interessiert – und welche Modelle inzwischen weniger attraktiv sind. „Die Minis verkaufen sich gut, am meisten Nachfrage lösen aber immer noch SUVs aus.“ Luxus gehe immer, erzählt Dast, gleichzeitig spüren die Händler: „Alles, was sparsam ist, steht momentan im Fokus der Leute.“ In Cannstatt fragen viele Interessenten bei Thomas Kaspar nach Kompaktwagen – also Autos, die zwischen Kleinwagen und unterer Mittelklasse angesiedelt sind. „Leider können wir diese Nachfrage mit unserem Angebot momentan kaum bedienen.“

Wo liegen die bundesweiten Durchschnittspreise für Gebrauchtfahrzeuge?

Der Online-Händler Autoscout 24 erhebt einen monatlichen Gebrauchtwagen-Preisindex. Die aktuellsten Zahlen für den Oktober 2022 weisen demnach ein Allzeithoch aus: Der durchschnittliche Gebrauchte wechselt auf dieser Plattform für mehr als 28 200 Euro den Besitzer – im vergangenen Jahr lag der Durchschnittspreis noch bei rund 24 500 Euro. Interessant ist auch der kurzfristige Vergleich der Preise zum Vormonat bei den jeweiligen Antriebsarten der Fahrzeuge: Benziner verteuerten sich leicht, E-Autos sind hingegen vier Prozent günstiger geworden.

Wie kommen gebrauchte E-Autos im Vergleich zu Benzinern an?

Inzwischen hat sich auch bei Fahrzeugen mit elektrischen Antrieben ein gewisser Markt bei den Gebrauchten entwickelt. „Wir haben eine deutlich höhere Nachfrage als noch vor ein bis zwei Jahren“, sagt Thomas Kaspar. Aber auch bei E-Autos ist der Aufwand für viele Händler enorm, um den eigenen Bestand aufzufüllen. „Wir fahren diese Woche quer durch die Republik, um in Schleswig-Holstein zwei Smart abzuholen.“ In Feuerbach blickt Stefan Dast hingegen skeptisch auf dieses Marktsegment: „E-Autos gehen bei uns als Gebrauchte gar nicht, weil die Förderung für Neuwagen so hoch ist.“ Darüber hinaus gebe es bei den E-Autos in rascher Folge technische Neuerungen, so dass sich viele potenzielle Käufer mit einer Entscheidung noch zurückhielten.

Wie könnten sich Angebot und Preise bei den Gebrauchten entwickeln?

Aus Sicht von Stefan Dast hängt bei der Preisentwicklung für gebrauchte Fahrzeuge viel von der weiteren Entwicklung des russischen Angriffskrieges in der Ukraine ab: „Sollte der Krieg enden, dann explodiert der Markt.“ Der Handel könnte kräftig profitieren. Der Cannstatter Händler beobachtet, dass erste Vertragshändler bei den Neuwagen inzwischen wieder Rabatte einräumen. „Das gab es zuletzt gar nicht mehr“, sagt Thomas Kaspar. Infolgedessen könnte sich auch der Gebrauchtwagenmarkt entspannen: „Ich denke, dass die Preise ab Anfang nächsten Jahres etwas günstiger sein könnten“, prognostiziert er.

Worauf Käufer unbedingt achten sollten

Unfallwagen
Wer auf ein Schnäppchen aus ist, sollte beim Kauf eines Gebrauchten genau hinsehen, raten die Experten der Prüfgesellschaft Dekra. Ein vermeintlich extrem günstiges Auto erweist sich bei näherem Hinsehen womöglich als Unfallwagen. Interessenten sollten die Fugen zwischen Motorhaube, Radlauf, Türen und Kofferraumdeckel kontrollieren. Unterschiedlich große Spaltmaße weisen auf einen Unfallwagen hin. Darauf deuten auch Reste von Klebebändern beispielsweise im Motorraum hin. Auch ein ungleichmäßiger Farbton auf dem Lack des Fahrzeugs kann ein Hinweis auf eine entsprechende Reparatur des Autos sein.

Expertenrat
Sachverständigen raten dringend davon ab, ein Fahrzeug bei Dämmerlicht, Regen oder in verschmutztem Zustand zu besichtigen, denn bei schlechtem Licht werden zu viele wichtige Details übersehen. Wer bei der Besichtigung ins Zweifeln gerät, tut gut daran, einen neutralen Fachmann zurate zu ziehen; vor allem dann, wenn der Verkäufer für Auffälligkeiten keine überzeugende Antwort parat hat.