Autobranche Stuttgarter Konzerne fahren autonom in Kalifornien

Von Ulrich Schreyer 

Die Stadt, in der der Shuttlebetriebmit autonom fahrenden Autos beginnt, steht noch nicht fest. Foto: Daimler
Die Stadt, in der der Shuttlebetriebmit autonom fahrenden Autos beginnt, steht noch nicht fest. Foto: Daimler

Daimler und Bosch wollen in einer Stadt im Silicon Valley von Mitte des nächsten Jahres an einen Shuttle-Verkehr mit autonom fahrenden Autos anbieten.

Stuttgart - Daimler und Bosch wollen in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres in Kalifornien mit einem Shuttleservice für automatisiertes Fahren an den Start gehen. Dies erklärten der Fahrzeugbauer und der weltweit größte Autozulieferer bei einer Telefonkonferenz. Offen ist noch, in welcher Stadt im Silicon Valley die autonom fahrenden Autos über die Straßen rollen sollen.

Zunächst ist noch ein Fahrer dabei

Die Benutzung des Shuttleservices soll für die Kunden während der Pilotphase noch nichts kosten. Die Fahrten würden zwar auf ein bestimmtes Gebiet beschränkt, in diesem könnten die Fahrzeuge aber jede Straße und Route benutzen. Während der Testphase fährt in den Autos noch ein Fahrer mit, der notfalls eingreifen kann. Befördert werden sollen zunächst zwei Passagiere. Betreiber der Testflotte ist die Konzernsparte Daimler Mobility Service. Die Entscheidung für die Versuche fiel deshalb auf Kalifornien, weil beide Unternehmen dort Forschungs- und Entwicklungsteams haben. Zudem erlaubten die dortigen Vorschriften, autonom fahrende Autos einzusetzen. Auch die Straßen seien breiter als etwa in Deutschland, so dass die Fahrzeuge etwas mehr Zeit für Reaktionen, etwa auf Verkehrshindernisse, hätten.

Daimler und Bosch haben ihre Entwicklungskooperation bereits im April des vergangenen Jahres begonnen. Bei der Arbeit an voll automatisierten Fahrzeugen arbeiten beide Konzerne exklusiv zusammen. Sie finanzieren die Entwicklung zu gleichen Teilen. Über die Kosten sei Stillschweigen vereinbart worden, so ein Sprecher von Daimler. Der Fahrzeughersteller stellt die notwendigen Entwicklungsfahrzeuge zur Verfügung, ebenso die Prüfeinrichtungen sowie später die Autos für die Testflotte. Von Bosch kommen Komponenten wie Steuerungen und Sensoren. Für Probefahrten nutzt Daimler auch seine Teststrecke in Immendingen, Bosch sein Gelände in Boxberg. Für Privatkunden sollen selbstfahrende Autos vom Anfang des nächsten Jahrzehnts an angeboten werden.

Die ersten autonomen Autos sollen Elektrofahrzeuge sein

Die ersten automatisierten Fahrzeuge sollen nach den Angaben von Daimler Elektroautos sein. Denkbar sei aber, zu einem späteren Zeitpunkt auch Autos mit Verbrennungsmotor mit Komponenten für das autonome Fahren auszurüsten. Mercedes-Benz besitzt seit 2014 eine Genehmigung für den Test von automatisierten Fahrzeugen in der kalifornischen Region Sunnyvalle. Eine ähnliche Erlaubnis hat das Unternehmen seit dem vergangenen Jahr auch für die Gegend um Sindelfingen und Böblingen. Bosch war weltweit der erste Zulieferer, der automatisiertes Fahren auf öffentlichen Straßen getestet hat. Die ersten Fahrten in Deutschland und in den USA hatten 2013 stattgefunden.

Zusammen mit den Plänen für die Aufnahme des Shuttlebetriebs mit autonomen Fahrzeugen gaben Bosch und Daimler die Auswahl des US-Unternehmens Nvidia als Lieferant für leistungsfähige Prozessoren für Künstliche Intelligenz bekannt. Dabei liefere das Unternehmen sowohl Hardware-Komponenten als auch Software. Künstliche Intelligenz ist nötig, damit ein Fahrzeug auf die unterschiedlichsten Situationen im Straßenverkehr reagieren kann.

US-Firma als Partner für die Datenverarbeitung

Auf der Software von Nvidia laufen Algorithmen, die Bosch und Daimler in einem maschinellen Lernverfahren erzeugt haben. Ein Verbund von Steuergeräten in den Fahrzeugen erreicht eine Kapazität von Hunderten Billionen Rechenoperationen in der Sekunde. Diese Kapazität sei so hoch wie die von sechs hochmodernen Computerarbeitsplätzen, heißt es in einer Mitteilung von Daimler und Bosch. So erzeuge beispielsweise die Stereo-Videokamera von Bosch pro gefahrenem Kilometer 100 Gigabyte an Daten. Der Verbund an Steuergeräten wertet riesige Datenmengen in nur 20 Millisekunden aus und plant dann den Fahrweg des Autos. In der Pilotphase sollen die Steuerungselemente lernen, wie sie sich im Straßenverkehr verhalten müssen. Der Testbetrieb soll zeigen, wie sich autonome Fahrzeuge in das Verkehrssystem einbinden lassen.

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