Der Autobauer Daimler, im Bild Konzernlenker Dieter Zetsche, nimmt seine Gewinnziele für 2013 zurück und sucht im gesamten Konzern nach Einsparmöglichkeiten. Foto: dapd

Spätestens 2020 will Daimler Audi und BMW bei Absatz und Profitabilität überrunden. 2012 allerdings haben die Mitbewerber die Stuttgarter weiter abgehängt. Nun will Konzernlenker Dieter Zetsche die Geschäftsprozesse weltweit auf Vordermann bringen.

Stuttgart - In einem Brief hat Zetsche die Mitarbeiter bereits am Mittwoch auf den anstehenden Sparkurs vorbereitet, einen Tag später gibt es erste Inhalte des Programms „Fit for Leadership“. Bis Ende 2014 soll es zwei Milliarden Euro Ersparnis bringen, etwas mehr als die Hälfte bereits im kommenden Jahr. Wo genau der Autobauer an der Kostenschraube dreht, beantwortete Finanzchef Bodo Uebber bei der Präsentation der Quartalszahlen aber nur vage. Zusammengefasst soll alles auf den Prüfstand – die Abläufe in der Produktion ebenso wie der schwächelnde China-Absatz. Im Reich der Mitte lief es für Daimler dieses Jahr deutlich schlechter als für die Mitbewerber, wochenlang wurde gar nicht produziert, zudem bremsen komplizierte Vertriebsstrukturen. Diese will Daimler vereinfachen und darüber hinaus 850 Millionen Euro unter anderem in die IT-Ausstattung seiner chinesischen Händler investieren.

Auch die Produktion vor Ort bleibt nicht verschont, hier will Uebber erreichen, dass die Beschäftigten künftig in der gleichen Zeit deutlich mehr Fahrzeuge bauen. Außerdem erwägt der Konzern offenbar, sich mehr Komponenten zuliefern zu lassen. Neuerdings beziehen die Stuttgarter von Renault-Nissan kleine Motoren. Verglichen mit anderen Autobauern verfügt Daimler über eine relativ hohe Fertigungstiefe, da neben Motoren auch Getriebe und Achsen selbst gebaut werden. Bisher seien die Abläufe aber nur „auf dem Prüfstand“, sagte Uebber, Entscheidungen seien nicht gefallen. Auch nicht zur Zahl der Beschäftigten, Uebber deutete lediglich an, dass diese sinken könne. Dafür will der Autobauer Stellen nicht wieder ­besetzen sowie Altersteilzeitverträge und Abfindungen zum freiwilligen Ausscheiden anbieten. Uebber: „Wir werden uns so aufstellen, dass wir langfristig fit für die ­Zukunft werden.“

Die Stuttgarter fallen im Wettbewerb weiter zurück

Davon ist Daimler weit entfernt, neben der Gewinnerwartung für das Gesamtjahr kassierte Uebber auch die Renditeziele für alle Konzern-Sparten ab 2013 ein. Dann sollten Pkw nachhaltig zehn Prozent Umsatzrendite erwirtschaften, Lkw acht. In den ersten neun Jahresmonaten 2012 kam die Sparte Mercedes-Benz Cars auf eine Umsatzrendite von 7,7 Prozent, das Geschäft mit Lkw war mit knapp sechs Prozent profitabel. In der Bussparte rutschte Daimler ins Minus. 2013 erwartet Uebber für die wichtigsten Sparten Pkw und Lkw ähnliche ­Ergebnisse.

Damit fallen die Stuttgarter im Wettbewerb weiter zurück: Audi erwirtschaftete bis Ende September 11,2 Prozent Umsatzrendite, BMW legt seine Zahlen erst noch vor. Bereits zur Jahresmitte lagen die Münchener mit 11,6 Prozent Rendite aber deutlich vor den 8,5 Prozent von Daimler. Im dritten Quartal sackte die Rendite von Mercedes-Benz Cars auf 6,4 Prozent ab. Trotzdem bekräftigte Uebber das Ziel Zetsches, die Konkurrenz bis 2020 bei Absatz und ­Profitabilität zu überrunden. „Wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen, haben aber einen Plan“, betonte er. Bisher hätten dem Stuttgarter Unternehmen Modelle gefehlt, mit denen die Konkurrenten punkten konnten, zum Beispiel BMW mit dem kleinen Geländewagen X1. „In einem Jahr wie 2012 können wir nicht aufholen“, rechtfertigte sich Uebber, neben einbrechenden Absatzmärkten in Westeuropa habe Daimler hohe Investitionen in neue Modelle zu verkraften.

Von der aktuellen B-Klasse-Generation hat Daimler bis heute 100.000 Stück verkauft

Bereits in zwei Jahren soll auch Mercedes über eine „extrem junge“ Modellpalette ­verfügen: 2013 kommt die nächste Generation der S-Klasse heraus, und die E-Klasse bekommt ein frischeres Design. 2014 steht dann der Generationswechsel beim Brot-und-Butter-Modell C-Klasse an, zudem werden die Kompaktwagen A- und B-Klasse in den nächsten Jahren um weitere Varianten aufgestockt. Vor allem im Kompaktsegment verspricht sich der Konzern steigende Verkaufszahlen: Von der aktuellen B-Klasse-Generation hat Daimler bis heute 100.000 Stück verkauft, die neue A-Klasse wurde seit Juni mehr als 70.000-mal bestellt. „Die Resonanz ist phänomenal“, betonte Uebber. Und weil die Kompaktfahrzeuge zu einem großen Teil baugleich sind, steigt damit ­zugleich die Profitabilität.

Das laufende vierte Quartal beschert den Autobauern weiterhin „große Unsicherheiten“, sagte Uebber. Dank einer starken Nachfrage in den USA und in China rechnet der Finanzchef in den drei letzten Jahresmonaten und auch 2013 aber mit steigenden Absatzzahlen. Künftige Investitionen will der Konzern deswegen „überproportional in diese Wachstumsmärkte lenken“. Eher verhalten bleiben die Aussichten für die kleinsten Geschäftssparten Transporter und Busse: In beiden erwartet der Konzern 2012 ­weniger Verkäufe als im Vorjahr.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: