Der Autobauer Daimler will von der kulturellen Vielfalt im eigenen Konzern profitieren – Das geht aber nicht von heute auf morgen. Foto: dpa

In der Förderung weiblicher Führungskräfte gilt Daimler als Vorbild. Konzernchef Dieter Zetsche geht das aber nicht schnell genug.

Für seine Frauenförderung bekommt Daimler regelmäßig Bestnoten. Trotzdem sieht Vorstandschef Dieter Zetsche Verbesserungspotenzial. Sein Ziel für 2013 wird der Konzern voraussichtlich nur knapp erreichen.

Stuttgart - 20 Prozent weibliche Führungskräfte im Jahr 2020 – das hat sich der Autobauer vorgenommen. Vor zwei Jahren war jede zehnte leitende Position in Frauenhand, Ende diesen Jahres sollte der Frauenanteil unter Führungskräften 13 Prozent betragen. Um das zu erreichen „müssen wir einen starken Jahresendspurt hinlegen“, sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche bei der sechsten Diversity-Konferenz des Konzerns. Vor allem in der Fahrzeug-Entwicklung, naturgemäß ein hoch-technisches Feld, habe man die eigenen Ziele „bei weitem nicht erreicht“, kritisierte Zetsche.

Diversity heißt übersetzt Vielfalt, mit sogenanntem Diversity-Management versuchen insbesondere globale Unternehmen Vorteile aus der kulturellen Vielfalt ihrer Belegschaften zu ziehen. Das beinhaltet die Integration von Minderheiten ebenso wie die Herstellung von Chancengleichheit, unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder Religion.

Daimler hat mit Ursula Schwarzenbart eine eigene Konzern-Diversity-Beauftragte, Schwarzenbart wiederum hat Ansprechpartner an allen Standorten und allen Werken des Autobauers weltweit. Schwerpunkte setzt das Unternehmen neben der Förderung von Frauen auf die von Managern im Ausland sowie von Experten im Ruhestand.

Bei einem Ranking des Familienministeriums bekam Daimler im April gemeinsam mit BMW Bestnoten in Sachen Frauenförderung. Mit der Juristin Christine Hohmann-Dennhardt sitzt seit 2011 eine Frau im Daimler-Vorstand, seit diesem Jahr ist jedes vierte Aufsichtsratsmitglied weiblich. Insgesamt will Daimler bei den leitenden Führungspositionen den Anteil an Frauen jedes Jahr um 1,2 Prozentpunkte erhöhen.

Beförderung einer Frau ein Flop? Zetsche kennt kein einziges Beispiel

Dahinter steckt durchaus wirtschaftliches Interesse: Nach einer Untersuchung unter 300 Firmen in Europa schneiden Unternehmen mit Frauen im Vorstand bei Umsatz, Gewinn und Börsenwert deutlich besser ab als solche mit rein männlicher Führungsriege.

Dass es dem Daimler-Chef mit der Diversity ernst ist, machte er auf der Konferenz unmissverständlich klar: Führungskräften, die ihre Förderquoten für 2013 nicht erreichen, drohte er mit Abzug beim Jahresbonus. Die Anmerkung von Männern, gegenüber Frauen mittlerweile benachteiligt zu werden, tat er als nicht beweisbar ab: Er kenne kein einziges Beispiel, bei dem sich die Beförderung einer Frau als Flop erwiesen habe, sagte Zetsche. „Bei Männern fallen mir mehrere ein.“

Erst dieses Frühjahr hat Daimler die Managerin und dreifache Mutter Britta Seeger zur Chefin von Mercedes-Benz in Korea ernannt. Aus Sicht Zetsches interessieren sich – allen Werbekampagnen zum Trotz – aber nach wie vor zu wenige Frauen für technische Berufe und eine Karriere als Ingenieurin.

Rund acht Jahre beschäftigt sich der Autobauer mit dem Thema Vielfalt, in den Anfangszeiten wären Frauen in Spitzenämter „kaum vorstellbar“ gewesen, sagt die Diversity-Beauftragte Schwarzenbart. Inzwischen denke man bei Daimler anders, in der Entwicklung tragen heute selbstverständlich auch Ingenieurinnen Verantwortung für neue Fahrzeug-Projekte. Allerdings müsse sie den Diversity-Gedanken permanent neu in Erinnerung rufen, sagt Schwarzenbart. „Dinge wirklich zu verändern, ist keine leichte Aufgabe.“

Internationale Studien belegen das. Laut Isabelle Kürschner, Deutschland-Chefin des Diversity-Forschungsunternehmens Catalyst, übernehmen Frauen und Männer zwar gleichschnell in Firmen Projektverantwortung. Allerdings ist das Budget der Männer im Schnitt doppelt so hoch, ihr Projektteam dreimal so groß und die Beachtung durch den Vorstand somit um ein Vielfaches höher.

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