Wann wird der Autobahnzubringer endlich ausgebaut? Diese Frage kann derzeit niemand beantworten. Foto: Gottfried Stoppel

Die Landesstraße 1115 von Backnang in Richtung Mundelsheim soll zur Bundesstraße 29 und dann ausgebaut werden. Bis dato gibt es aber wenig mehr als tolle Ankündigungen. Das sagen die Kritiker.

Backnang - Als „frohe Neujahrsbotschaft“ hat der Backnanger Oberbürgermeister Frank Nopper vor fast genau einem Jahr den angekündigten Ausbau des sogenannten Autobahnzubringers von der Murr-Stadt zur A-81-Anschlussstelle Mundelsheim bezeichnet. Land und Bund müssten aber „auch in die Gänge kommen“, so der Stadtchef damals. Passiert ist seither wenig.

Auf der bis dato zweispurigen Straße sind laut Auskunft des Landesverkehrsministeriums täglich bis zu 23 700 Fahrzeuge unterwegs. Deshalb wird seit vielen Jahren über einen dreispurigen Ausbau gesprochen. Anfang 2019 hieß es, die Landesstraße 1115 solle bald zur Bundesstraße 29 werden. In der Folge könne der Zubringer dann von zwei auf drei Fahrstreifen erweitert werden, so der Landesminister Winfried Hermann. Der Bund müsste den Ausbau der Straße bezahlen.

Überregionale Verbindungsfunktion

Knapp zwölf Monate später, Nachfrage beim Landesministerium für Verkehr: Ist die Straße von einer Landesstraße zur Bundesstraße umgestuft? Gibt es einen Zeitplan für den Ausbau? Die Antworten lassen sich knapp zusammenfassen: zweimal Nein. Die Straße sei noch nicht umgestuft, „die Vorbereitungen sind jedoch im Gange“, sagt der Ministeriumssprecher Oliver Hillinger auf Anfrage. Man sei sich mit dem Bund zwar grundsätzlich einig, dass die Landesstraße „eine überregionale Verbindungsfunktion übernimmt, dem Fernverkehr dient und daher eine Umstufung dringen geboten“ sei. Aus fachlicher Sicht sei die Angelegenheit „nicht strittig“.

Man habe vereinbart, dass „eventuell noch anstehende Unterhaltungs- und Erhaltungsarbeiten“ an der Landesstraße ermittelt werden müssten. Die Kosten für diese Arbeiten würden dem Bund vom Land erstattet. Eine Kostenschätzung liege vor, die Zahl sei jedoch „nichtöffentlich“. Der Bund sei am Zuge, er müsse die Unterlagen nun prüfen, so der Pressesprecher Hillinger.

Ministerium: mehr Projekt als Planer

Wann die Ausbauarbeiten beginnen könnten und wie viel Geld das Projekt womöglich kostet, sei seriös nicht zu beantworten, so Hillinger. Und dann sagt er auch diesen Satz: Es werde jedenfalls „nicht aktiv gebremst“. Der Zeitplan für den Ausbau könne keinesfalls vor der Umstufung ausgearbeitet werden, alles hänge auch ab von „den zur Verfügung stehenden personellen und planerischen Ressourcen“, heißt es in einem Schreiben des Landesverkehrsministeriums.

Hillinger erklärt auf Nachfrage, dass es derzeit vom Bund zwar „viel Geld“ gebe für solche Straßenbauprojekte, er spricht aber auch von einem Flaschenhals, es gebe „mehr Projekte als Planer“. Hinzu komme, dass sich der Bund zurzeit mit der neuen Autobahngesellschaft beschäftige, es ändere sich vieles, „das bindet Personal". Ein Spötter könnte einwerfen: die Beamten beschäftigten sich wohl mit sich selbst. Das freilich sieht der Ministeriumssprecher anders, die Verwaltung, sagt er, müsse eben Vorgaben umsetzen.

BUND kritisiert des Ausbau des Zubringers

Für den Backnanger Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) ist der Ausbau des Autobahnzubringers und die Aufstufung zur Bundesstraße „von herausragender Bedeutung für die Verkehrsanbindung des Backnanger Raums“. Es werde „allerhöchste Eisenbahn“, dass sich Bund und Land in Sachen Aufstufung zur Bundesstraße verständigten. Wenn eine bis zur Krähenbachkreuzung vierspurig ausgebaute B 14 tatsächlich wie geplant im Jahr 2026 auf einen nicht ausgebauten Autobahnzubringer treffen sollte, dann drohe an diesem Verkehrsknotenpunkt ein „Verkehrsinfarkt“. Auch die Bürgermeisterin von Aspach, Sabine Welte-Hauff, setzt auf einen möglichst raschen Ausbau. Aspach liegt direkt am Zubringer, deshalb fordert die Rathauschefin parallel zum Ausbau Lärmschutz für die Anwohner der Straße. Wenn der Zubringer mal ausgebaut ist, dann sei mit weniger Schleichverkehr in den Aspacher Teilorten zu rechnen.

Ganz anders die Position des Bunds für Umwelt- und Naturschutz Deutschland, BUND: der Vorsitzende des Ortsverbands Backnang, Andreas Brunold, sagt, er sei „selbstverständlich“ gegen den Ausbau des Autobahnzubringers. Das Projekt sei „kontraproduktiv zur notwendigen Verkehrswende“. Noch mehr Verkehr – speziell Güterverkehr – auf der Straße habe direkte Auswirkungen auf den sogenannten Modal-Split, also auf das Verhältnis des öffentlichen Bahnverkehrs zu dem privaten Güterverkehr. Ein weiteres No-Go-Kriterium sei für den BUND „der stetig zunehmende Landschaftsverbrauch mit der Konsequenz sich ständig neu ansiedelnder Infrastrukturen an den Hauptverkehrsstraßen“. Brunold: „Das ist klar der falsche Weg.“

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