Solche Blitzer werden jetzt auch wieder an der A 8 bei Leonberg aufgebaut. Foto:  

Vor Jahren wurde das Tempo-100-Limit auf der A8/A81 vor dem Dreieck Leonberg gegen den Willen der Polizei aufgehoben. Jetzt wird ein Blitzer an dem langen Gefälle aufgebaut – weil es zu viele Unfälle gibt.

Stuttgart/Leonberg - Wer vom Kreuz Stuttgart aus öfter über die A8/A81 in Richtung Karlsruhe fährt, kennt die brenzligen Situationen, zu denen es auf dem langen Gefälle vor Leonberg immer wieder kommt. Autofahrer, die in Richtung Karlsruhe möchten, geben gerne Gas, weil es für sie geradeaus weitergeht. Diejenigen, die nach Norden in Richtung Heilbronn weiterwollen, nehmen den Fuß eher runter vom Pedal, weil es auf den beiden Spuren zum Engelbergtunnel oft eng zugeht. Und dann gibt es die Kurzentschlossenen, die plötzlich über mehrere Spuren rüberziehen. Vor allem letztere sind es, wegen denen die vor zweieinhalb Jahren unweit der Tank- und Raststätte Sindelfinger Wald abgebauten Blitzanlagen nun ein paar Hundert Meter weiter unten am Gefälle wieder errichtet werden.

Die vierte A8-Spur brauchte Platz

„Die Blitzer rücken näher an die Verflechtungsstreifen heran, weil wir dort seit ihrem Abbau eine Häufung von Unfällen wegen nicht angepasster Geschwindigkeit verzeichnen“, sagt Peter Widenhorn von der Polizeidirektion Ludwigsburg. Die 2013 in Betrieb genommenen Blitzer waren im Dezember 2016 schon wieder abgebaut worden, um Platz für die vierte Spur in Fahrtrichtung Karlsruhe zu schaffen. Über die vierte Spur rollt seit Ende 2017 der Verkehr, doch die Blitzer – mancher Autofahrer konnte es verschmerzen – ließen auf sich warten.

„Der Entscheidung über den Standort ist ein umfangreicher Prozess vorausgegangen“, sagt Polizeisprecher Widenhorn, mit einer Kommission, „die nach aktuellen Auswertungen der Unfallzahlen und der Geschwindigkeitsverstöße den neuen Standort ausgewählt hat“. Dass die Polizei diesen befürwortete, bestätigt Widenhorn: „Wir waren maßgeblich beteiligt.“

Erst galt Tempo 100, dann freie Fahrt

Für die Praktiker entwickelte sich das Gefälle schon vor Jahren zur Problemstelle. Vor dem Bau der 21 Millionen Euro teuren Anlage mit den wechselnden Verkehrszeichen galten auf der Strecke hinunter nach Leonberg 100 Kilometer pro Stunde. Zum Konzept der Anlage für die sogenannte flexible Streckenbeeinflussung gehörte jedoch, dass das Tempo ganz freigegeben wird, wenn es nicht viel Verkehr gibt. Das war nach damaliger Auskunft des Regierungspräsidiums Bedingung dafür, dass der Bund die Anlage bezahlte. Tatsächlich galt im Sommer 2012 zu bestimmten Zeiten plötzlich freie Fahrt auf der A8 – obwohl sich der damalige Leiter des Autobahnpolizeireviers hinter den Kulissen dafür einsetzte, wenigstens vor Leonberg ein Limit zu lassen. Mit Erfolg: Im Herbst galt nach einigen Unfällen wieder Tempo 100 – bis zum Februar 2013, als das Landesverkehrsministerium einen juristisch gangbaren Weg, fand, um zumindest die bei Vaihingen gewohnten 120 Kilometer pro Stunde wieder fordern zu können. Bei Leonberg konnte damit erneut schneller gefahren werden, als es der Polizei lieb war.

Tempo 100 ist nicht mehr vorgesehen

Unfallzahlen kann Polizeisprecher Widenhorn am Freitag nicht liefern, mit der neuen Position der Blitzer direkt an dem Großdisplay für Routenempfehlungen nach Mannheim und darüber hinaus ist den Ordnungshütern aber gedient: „Wir halten den Standort für optimal.“ Hier soll es weniger plötzliche Bremsungen geben, und der Verkehrsfluss soll steter werden. Eine Rückkehr zu Tempo 100, sagt eine Sprecherin des zuständigen Regierungspräsidiums Stuttgart, „ist aktuell nicht vorgesehen“.

Die Blitzer stehen zwar schon, sie sind aber noch nicht scharf gestellt. Dazu fehlt noch der Termin zur Eichung der Anlage, der nach Angaben des Innenministeriums voraussichtlich im Juli stattfinden soll.

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