Seit Frühsommer 2019 wird die Anschlussstelle Esslingen so umgestaltet, dass die ICE-Neubaustrecke parallel zur Autobahn verlaufen kann.
Neuhausen - Warum das alles? Warum die zusätzlichen Belastungen durch Verkehr und Lärm? Die Antworten auf die Fragen der leidgeplagten Nellinger, bei denen über Wochen ein Großteil des Umleitungsverkehrs direkt an der Haustür vorbei rauscht, liegen rund um die Autobahn-Auffahrt Esslingen. Dort passiert gerade zweierlei: Als letzter Knoten auf der Strecke zwischen der Bundesstraße B 10 im Neckartal und der Autobahn A 8 auf den Fildern wird die Kreuzung Landesstraße 1202/Neuhäuser Straße so umgebaut, dass der Verkehr flüssiger läuft. Was bei einem werktägigen Aufkommen von rund 25 000 Fahrzeugen von Relevanz ist.
Eine weit größere zweite Baustelle befindet sich direkt daneben. Zu- und Abfahrt der Autobahn müssen komplett umgemodelt und so angeordnet werden, dass sie sich mit der dort vorbei führenden ICE-Neubaustrecke nicht ins Gehege kommen. Diese Operation erfordert erhebliche Erdumwälzungen und teure Bauwerke. Außer drei Eisenbahn-Überführungen benötige man zwei Straßenbrücken und vier Stützwände, zwei davon jeweils rund 100 Meter lang, beschreibt Stefan Kaposctas, Teamleiter für den Planfeststellungsabschnitt 1.4, die Dimension.
Wochenend-Sperrungen
Um die 75 Millionen Euro seien für den Abschnitt veranschlagt, erklärt sein Kollege Robert Berghorn, der als Technischer Projektleiter für die Bahn die Anbindung des Neubauprojekts an den Flughafen managt. Begonnen wurde im Frühjahr 2019. Im Augenblick sieht Berghorn die Baustelle voll im Plan, was die Kosten angeht, aber auch im Blick auf den Fertigstellungstermin. Die Eisenbahn-Überführungen sollen nach Berghorns Angaben bis Ende nächsten Jahres stehen. Für die Straßen und die dazu gehörigen Brücken werde man bis ins erste Quartal 2022 hinein brauchen. Die Inbetriebnahme der Neubaustrecke will die Bahn bis Dezember 2022 schaffen. Um das stemmen zu können, muss die Landesstraße immer wieder für eine gewisse Zeit gesperrt werden. So auch an diesem Wochenende (wir berichteten). Bis Ende des Jahres werde es voraussichtlich noch fünf zeitweilige Sperrungen an Wochenenden geben, berichtet Projektleiter Berghorn.
Dass das bei vielen Anwohnern und Verkehrsteilnehmern zu Unmut führt, auch wegen der mehrwöchigen halbseitigen Sperrung der Körschtalbrücke, kann er nachvollziehen. Er wirbt aber um Verständnis. „Wir haben eine Menge dafür getan, die Störungen für den Verkehr so gering wie möglich zu halten. Bereits ab März haben wir uns mit den beteiligten Behörden und Kommunen abgestimmt“, sagt Berghorn.
Ein Gang über die Baustelle zeigt die beim Vorbeifahren gar nicht einschätzbaren Dimensionen. Allein für die fünf Brücken-Bauwerke habe man Bohrpfähle mit einer Gesamtlänge von 2600 Meter in die Erde rammen müssen, erklärt Teamleiter Kaposctas. 50 bis 60 Bauarbeiter sind an verschiedenen Stellen tätig. Sie sind Beschäftigte des französischen Baukonzerns Vinci, der bei der europaweiten Ausschreibung den Zuschlag erhalten hatte.
Wenige Erdtransporte
Weil auch große Erdbewegungen notwendig sind, vor allem um die Schleifen für die Autobahn-Auf- und -Zufahrt modellieren zu können, kommen riesige Baumaschinen zum Einsatz, die keine Straßenzulassung haben. So weit es geht, arbeite man mit der vorhandenen Erde, erklärt Kaposctas. Aber nicht mit dem guten Filderboden, sondern mit unteren Laugen. Auch um sich teure Transporte zu sparen. Doch müsse man dafür die Erde mit Bindemitteln wie Kalk oder Zement verbessern.