In einigen Jahren soll die Standspur zwischen den Anschlussstellen Ludwigsburg-Süd und -Nord zeitweise befahren werden können. Foto: Werner Kuhnle

Die Standspur zwischen Ludwigsburg-Süd und -Nord auf der A81 soll in einigen Jahren befahrbar werden. Warum das Projekt so teuer ist und wann es losgehen könnte.

Wer auf der A81 bei Ludwigsburg in Richtung Heilbronn im Berufsverkehr im Stau steht, fragt sich wahrscheinlich, warum nicht wie auf der Gegenseite weiter südlich der Seitenstreifen freigegeben wird. Seit einigen Jahren gibt es diese Möglichkeit zwischen Ludwigsburg-Süd und Zuffenhausen. Nun soll es auch auf dem Abschnitt weiter nördlich in Fahrtrichtung Heilbronn endlich umgesetzt werden, aber einfach ist es nicht.

 

2030 könnte der Spatenstich dafür erfolgen, sagt der CDU-Bundestagsabgeordnete Steffen Bilger. Im Rahmen eines Besuchs im Oktober bei der Autobahnmeisterei in Ludwigsburg hatte er von einer dafür notwendigen Einigung im Koalitionsausschuss berichtet: „Nach einigen Jahren des Stillstands konnten wir konkrete Schritte vereinbaren. Die Planung soll nun intensiv betrieben werden, so dass nach dem aktuellen Zeitplan im Jahr 2030 der Spatenstich erfolgen kann.“

In diesem Bereich zählt die A81 zu den am höchsten belasteten Autobahnabschnitten in Baden-Württemberg. Mit einem durchschnittlichen täglichen Verkehrsaufkommen von etwa 119.000 Fahrzeugen ist die Grenze der Leistungsfähigkeit einer sechsstreifigen Autobahn erreicht. Gerade in den Spitzenzeiten kommt es regelmäßig zu Stau, bei dem eine weitere Spur helfen könnte. 

Kostenintensive Bauarbeiten für A81

Die Besonderheit bei diesem Abschnitt der A81 ist, dass umfangreiche Arbeiten bei Brückenbauwerken und zum verbesserten Lärmschutz erforderlich seien. Die Kosten werden wohl bei deutlich über 100 Millionen Euro liegen. „Aus unserer Sicht gibt es keine Alternative, um die Situation zu verbessern“, sagt Christian Eiberger, Bürgermeister von Asperg. Ein Großteil des fraglichen Autobahnabschnitts liegt auf Asperger Gemarkung, weitere Stücke auf Möglinger und Ludwigsburger Fläche.

Christian Eiberger (Dritter von links) und Steffen Bilger (Sechster von links) beim Termin bei der Autobahnmeisterei. Foto: Steffen Bilger

Eiberger hofft, dass sich bei dem ewigen Thema nun endlich etwas bewegt. Staut es sich auf der Autobahn, sind die Anlieger-Kommunen nämlich die ersten Leidtragenden. „Dann fahren hier statt 15.000 Fahrzeugen täglich um ein Vielfaches mehr Autos durch den Ort“, sagt der Bürgermeister. Das überlaste die kleine Stadt, deshalb setzt er durch die temporäre Standstreifenfreigabe auf Entlastung. Wichtig ist Eiberger dabei allerdings, dass an den Lärmschutz gedacht wird.

Ersatzneubauten für Brücken

4,5 Kilometer lang ist die Strecke auf der künftig der Seitenstreifen befahren werden soll, fünf Brückenbauwerke und Bahnanlagen sind betroffen. Für alle Brückenbauwerke sollen Ersatzneubauten erforderlich sein. Mit der Planung des Projekts hat die Autobahn GmbH die Projektmanagementgesellschaft Deges, ein Unternehmen, das dem Bund und zwölf Bundesländern gehört, beauftragt.

Dieses Schild erlaubt die Nutzung der Standspur. Foto: Pressefoto Horst Rudel

Laut Deges läuft derzeit die Entwurfsplanung. Diese müsse zunächst durch die Autobahn GmbH genehmigt werden. Dann werde ein Planfeststellungsverfahren beantragt. Nach dem Planfeststellungsbeschlusses geht es in die Ausführungsplanung und die Ausschreibung der Bauleistung. Erst danach könne der Baustart erfolgen.

Landesverkehrswacht für Projekt

Unterstützung für das Vorhaben kommt von einem Anlieger, der sich vor allem der Verkehrssicherheit verschrieben hat: der Landesverkehrswacht, die in Asperg unmittelbar neben der Autobahn ihren Sitz hat. „Grundsätzlich stehen wir einem solchen Vorhaben zwischen den Anschlussstellen Ludwigsburg-Nord und -Süd aufgrund der sehr hohen Verkehrsbelastung und damit verbundenen Stauanfälligkeit aufgeschlossen gegenüber“, sagt Peter Widenhorn, stellvertretender Geschäftsführer der Landesverkehrswacht.


Widenhorn weist aber darauf hin, dass ein freigegebener Seitenstreifen dann nicht mehr als Reservefläche für Notsituationen oder Abstellfläche für Pannenfahrzeuge und Fahrzeuge von Streckendiensten zur Verfügung stehe.

Laut Deges ist an alles gedacht. Fünf Nothaltebuchten sollen entstehen. Daneben sind neue Lärmschutzwände sowie Umbauten an den Anschlussstellen Ludwigsburg-Nord und -Süd geplant. Auch eine neue Fahrbahndecke mit lärmarmen Belägen ist wahrscheinlich.

So funktioniert die Freigabe des Seitenstreifens

Auslöser
Bei der Temporären Seitenstreifenfreigabe wird bei sehr hohem Verkehrsaufkommen von der Verkehrsleitzentrale der Pannenstreifen nach vorheriger Überprüfung auf mögliche Hindernisse zeitweise über Verkehrszeichen freigegeben und damit der Verkehrsfluss verbessert.

Überwachung
Kamerasysteme überwachen den Streckenabschnitt kontinuierlich, um die Sicherheit zu gewährleisten und sicherzustellen, dass Nothaltebuchten für Pannenfahrzeuge zur Verfügung stehen.