Einst konnte man hier Opel kaufen, nun sollen gar keine Autos mehr fahren. In dem neuen Quartier im Stuttgarter Norden Foto: KBK Architekten

Im Stuttgarter Norden baut das Siedlungswerk für 140 Millionen Euro ein Stadtquartier mit über 500 Wohnungen. Im Modell existiert das Viertel für 1300 Bewohner bereits: Am Dienstag wurde der Architektenwettbewerb für den zweiten Bauabschnitt entschieden.

Stuttgart - Im Stuttgarter Norden baut das Siedlungswerk für 140 Millionen Euro ein Stadtquartier mit über 500 Wohnungen. Im Modell existiert das Viertel für 1300 Bewohner bereits: Am Dienstag wurde der Architektenwettbewerb für den zweiten Bauabschnitt entschieden.

Die Wohnungsnot in der Landeshauptstadt könnte sich bald etwas entspannen. Denn wo heute am Nordbahnhof noch Ausstellungsräume, Werkstätten und Parkplätze für Autos existieren, wird bis zum Jahre 2015 attraktiver Wohnraum entstehen. „Vor einem Jahr konnten wir das Auto-Staiger-Gelände erstehen“, erläuterte Bruno Möws, Geschäftsführer des Siedlungswerks, am Dienstag bei Bekanntgabe des Siegerentwurfs zur Bebauung des 2,2 Hektar großen Areals. Der alteingesessene Opel-Händler gibt seinen Traditionsstandort an der Ecke Nordbahnhof- und Friedhofstraße auf. Das Gelände schlägt das Siedlungswerk seinem Wohnbauprojekt Rosensteinviertel zu.

Großzügige Freiräume im Innern des Viertels

Dessen erster Abschnitt, der nördlich davon entlang des Pragfriedhofs bis zur Eckartstraße reicht, soll nach Plänen des Tübinger Architekturbüros Ackermann + Raff mit sieben Häusern und 130 Wohnungen realisiert werden. Nach mehr als zehnstündiger Diskussion empfahl das Preisgericht einstimmig, den zweiten Bauabschnitt nach Plänen des Stuttgarter Büros KBK Architekten Belz Lutz zu bebauen. Diese greifen die Idee von durchgängigen, von Bäumen gesäumten Quartiersachsen auf. Mit einer aufgelockerten Gebäudeanordnung ergeben sich großzügige Freiräume im Innern des Viertels. Die Anordnung vermeidet, dass sich das Neubaugebiet gegenüber Bestandsbebauung und Pragfriedhof abschottet. „Das Konzept öffnet sich einladend zum umgebenden öffentlichen Raum, was es deutlich attraktiver als die übrigen 21 eingereichten Entwürfe macht“, lobte der Jury-Vorsitzende Eckardt Rosenberger.

Im künftigen Stadtquartier sollen 380 Wohnungen urbanes Wohnen unterschiedlichster Prägung ermöglichen. „Wir bauen für viele verschiedene Menschen, auch hinsichtlich Geldbeutel und Anspruch“, unterstreicht Geschäftsführer Möws. Der Wohnungsbau besteht dabei überwiegend aus Stadtwohnungen. Knapp ein Fünftel der Einheiten sollen als geförderte Wohnungen gemäß dem Stuttgarter Innenentwicklungsmodell (SIM) entstehen. Über das SIM, das einen gewissen Anteil an Sozialwohnungen bei Neubauprojekten vorschreibt, hatte es heftige Auseinandersetzungen zwischen Bauwirtschaft und Rathaus gegeben. „Wir bauen nach SIM, nicht weil wir es müssen, sondern auch wollen“, unterstrich Möws, die soziale Durchmischung im Quartier zu fördern. Teil des Projekts ist auch ein Nachbarschaftshaus mit einem „Raum der Begegnung“, einer achtgruppigen Kindertagesstätte sowie generationenübergreifendem Wohnen.

Das Quartier soll oberirdisch autofrei bleiben

Neue Maßstäbe soll das Neubauviertel auch hinsichtlich Energie und Mobilität setzen. Ein Teil der Heizenergie soll über Solaranlagen gewonnen, in einem unterirdischen Eisspeicher gelagert sowie über Wärmetauscher bei Bedarf verfügbar werden. Zudem soll das Quartier oberirdisch autofrei bleiben. In Garagen und auf Stellplätzen sollen Elektroautos und Elektroroller parken, die für die Bewohner reserviert sind. Die Antriebsenergie der abgasfreien E-Sharing-Mobile soll vor Ort über Solardächer produziert werden, kündigte Möws an. Das umweltgerechte Mobilitätskonzept ist ein Forschungsprojekt des Schaufensterprojektes Living Lab BW emobil.

Laut des Siedlungswerks sollen die Bauarbeiten beim ersten Quartiersabschnitt im kommenden Herbst beginnen. 2015 könnten die ersten Bewohner einziehen. Der zweite Abschnitt soll 2018 bezugsfertig sein. „Das Rosensteinviertel wird ein vorbildliches Vorzeigequartier“, ist sich Baubürgermeister Matthias Hahn sicher.

Die Stadt tritt im Übrigen im neuen Rosensteinviertel ebenfalls als Bauherr auf. In der Friedhofstraße plant der städtische Eigenbetrieb Leben & Wohnen ein Seniorenheim für Männer. Das Sieben-Millionen- Euro-Projekt soll das bisherige Männerwohnheim ersetzen.

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