Werner Bache und Cornelia Reichold haben am Unfallort tatkräftig zugepackt Foto: Gottfried Stoppel

Innenminister Reinhold Gall hat Werner Bache die Lebensrettungsmedaille des Landes Baden-Württemberg verliehen, weil er am 11. Mai 2014 sein eigenes Leben riskiert hat, um das Leben anderer zu retten.

Waiblingen - Als der Polizeibeamte erwähnt hat, die Sache könnte ein Nachspiel haben, hat sich Werner Bache nicht viel dabei gedacht. Das war vor fast genau einem Jahr. Doch der Polizist sollte recht behalten. Und so hat der 58-jährige Waiblinger kürzlich Innenminister Reinhold Gall kennengelernt. Er hat Werner Bache die Lebensrettungsmedaille des Landes Baden-Württemberg ans Revers geheftet, weil er am 11. Mai vergangenen Jahres sein eigenes Leben riskiert hat, um das Leben anderer zu retten. Die Medaille mit der Aufschrift „Für Rettung aus Gefahr“ hat auch der Obersulmer Andreas Bonk erhalten, der kurz nach Werner Bache am Unfallort eintraf und half. Die Ludwigsburgerin Cornelia Reichold, die Werner Bache an diesem Tag begleitet und tatkräftig unterstützt hat, ist mit einer öffentlichen Würdigung ausgezeichnet worden.

Den 11. Mai 2014 werden Cornelia Reichold und Werner Bache wohl nie vergessen. Sie waren an diesem Sonntag früh auf der A 6 unterwegs, auf dem Weg zu einer Konfirmation. „Wir sind extra früh los und kamen dann doch viel zu spät“, erzählt Werner Bache. Denn als sie kurz vor der Kochertalbrücke waren, wo sich die Straße wegen einer Baustelle von drei auf zwei Spuren verengte, beobachteten sie, wie ein Van links an ihnen vorbeifuhr und einige Hundert Meter später mit der linken Fahrzeugseite eine Betonabsperrung streifte.

„Das Auto hat sich aufgestellt, ist dann wieder auf die Räder gekommen und plötzlich quer über die Straße nach rechts gefahren. Dann, kurz vor der Kochertalbrücke, war es verschwunden“, erinnert sich Bache. Der Unfallwagen war quer durchs Gebüsch eine steile Böschung hinuntergefahren und umgekippt. Cornelia Reichold griff zum Handy und alarmierte die Polizei, Werner Bache stieg in weißem Hemd und schwarzer Hose den steilen Hang hinab, um den Insassen des Fahrzeugs zu helfen. Das Auto lag auf der rechten Seite und mit dem Fahrzeugboden hangaufwärts. „Wäre das ein Golf oder etwas Ähnliches gewesen, dann wäre es kein Problem gewesen. Aber dieser Kastenwagen war wie ein Safe.“ Zum Glück klaffte ein schmaler Spalt an der Tür: „An den Türgriff wäre ich nicht rangekommen.“

Doch die Zeit drängte, denn aus dem Motorraum züngelten bereits Flammen. Irgendwann habe sich der Fahrer geregt, erzählt Werner Bache: „Er war dunkelhäutig, deshalb habe ich es mit Englisch versucht und immer wieder gerufen: ,Come out, the car is on fire‘.“ Sobald der Fahrer aus dem Wrack geklettert war, stellte Werner Bache fest, dass noch drei weitere Männer im Auto steckten. Zwei von ihnen schafften es trotz ihrer schweren Verletzungen, sich selbst aus dem Fahrzeug zu befreien und die Böschung hinaufzugehen. Dort betreute und verarztete Cornelia Reichold die US-Soldaten bis zum Eintreffen der Rettungskräfte.

„Nachdem der dritte Mann draußen war, hat das Auto schon richtig gebrannt“, sagt Werner Bache, betont aber, er habe zu keinem Zeitpunkt befürchtet, dass das Fahrzeug explodieren könnte: „Ich weiß, dass so etwas nicht passieren kann, auch wenn man das immer in amerikanischen Spielfilmen sieht.“ Mit einem Wagenheber hat Werner Bache eine Seitenscheibe eingeschlagen, um irgendwie an den vierten Verletzten heranzukommen, der noch im Auto steckte. Vergebens.

Oben, an der Straße, versuchten er und Cornelia Reichold daher mit Handzeichen, ein Fahrzeug zu stoppen und einen Feuerlöscher zu leihen. Unzählige Autos seien vorbeigefahren, erzählt Cornelia Reichold, „aber keiner hat angehalten“. Schließlich stoppte ausgerechnet der Fahrer eines Tanklastzugs, doch bevor Werner Bache mit dessen Feuerlöscher zum Unfallwagen hinuntersteigen konnte, trafen die Rettungskräfte ein. „Da war ich außen vor.“

Der vierte Verletzte konnte nicht mehr lebend geborgen werden. Über das Schicksal der drei anderen Männer wissen Cornelia Reichold und Werner Bache bis heute nichts. „Das fällt wohl unter den Datenschutz“, sagt Werner Bache, der sich später gefragt hat, ob er alles richtig gemacht hat. Die Antwort darauf hat ihm Innenminister Gall persönlich gegeben: „Sie haben auch ohne Rettungsausbildung intuitiv alles richtig gemacht.“

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