Die Stadt Baden-Baden, hier im Bild, soll auf die Weltkultur-Liste. Foto: StN

Kaum ist der Antrag von Schwetzingen gescheitert, da unternimmt das Land einen neuen Anlauf.

Baden-Baden - Die Landesregierung unternimmt einen weiteren Vorstoß, um die kulturgeschichtliche Bedeutung Baden-Württembergs herauszustreichen. Wirtschafts- und Finanzminister Nils Schmid (SPD) schlägt dem Kabinett jetzt vor, die Auszeichnung der Kurstadt Baden-Baden als Weltkulturerbe zu beantragen. Dass der Ministerrat dem Vorschlag am Dienstag zustimmt, gilt als sicher.

Zwar hat der Südwesten beim Thema Weltkulturerbe erst Anfang Juli einen empfindlichen Rückschlag erlitten: Die Unesco lehnte es zum zweiten Mal hintereinander ab, der kurfürstlichen Schloss- und Gartenanlage Schwetzingen das begehrte Siegel zu verleihen. Außerdem läuft derzeit auch noch das Antragsverfahren, die Höhlen der Schwäbischen Alb, in denen die frühesten Kunstwerke der Menschheit gefunden wurden, in die Liste einzutragen.

Dennoch gelten die Chancen für Baden-Baden als gut. Das liegt vor allem daran, dass die Kurstadt sich nicht allein um die Auszeichnung bemüht, sondern gemeinsam mit anderen Bäderstädten Europas. „Great Spas of Europe“ lautet der Titel des Antrags, für den mehrere Partner in Frage kommen: Spa in Belgien, Vichy in Frankreich, Montecatini in Italien sowie die drei tschechischen Kurbäder Marlsbad, Marienbad und Franzensbad.

Auch Bath will dem Antrag beitreten

Auch die englische Stadt Bath, die den Unesco-Titel für ihre barocke Stadtanlage und ihre römischen Bäder bereits erhalten hat, bekundet offenbar Interesse, dem seriellen Antrag beizutreten, wie es im Wirtschaftsministerium heißt. In Deutschland könnten außerdem noch Wiesbaden und Bad Kissingen hinzustoßen. Sie alle repräsentieren den besonderen Typus der Kur- und Bäderstadt, wie er sich im 19. Jahrhundert in ganz Europa herausgebildet hat.

Diese Städte weisen zahlreiche Parallelen auf: In ihnen verbindet sich extravagante Architektur mit großzügigen Parks, ihr Publikum ist international, die Verkehrsanbindung dank der neuen Eisenbahn ideal. Und nicht zuletzt bieten die Modebäder reichlich Zerstreuung: Ohne Spielbank ist eine Kurstadt im 19. Jahrhundert schlechterdings nicht vorstellbar.

Auch das medizinische Element spielte eine Rolle, also die Bäder, Trink- und Wandelhallen, in denen das Thermalwasser dargereicht wurde. Doch schon 1836 schrieb der russische Schriftsteller Nikolai Gogol über Baden-Baden: „Es gibt hier niemanden, der ernsthaft krank wäre. Alle kommen nur hierher, um sich zu amüsieren.“

Es ist vielmehr die grenzüberschreitende kulturgeschichtliche Entwicklung, die dokumentiert und mit dem Etikett gewürdigt werden soll

Im Grunde waren die Bäderstädte auch ein Ausdruck der bürgerlichen Emanzipation. Ihre berühmten literarischen und musikalischen Zirkel waren eben nicht oder nicht nur von Adeligen geprägt.

Für Baden-Baden, die „Sommerhauptstadt Europa“, wie man sie in ihrer Blütezeit nannte, gilt das alles in besonderem Maße. Doch das allein würde nicht reichen, um die Unesco zu überzeugen. Es ist vielmehr die grenzüberschreitende kulturgeschichtliche Entwicklung, die dokumentiert und mit dem Etikett gewürdigt werden soll.

Chancen für Baden-Baden stehe gut

„Die großen europäischen Bäder sind einzigartig für das 19. Jahrhundert und unterschieden sich markant von anderen Badekulturen der Welt“, begründen die Denkmalschützer des Landes die Initiative. Japan, der Orient, Skandinavien, aber auch die großen Seebäder stehen in einer völlig anderen Tradition. Diesem einmaligen Status, so die Hoffnung von Stadt und Landesregierung, soll die Unesco ihr Gütesiegel aufdrücken.

Dass die Chancen dafür gut stehen, haben Fachleute bereits auf einem internationalen Kongress im November 2010 an der Oos bekräftigt. Dennoch ist der Weg bis zu einem Listeneintrag lang. Der Antrag muss jetzt zunächst der Kultusministerkonferenz unterbreitet werden mit der Bitte, ihn auf die sogenannte Tentativliste aufzunehmen. Darauf sind alle Vorschläge verzeichnet, die Deutschland an die Unesco richten will.

Nach einem Jahr kann der Antrag dann an das Auswärtige Amt zugeleitet werden, das diesen wiederum zum Unesco-Welterbezentrum nach Paris übermittelt. Dabei wird mit Kosten für das Land von etwa 82.000 Euro gerechnet – ohne den Anteil der Stadt.

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