Matthias Rohrsen aus Harthausen leitet mehrere Big Bands – und dies erfolgreich, obwohl er einst ein Quereinsteiger war. Nun wurde er mit der Landesehrennadel gewürdigt.
Ja, er wusste, was kommen würde. Dass der Filderstädter Oberbürgermeister Christoph Traub beim jüngsten Konzert der Big Band Harthausen auf die Bühne kommen würde, um dem Dirigenten Matthias Rohrsen die Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg zu überreichen, war abgesprochen gewesen. Dennoch: Gerührt wirkt der Geehrte auch Tage später noch, während er auf die Urkunde blickt und die Unterschrift des Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann beäugt. „Das ist schon eine tolle Geschichte“, sagt Matthias Rohrsen. „Das gibt noch mehr Motivation.“
Erhalten hat der 56-Jährige die Auszeichnung für seine Verdienste um das Ehrenamt. Dabei ist er seinerzeit tatsächlich ein bisschen reingerutscht. Matthias Rohrsen leitet derzeit zwei Musikensembles. In seinem Wohnort Harthausen verbindet man ihn vor allem mit der örtlichen Big Band. Die hat er 2009 gemeinsam mit seinem Nachbarn Jürgen Ehrlenbach gegründet – im Vorfeld des 700-Jahr-Jubiläums des heutigen Filderstädter Stadtteils. Gesagt, getan, Flyer gedruckt, in Briefkästen geworfen. „Wir haben nichts gehabt, keinen Proberaum, keine Musiker“, erzählt er, auch ein Budget für einen Dirigenten habe es nicht gegeben. Deswegen übernahm Matthias Rohrsen kurzerhand diesen Part selbst – als Quereinsteiger. „Ich habe gesagt, ich probier das.“
Was dem Vertriebler, der einst Wirtschaftswissenschaften studiert hat, das Selbstvertrauen gegeben hat, ein Orchester zu leiten? Seine eigenen Erfahrungen als Teil einer Big Band. Matthias Rohrsen war und ist Hobbymusiker. Mit neun Jahren begann er mit der Blockflöte, wenig später wechselte er zur Trompete. „Ich habe immer weitergemacht, und es macht mir noch riesigen Spaß“, erzählt er. 1996 hörte er eine Big Band in Stuttgart – und stieg begeistert ein. Viele Jahre spielte Rohrsen dort die Trompete.
Sein Rezept: viel Pop und Rock
Heute kommt der zweifache Vater nur noch selten dazu, selbst zu musizieren, „was ich auch vermisse“. Matthias Rohrsen ist der Mann, der den Takt angibt. Mehr als 15 Jahre später ist er immer noch der Dirigent der Big Band Harthausen und ihr Vorstand obendrein. Außerdem dirigiert er seit 2019 die Reservisten-Bigband Baden-Württemberg, die zurzeit in Stetten probt. Beides tut er erfolgreich. Mehrere Hundert Zuhörer zieht etwa das Filderstädter Ensemble regelmäßig bei Konzerten an, die Mitglieder zwischen Mitte 30 und Mitte 60 kommen extra aus Stuttgart oder Tübingen zu den Proben. Matthias Rohrsens Rezept: viel Pop und Rock. Die Big Band Harthausen führt Songs von Amy Winehouse, Queen oder Tina Turner auf. Das kommt sowohl beim Publikum als auch beim Ensemble an. „Was im Radio kommt und was die Leute hören“, sagt er.
Anfangs sei die Dirigenten-Aufgabe eine Herausforderung gewesen, bekennt Matthias Rohrsen, mittlerweile habe er viel Routine. Aufwendig sei das Ganze trotzdem. „Das sind mehrere Stunden jede Woche, die da draufgehen“, sagt er übers Ehrenamt, über die Organisation von Auftritten, über Proben, Planungen und vieles mehr. Bald kommt wieder eine heiße Phase. Die Big Band Harthausen tritt am 25. Mai in der Filharmonie in Bernhausen auf, die Reservisten-Bigband am 1. März in der Uhlberghalle in Bonlanden. Viel zu tun, aber Matthias Rohrsen will alles mit seiner gewohnten Leichtigkeit angehen. „Das ist der Vorteil als Nicht-Profi. Ich mache es nur aus Spaß.“