Quincy Jones war 2017 einer der Gäste bei den Jazz Open in Stuttgart. Foto: Reiner Pfisterer

Branchenpreis für den Stuttgarter Brückenschlag: Das Jazz Open erhält den Live Entertanment Award für ein Programm, das neben Stars wie Herbie Hancock, Jamie Cullum und Quincy Jones auch unbekannteren Acts eine Chance gibt. Da applaudiert sogar Helene Fischer.

Stuttgart/Frankfurt - Für Jürgen Schlensog, Geschäftsführer der Opus GmbH, für Mini Schulz und Sven Meyer, seine Partner, ist es eine Überraschung. Um 20.29 Uhr tritt Conchita, die bärtige Gewinnerin des 59. Eurovision Song Contests in Kopenhagen, in der Festhalle Frankfurt ans Mikrofon, um es bekannt zu geben: Das Jazz Open Stuttgart ist Festival des Jahres beim Live Entertainment Award (Lea), dem Preis der deutschen Musikveranstalter, vergeben anlässlich einer großen Gala zur Eröffnung der Frankfurter Musikmesse.

Helene Fischer ist ausnahmsweise nur Zuschauerin

Rund 1400 Gäste sind in die Frankfurter Festhalle gekommen, um die Verleihung des Branchenpreises zu erleben, mit dem zum nun 13. Mal außergewöhnliche Leistungen deutscher Musikveranstalter gekürt werden. Georg Hörtnagel, Musiker und Impresario in München, eine prägende Kraft für die klassische Musik in Bayern, wird später am Abend den Lea für sein Lebenswerk erhalten. Uwe Kanthak wird für Semmel Concerts den Lea für die Arenatour des Jahres entgegennehmen – er organisiert die Konzerte Helene Fischers, der Star selbst sitzt im Publikum, folgt der Preisverleihung.

Der Komödiant und Fernsehmoderator Karl Dall ist gekommen, um noch einmal zu scherzen; The Analogues geben eine Live-Darbietung des Beatles-Songs „All you need is Love“, Wincent Weiss und Michael Patrick Kelly singen auf der fantastisch gestalteten Showbühne, Ingo Nommsen führt durch den Abend. Ben Becker sagt flott Guten Tag, nimmt einen Preis für sein aktuelles Bühnenprogramm „Ich, Judas“ entgegen; der Preis für die Stadiontournee des Jahres geht an das Hamburger Unternehmen FKP Scorpio, das die Tournee der Rolling Stones ausrichtet, die in Stuttgart noch nicht angekommen ist. Einen Schlusspunkt hinter den dreistündigen Preissegen setzt schließlich die Technoband Scooter mit einem kurzen Auftritt. Ein Höhepunkt des Abends ist der kantige Showtalk zwischen Schlagerhasser Wolfgang Trepper und Mary Roos, der großen alten Dame des deutschen Schlagers – mit ihrem Programm „Nutten, Koks und frische Erdbeeren“ werden sie in dieser Woche im Stuttgarter Theaterhaus zu sehen sein.

Conchita lobt die Exoten aus Stuttgart

Mitten darin das Jazz Open. „All you need is bunt“ heißt der Slogan, den der Live Entertainment Award sich 2018 gegeben hat. Der Jazz und alles, was ihn in Stuttgart trägt, fügt sich gut in die Mischung, die hier geboten wird; das Jazz Open hat Eindruck gemacht, auf die Jury des Preises, hat sich durchgesetzt gegen vier weitere Nominierte aus Deutschland und der Schweiz. Erinnerungen an das Jazz Open 2017 ziehen vorbei auf den Bildwänden in der Frankfurter Festhalle: Herbie Hancock, Jamie Cullum und natürlich Quincy Jones, der Schlossplatz, der Innenhof des Alten Schlosses, der Jazzclub Bix. 36 000 Menschen besuchten die Konzerte, die das Jazz Open an zehn Tagen auf sechs Bühnen veranstaltete. Conchita, angereist aus Wien, plaudert mit sehr heller Stimme: „Sie sind die Exoten des megagroßen Festivalangebots; Menschen, die nicht nur den Einheitsbrei in sich hineinlöffeln, sondern auch neugierig sind.“

„Das Jazz Open ist ein Großereignis für den Stuttgarter Konzertsommer“ – so hat es die Jury des Veranstalterpreises beschlossen. Die attraktiven Konzert-Locations, die Nachwuchsförderung, die jungen Künstlern die Möglichkeit gibt, im Vorprogramm berühmter Künstler aufzutreten, die großen internationalen Namen, die das Festival auch 2018, im Jahr seines 25. Jubiläums, nach Stuttgart holen wird – all dies wird hier honoriert. Jürgen Schlensog spricht auf der Bühne der Frankfurter Festhalle kurz über die Unterstützung, die sein Festival in Stuttgart erfährt: „Wir sind ein öffentlich nicht gefördertes Festival, wahrscheinlich das einzige im Genre Jazz“, sagt er. „Wir haben versucht, Grenzen aufzubrechen. Jazz ist die Wurzel all dessen, was wir tun, aber wir bringen auch Rocker, Funkmusiker und Bluesmusiker auf die Bühne – wenn sie Qualität haben.“ Die Gala ist damit längst nicht zu Ende – später am Abend wird BB Promotion aus Mannheim als Veranstalter des Jahres ausgezeichnet; damit wird ein weiteres Unternehmen aus Baden-Württemberg mit einem Live Entertainment Award aus Frankfurt zurückkehren.

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