Die Weinstube Eißele in Esslingen ist als „Schmeck-den-Süden-Gastronomie“ ausgezeichnet worden. Das Traditionslokal bezieht 90 Prozent der Produkte aus der Region. Die Betreiber setzen auf schwäbische Küche und eine große Weinkarte.
Ein Foto von Gründer Hans Hummel hängt noch immer in einer Ecke der gemütlichen Gaststube gegenüber der Theke, die viele in Esslingen kennen: Die Weinstube Eißele in Serach setzt ihre jahrzehntelange Tradition auch in diesem Jahr fort. Zum Wohlgefallen vieler Gäste und auch des Baden-Württembergischen Ernährungsministers Peter Hauk (CDU). Dieser ließ sich in dieser Woche eine Auswahl von Maultaschen und Fleischküchle in dem Lokal in Serach schmecken. Anlass war die Auszeichnung mit drei Löwen im Rahmen des „Schmeck den Süden“-Programms.
Gemüse, Fleisch und andere Zutaten aus der Region
Dieses unterstützt Gastronomen dabei, ein regionales Angebot aufzubauen und zu vermarkten. Wer die höchste Kategorie von drei Löwen erreichen will, muss 90 Prozent der Zutaten aus der Region beziehen. Die Zertifizierung sei für die Weinstube Eißele gar nicht so schwierig gewesen, erläutert Bruno Eiwen, einer der Wirte und Chef der Küche. „Wir haben von Beginn an mit regionalen Produzenten zusammengearbeitet.“ Das Gemüse stamme etwa vom Esslinger Landwirt Wilfried Rapp, das Fleisch von den Metzgereien Baur in Wernau und Benzler in Zell. Ein paar Lieferanten seien gewechselt worden, ein paar Produkte ausgetauscht, sagt Geschäftspartner Marc Dehmel. Außerdem bedurfte es spezieller Schulungen.
„Schmeck den Süden“ ist eine Aktion des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Baden-Württemberg mit der Marketinggesellschaft Baden-Württemberg, unterstützt vom Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz. Etwa 300 Betriebe nehmen teil, die in einem Genussführer aufgeführt werden. Eiwen und Dehmel hoffen, von der Werbewirkung zu profitieren. Sie haben den Betrieb 2021 von Oliver Brehmer übernommen. Eiwen, gelernter Metzger und Koch, hat seit 2016 in der Weinstube gearbeitet, zunächst im Service, dann in der Betriebsleitung. Der 46-Jährige, der in Wernau wohnt, ist seit jeher in der Gastronomie tätig. Dehmel (49), der in Esslingen lebt, war zuvor als Projektleiter im Automobilbereich tätig – und Stammgast im „Eißele“. Die zwei haben sich im Gastraum der Weinstube kennengelernt und über gemeinsame Interessen wie die Liebe zum Wein angefreundet.
Viele Weine, traditionell schwäbische Gerichte
Am Konzept wurde wenig verändert. Die Wein- und Schnapskarte wurde ergänzt, vor allem um regionale Produzenten. Die Weinstube ist auch als „Haus der Baden-Württemberger Weine“ ausgezeichnet. Bald soll es zwei eigens für das Lokal kreierte Cuvées der Esslinger Weingärtner Teamwerk geben. Die Speisekarte ist traditionell schwäbisch und fleischlastig, es gibt einige wenige vegetarische Gerichte. Die Ausrichtung entspreche dem Geschmack des Stammpublikums, erklären die Wirte. Auf dem Sommerfest Estival in der Innenstadt habe man im vergangenen Jahr, dem gemischteren Publikum geschuldet, dagegen auch ein veganes Gericht angeboten. In der Weinstube sollten Veganer sich vorab ankündigen, damit die Küche etwas vorbereiten könne.
Klassiker sind die selbst gemachten Maultaschen und Fleischküchle, es gibt auch saisonal wechselnde Gerichte. Die Preise für Hauptspeisen bewegen sich zwischen 16 Euro (Maultaschen) und 32,50 Euro (Rostbraten).
Wie es läuft? „Super“, sagen Dehmel und Eiwen unisono. Klar gebe es Herausforderungen. „Zum Glück haben wir ein Stammpublikum, das bereit ist, für Qualität entsprechend zu bezahlen“, sagt Dehmel. In der Weinstube, die Platz für etwa 45 Gäste bietet, bricht nun die ruhige Sommerzeit an. Es gibt keine Möglichkeit zur Außenbewirtung, die Tischreservierungen gehen zurück. Allerdings haben Eiwen und Dehmel im März das Sportheim des TSV RSK als Pächter übernommen. „Eissele’s RSK“ hat eine etwas preisgünstigere Biergartenkarte und soll ebenso wie die Estival-Wochen das ruhige Sommergeschäft der Weinstube ausgleichen.