Brigitte Ott-Göbel und Volker Göbel Foto: Caroline Holowiecki

Das Sillenbucher Ehepaar Brigitte Ott-Göbel und Volker Göbel hat die Ehrenmünze der Stadt Stuttgart erhalten. Über ihre Stiftung fördern die Eheleute seit 2007 Kinder- und Jugendprojekte.

Sagenhaft, diese Aussicht! Von ihrem Balkon im Dachgeschoss eines eleganten Mehrfamilienhauses in Sillenbuch haben Brigitte Ott-Göbel und ihr Mann Volker Göbel den halben Stadtbezirk im Blick. An sonnigen Tagen gleitet das Auge einmal ringsherum über die Halbhöhenlagen. Ja, dieses Sillenbuch ist ein bisschen schicksalhaft für die Eheleute. Hier haben sich die Oberschwäbin und der Rheinländer kennengelernt, 1981 war das in einer Selbsterfahrungsgruppe im Clara-Zetkin-Haus. Dort fanden sie nicht nur sich selbst, sondern auch den Partner fürs Leben.

 

30 000 Euro werden im Jahr ausgeschüttet

Jahrzehnte später spielt Sillenbuch immer noch eine zentrale Rolle im Leben des Paares. Hier wirken Brigitte Ott-Göbel und Volker Göbel. 2007 haben sie die Ott-Goebel-Jugendstiftung gegründet, über die werden seither Kinder- und Jugendprojekte gefördert, vornehmlich im Bezirk. Es geht um eine Unterstützung der Mobilen Jugendarbeit, des Jugendhauses oder des Schülercafés Alberta, um Tanz-, Musik- oder Gesundheitsprojekte, um Ferienfreizeiten oder Vorleseaktionen. Gut 30 000 Euro werden laut Volker Göbel pro Jahr für diverse Maßnahmen ausgeschüttet. „Junge Menschen plus Bildung, das war der Kerngedanke“, sagt er. 2025 wollen er und seine Frau wieder einen Fokus auf das Programm „Anorexie – gemeinsam stärker!“ legen, das die Stiftung gemeinsam mit neun weiteren Organisationen finanziert, zudem soll die Demokratieförderung gestärkt werden.

Die Betriebswirte haben lang im mittleren Management in der Industrie gearbeitet, Brigitte Ott-Göbel ist bis heute selbstständig als Beraterin und Coach. Will heißen: Wirtschaftlich gesehen könnten sie sich wohl zurücklehnen und die Aussicht vom Balkon genießen. Den Eheleuten reicht das aber nicht. Sie wollen etwas abgeben. Beide seien sie behütet aufgewachsen, viele junge Leute hätten dieses Privileg heute nicht. Hier setze die Stiftung an, und „es ist toll, einen Funken, einen Impuls zu setzen“, sagt Brigitte Ott-Göbel. Dass sich etliche Aktivitäten im Bezirk abspielten, vereinfache vieles. Hier kenne man die Partner und könne sich von der Nachhaltigkeit überzeugen.

Eigene Kinder haben Brigitte Ott-Göbel und Volker Göbel nicht, dennoch liegt ihnen der Nachwuchs am Herzen. „Vielleicht deshalb“, sagt sie. Schon im beruflichen Kontext sei das ein zentrales Anliegen gewesen. Hinzu kommt: Im Ehrenamt finden sie Erfüllung. „Wir waren immer sehr absorbiert vom Beruf“, erklärt Brigitte Ott-Göbel, in der Mitte des Lebens haben sie und ihr Mann daher beschlossen, sich gesellschaftlich einzubringen und auch die Stiftung zu gründen. Sie engagierte sich zwölf Jahre im Bezirksbeirat, er unter anderem über die Initiative „Fit in den Job“. „Im ehrenamtlichen Bereich sieht man die Wirkung sehr schnell, das ist sehr erfüllend“, sagt die 64-Jährige. Ihr vier Jahre älterer Gatte fügt an: „Von Geld kann man sich keine Emotionen schaffen.“

70 Kinder singen für die Eheleute

Über die Ehrenmünze freuen sie sich. „Das ist eine schöne Auszeichnung, die uns unseren Spendern gegenüber Qualität verleiht“, sagt Brigitte Ott-Göbel. Auch gehe es darum, ehrenamtliches Engagement sichtbar zu machen – und eine Vorbildfunktion einzunehmen. „Das Ehrenamt ist eine wahnsinnige Klammer für die Gesellschaft“, sagt Volker Göbel. Ihm scheint die Zeremonie fast noch mehr bedeutet zu haben als der Preis an sich. Immer wieder erzählt er, wie schön das gewesen sei, dass ein Chor der Grundschule Riedenberg, die die Stiftung schon lang unterstützt, gesungen habe. Er strahlt. „70 Kinder, das war fantastisch.“ Da habe er mehr als einmal schlucken müssen.