Das Handwerk hat Probleme, genügend Nachwuchs zu finden. Das Tal scheint aber mittlerweile durchschritten. Foto: imago/Bihlmayerfotografie

Die Handwerkskammer Stuttgart vergibt eine neue Zertifizierung an Unternehmen, die eine gute Ausbildungsqualität bieten. Noch wichtiger als die Auszeichnung ist aber etwas anderes.

Für Handwerksbetriebe ist es in den vergangenen Jahren nicht einfacher geworden, Nachwuchs zu finden. Zum Ausbildungsstart 2025 verzeichnete das Handwerk in Baden-Württemberg zwar einen leichten Zuwachs, doch nach wie vor bleiben vielerorts Lehrstellen unbesetzt. Die Handwerkskammer Stuttgart will den Betrieben nun dabei helfen, ihre Ausbildungsqualität zu verbessern.

 

Deswegen gibt es nun eine neue Auszeichnung für besonders gute Ausbilder: die sogenannte „primAQ“-Zertifizierung. Die Abkürzung steht für „prima Ausbildungsqualität“. Unternehmen können sich dafür bewerben und dann einen Prozess durchlaufen, an dessen Ende die Auszeichnung steht. Bei der ersten Zertifizierungsfeier wurden nun auch zwei Betriebe aus dem Landkreis Ludwigsburg ausgezeichnet.

Karl Köhler gibt allen jungen Menschen eine Chance

Im Vorjahr hatte die Karl Köhler GmbH mit Sitz in Besigheim bereits den Ausbildungspreis gewonnen – den Vorgänger der neuen Zertifizierung. Nun musste sich das Bauunternehmen nochmal neu bewerben und wurde erneut ausgezeichnet. Karl Köhler bietet jeweils dreijährige Ausbildungen zum Maurer oder Beton- und Stahlbetonbauer an.

Für Eva-Maria Popp, Ausbildungsberaterin bei der Handwerkskammer, gibt es mehrere Argumente, die für eine Ausbildung bei Karl Köhler sprechen: Zum Beispiel, dass Anwärter zuerst ein Praktikum absolvieren müssen, um eine Lehre starten zu können. Zudem hätten alle jungen Menschen die gleichen Chancen auf einen Ausbildungsplatz.

„Manche Betriebe geben Leuten, die aus dem Ausland kommen oder nur einen Hauptschulabschluss haben, gar keine Chance. Karl Köhler sagt: Wir schauen uns das Praktikum an und wenn die Person gut ist, dann nehmen wir sie und unterstützen sie, wo sie es braucht“, erklärt Popp. Zusätzlich gebe es ein Junge-Talente-Programm, das junge Menschen auch nach der Ausbildung noch unterstütze.

Bei Kälte Eckert werden auch Azubis in die Verantwortung genommen

Als zweites Unternehmen aus dem Landkreis erhielt Kälte Eckert die primAQ-Zertifizierung – ein mittelständisches Unternehmen für Klima- und Kälteanlagen, das in Markgröningen beheimatet ist und dessen langjähriger Geschäftsführer Michael Eckert erst kürzlich überraschend verstorben ist. Derzeit sind Ausbildungen zum Mechatroniker für Kältetechnik sowie für technische Systemplanung möglich.

Popp lobt Kälte Eckert dafür, wie das Unternehmen den Übergang von der Schule zum Arbeitsleben gestaltet. Die Auszubildenden würden ab Tag eins von einem persönlichen Paten begleitet, zudem gebe es einen festen Ansprechpartner für alle Lehrlinge. Außerdem biete Kälte Eckert regelmäßige Schulungsnachmittage an, an denen unabhängig von der Auftragslage noch fehlende Ausbildungsinhalte vermittelt würden.

Ausbildungsberaterin Eva-Maria Popp übergibt die primAQ-Zertifizierung an Holger Eckert, Geschäftsführer von Kälte Eckert. Foto: Kälte Eckert

Die Auszubildenden müssten zudem ein Heft führen und sich für jeden erreichten Ausbildungsinhalt eine Unterschrift besorgen. „Das finde ich eine gute Idee, dass die Auszubildenden mit in die Verantwortung genommen werden“, sagt Popp.

Begleitung durch Handwerkskammer soll Ausbildungsqualität verbessern

Der Hauptgrund für die Umstellung von Ausbildungspreis auf primAQ-Zertifizierung war, dass man die Betriebe stärker dabei begleiten möchte, ihre Ausbildungsqualität zu steigern. Deswegen sei noch wichtiger als die Auszeichnung der Prozess, der dorthin führe, erklärt Popp. „Die Zertifizierung ist nur das i-Tüpfelchen. Aber alles, was an kleinen oder großen Verbesserungen davor passiert, ist das Wichtige für den Betrieb“, sagt sie.

Das würde wiederum auch das Ansehen der Betriebe unter den jungen Menschen steigern. Und natürlich sei die Zertifizierung auch „eine Art Öffentlichkeitsarbeit für die Betriebe“, mit der man für sich werben könne. Wahrscheinlich gilt das bald auch für zwei weitere Unternehmen aus dem Landkreis, die sich derzeit noch im Prozess befinden. Popp rechnet mit einer Zertifizierung der beiden Betriebe gegen Ende des Jahres.