Die Fahndung nach dem Coronavirus läuft auf Hochtouren. Foto: Gottfried Stoppel

Obwohl die Zahl der bestätigten Infektionsfälle im Rems-Murr-Kreis bisher sehr überschaubar ist, sorgt das Coronavirus für einige Einschränkungen: Veranstaltungen werden abgesagt und Menschen in häusliche Quarantäne geschickt.

Rems-Murr-Kreis - Es sind bisher erst fünf offiziell bestätigte Fälle, und dennoch greift das Coronavirus immer mehr in den Alltag der Menschen im Rems-Murr-Kreis ein. Insbesondere seit der Hochstufung von Südtirol zum sogenannten Risikogebiet durch das Robert-Koch-Institut scheint die Menge der potenziell Gefährdeten exponentiell gewachsen zu sein. Nicht nur zahlreiche Urlauber, die nach den Faschingsferien wieder die Arbeit aufgenommen hatten oder zur Schule gegangen waren, sind zum Kreis derer hinzu gekommen, die möglicherweise Kontakt mit einer infizierten Person hatten, sondern wiederum auch deren Lebensumfeld.

Schüler daheim, Eltern im Homeoffice

Das Kultusministerium hat reagiert und Schüler nach Hause geschickt, auch wenn diese in der Regel bereits vier Tage im Unterricht gewesen waren. Wie viele Kinder jetzt von der häuslichen Quarantäne betroffen sind, kann indes niemand so genau sagen. Noch schwieriger ist es, einen Überblick über die Frauen und Männer zu bekommen, die von ihren Arbeitgebern ins Homeoffice oder eine Freistellung geschickt worden sind. So mancher wird sich nun vielleicht fragen, ob die viel belächelten Hamsterkäufe in Einzelfällen doch richtig gewesen wären.

Der Kreis-Fokus ist seit dem Bekanntwerden zweier weiterer nachgewiesener Infektionsfälle in Weinstadt und Backnang nicht mehr allein auf Rudersberg gerichtet. In den sozialen Netzwerken hatten die Kommentare zum Teil absurde Züge angenommen. Nicht nur der Familie wurde eine Mitschuld an einer möglichen lokalen Epidemie angedichtet, auch der ganze Ort wurde zur Keimzelle des Rems-Murr-Corona geriert. Von einer Stigmatisierung will der Bürgermeister Raimon Ahrens nicht reden. „Natürlich sind wir als erste Gemeinde, in der das Virus identifiziert wurde, in einem gewissen Fokus der Öffentlichkeit“, sagt Ahrens und natürlich sei das Coronavirus im Ort das bestimmende Thema. Dass die Leute einen Bogen um die Gemeinde gemacht hätten, habe er hingegen nicht beobachtet.

Keine Krönung des erfolgreichen Präventionsprojekts

Doch nicht nur in Rudersberg dringt Covid-19, wie die Erkrankung durch das Virus bezeichnet wird, in das öffentliche Leben ein. Als eine der ersten schon längerfristig geplanten Veranstaltungen im Rems-Murr-Kreis ist am Mittwoch eine Präventionsveranstaltung in der Fellbacher Schwabenlandhalle abgesagt worden, die ausgerechnet unter dem Motto „Rems-Murr schockt“ hätte stehen sollen. Eigentlich hätte die groß angelegte Veranstaltung der krönende Abschluss eines auf drei Jahre angelegten Modellprojekts sein sollen, mit dem Kardiologen aus dem Rems-Murr-Kreis zusammen mit Kooperationspartnern höchst erfolgreich eine Aufklärungskampagne im Kampf gegen den Herzinfarkt vorangetrieben hatten.

Thomas Eul, der erste Vorsitzende des eigens gegründeten Vereins „Gemeinsam gegen den Herzinfarkt“ und Initiator des Projekts, blutet im übertragenen Sinn das Herz bei der Vorstellung, dass die ganze Mühe für das Großevent, bei dem man unter anderem auch einen Weltrekord in Sachen Reanimationsübung hätte aufstellen wollen, für die vielen ehrenamtlichen Helfer umsonst gewesen ist.

Aber „da bei der Veranstaltung sehr viele Menschen anwesend gewesen wären, die im Gesundheitssystem im Landkreis arbeiten, hätte das zumindest theoretisch natürlich auch Folgen für die Versorgung der Bevölkerung haben können“, kommentiert er die Absage. Zudem man nachvollziehen könne, dass bei einer möglichen Infektion auch niemand hätte die Verantwortung tragen mögen. Parallel zu der Absage in der Schwabenlandhalle stornierte die Stadt auch eine Veranstaltungen mit einer „Risikogruppe“, den Seniorentreff im Stadtteil Oeffingen.

Jazznacht in Weinstadt abgesagt

Mittlerweile sind nicht nur weitere Zusammenkünfte von älteren Menschen, wie der Seniorennachmittag in Waiblingen-Beinstein am 22. März oder der Kreisseniorenfachtag am 25. März in Backnang abgesagt worden, sondern auch andere lang geplante Events, etwa die Jazz- und Funknacht am 14. März in Weinstadt-Beutelsbach. Man folge der Einschätzung des Gesundheitsamtes, das die Ansteckungsgefahr bei dieser Veranstaltung recht hoch einschätze, sagt der Weinstädter Stadtsprecher Holger Niederberger.

Ähnlich wie Weinstadt gehen die meisten Kommunen vor: Sie wägen das Risiko nach einer Checkliste des Gesundheitsamts individuell ab. Das bestätigt auch Schorndorfs Erster Bürgermeister Edgar Hemmerich. Wenngleich die Stadt – Stand Freitag – noch keine Eigenveranstaltung abgesagt habe, seien externe Stornierungen nicht ausgeblieben, etwa die der Baumesse des Zeitungsverlags Waiblingen. Wichtig sei, die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und des Städtetags im Auge zu behalten und Entscheidungen gegebenenfalls anzupassen.

Krisenstäbe bei Kreis und Kommunen

Das sieht auch der Waiblinger Oberbürgermeister Andreas Hesky so. Seit der Faschingswoche wird in der Kreisstadt zudem regelmäßig ein „Stab außergewöhnliche Ereignisse“ (SAE) zusammengerufen, unter anderen sind Vertreter der Feuerwehr und der Bürgerdienste dabei. Auch im Landratsamt ist ein Krisenstab eingerichtet. Kreis und Kommunen sind in erhöhter Alarmbereitschaft – und werden es wohl auch noch eine Weile sein.

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