An der Metzinger Straße gilt Tempo 30 nur bis auf Höhe des Hauses Nummer 40, aufsteigend darf man 50 fahren. Foto: Caroline Holowiecki

Seit Langem wünschen sich Anwohner der Metzinger Straße in Filderstadt-Bonlanden, dass die Tempo-30-Zone verlängert wird. Auch, weil immer mehr Ausweichverkehr von der B 27 durchrollt. Bald gibt es eine Neuerung, die aber nicht jeden zufriedenstellt.

Bonlanden - Wenn Daniela Lißner aus ihrer Garage an der Metzinger Straße in Bonlanden fährt, reicht ihr ein Blick, um zu wissen, was auf der B 27 los ist. Sieht sie gehäuft Autos mit auswärtigen Kennzeichen, ist die Bundesstraße dicht. Viele fahren dann schon bei Aichtal von der B 312 ab, nehmen die Strecke durch Bonlanden und Plattenhardt, vielleicht sogar durch Stetten und scheren dann wieder auf die B 27 ein. Die Anzahl jener, die so Staus meiden, hat in den zwölf Jahren, die Daniela Lißner an der Metzinger Straße wohnt, „extrem zugenommen“, wie sie sagt. „Dieser Ausweichverkehr von der B 27 stört mich enorm. Das empfinde ich als lärm- und schadstoffbelastend“, betont sie.

Tempo 30 wird ausgeweitet – vielen ist das noch zu wenig

Nach dem Geschmack der zweifachen Mutter könnte an der Metzinger Straße einiges besser laufen. Häufig werde die Fußgängerampel auf Höhe der Kreuzstraße trotz Rot überfahren, dabei verlaufe hier der Schulweg. Hinzu kommt, dass kurz zuvor die 30er-Zone endet. Ab dem Haus Nummer 40 aufsteigend kann man 50 fahren, und laut Daniela Lißner geben nach dem 30er-Schild nicht wenige Autofahrer ordentlich Gas. Anwohnern stößt das auf. Sie wünschen sich schon lang eine Ausweitung der 30er-Zone. „Ich weiß, dass sich andere Nachbarn auch beschwert haben“, sagt Daniela Lißner. Vor Jahren fand deswegen eine Ortsbegehung statt. Ohne Erfolg für die Anwohner.

Jetzt aber die Wende: Der Ordnungsamtsleiter Jan-Stefan Blessing kündigt an, dass im ersten Quartal Tempo 30 ausgeweitet wird, und zwar vom Ortskern aus bis zur Einmündung in die Hohe Straße. Die Geschwindigkeitsreduzierung soll allerdings nur nachts gelten, ab 22 und bis 6 Uhr. Ziel der Einführung ist nicht etwa eine Erhöhung der Sicherheit, sondern eine Reduzierung der Geräuschkulisse. Der bereits 2017 vom Gemeinderat beschlossene Lärmaktionsplan wird umgesetzt. Für Daniela Lißner ist die Lösung halbgar. Anderswo, etwa in der Stuttgarter Straße in Plattenhardt, sei Tempo 30 ohne zeitliche Begrenzung eingeführt worden. „Wo ist da der Unterschied zwischen den Anwohnern in Plattenhardt und uns an der Metzinger Straße?“, fragt sie.

Nachbarn sprechen von einer „Rennstrecke“

Laut Jan-Stefan Blessing geht es unter anderem um die Verkehrsmenge und den Abstand der Bebauung zur Fahrbahn. Tempo 30 sei in der Regel für Wohnstraßen vorgesehen, und wolle man im breiten Teil der Metzinger Straße die Geschwindigkeit reduzieren, müsse man „technisch etwas tun“, erklärt er. „Wir sehen aktuell im Bestand keine Möglichkeit, Tempo 30 an der Metzinger Straße auszuweiten, und der Lärmaktionsplan gibt nicht mehr her als nachts.“ Laut einem Gutachten würden nur nachts Grenzwerte überschritten.

Mit dem X 7, der zügig durchkommen soll, habe die Beibehaltung von Tempo 50 tagsüber indes nichts zu tun. Um den neuen Schnellbus zu beschleunigen, wurden auf dem betreffenden Abschnitt jüngst Halteverbote eingerichtet. Daniela Lißner befürwortet das, sie und ihr Mann nutzen den ÖPNV intensiv. Der Nachteil aus ihrer Sicht: Nun, da die Straße freigeräumt sei, nehme der Verkehr Fahrt auf. Eine ihrer Nachbarinnen spreche von einer „Rennstrecke“. Die Umfahrung der B 27 könnte noch attraktiver werden, befürchtet Daniela Lißner. Auch Jan-Stefan Blessing kennt das Problem, „doch woher der Verkehrsteilnehmer kommt, spielt für den Lärmwert keine Rolle“.

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