Madonnenfiguren und andere Devotionalien werden in St. Peter im Sonderverkauf angeboten. Foto: Lichtgut/Volker Hoschek

Die katholische Gemeinde St. Peter in Bad Cannstatt lud wegen des Kirchenabrisses am Samstag zum Sonderverkauf. Dabei konnten Devotionalien aller Art zu günstigen Preisen erworben werden.

Stuttgart - Die Beete rund um St. Peter liegen trist im Nieselregen, die Bepflanzung ist gerodet. Ein Haufen Betonelemente türmt sich neben dem Cannstatter Sakralbau. An einem Stahlgeländer flattert ein Zettel: 100 Euro Verhandlungsbasis. „Der Zaun zum Kindergarten ist bereits verkauft“, weiß Rosemarie Mertz. Sie kümmert sich am Samstag darum, überzähliges Geschirr und Fundstücke aus den Gemeinderäumen an den Mann zu bringen.

Das Sortiment reicht vom Heiligenlexikon bis zur Bronzetafel mit der Zahnarzt-Schutzpatronin Apollonia, von der Kaffeekanne bis zur Madonnenfigur. „Es ist unglaublich, was sich hier angesammelt hatte“, urteilt das langjährige Gemeindemitglied: „Einiges haben wir mit dem Sperrmüll entsorgt, aber vieles war dafür zu schade.“

Der Erlös des Sonderverkaufs kommt dem neuen Kirchenraum zugute, der bis Ende 2019 auf dem Gelände an der Winterbacher Straße entstehen soll – unter einem Dach mit einer Kindertagesstätte. „Die Kirche ist noch geweiht. Bitte verhalten sie sich respektvoll“, klärt ein Schild im Eingangsbereich des Anfang der 1970er-Jahre erbauten Gotteshauses auf. Die Profanierung – die Rücknahme der Weihung – findet am 8. Mai statt. Dann rücken die Bagger an. „Ich will gar nicht darüber sprechen, was das für mich bedeutet“, seufzt Nicolae Petric, der seit 1997 als Hausmeister und Messner in St. Peter tätig ist . Die Dienstwohnung hat er bereits geräumt. Seine Stelle wurde auf 50 Prozent gekürzt. Hinzu kommt der Abschiedsschmerz: Es sei ein Stück Heimat, das hier verloren gehe, gibt er zu verstehen. Er hoffe, dass er sich künftig weiterhin in St. Peter engagieren könne.

Erinnerungsstücke werden bleiben. Die Marienstatue oder das Christophorus-Relief ziehen um. Auch das zehn Meter lange Kreuzweg-Mosaik soll einen neuen Platz finden. Bereits verschwunden sind hingegen die Außenbänke. Die hatte Petric eigens nochmals abgeschliffen und frisch lackiert. Nun sind sie in Privatbesitz.

„Mehrere Lampen sind auch schon weggegangen“, erzählt Rosemarie Mertz, „wir haben aber noch einiges auf Lager.“ Am 30. April findet ein weiterer Sonderverkauf in St. Peter statt. Neben Schnäppchen warten auch zwei Großobjekte auf ihre Abnehmer: eine funktionstüchtige Gastronomieküche sowie eine Kegelbahn.

Interessenten können sich direkt beim Pfarramt melden unter: stpeter@t-online.de.

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