Foto: Recktenwald

Unsere Leserin Sylvia Recktenwald hat mit dem Wohnmobil den Kontinent Australien entdeckt.

Schon wieder Australien? Ja! Der Kontinent ist immerhin 21-mal so groß wie Deutschland: Da kann man nicht alles auf einer Reise sehen. Dieses Mal haben wir uns den Westen ausgesucht, genauer den Südwesten. Unberührte Natur, tolle Strände verspricht der Reiseführer. Um wirklich an den schönsten Plätzen zu verweilen, machen wir die Tour mit einem Wohnmobil. Wildcampen ist in Australien nur dort verboten, wo es explizit auch steht. Natürlich geht es auch per Mietwagen und Hotel – was in der teilweise dünn besiedelten Region allerdings etwas schwierig werden kann. Sehr naturverbundenen Menschen reicht auch ein Zelt: Sie schließen nachts bestimmt wunderbare Bekanntschaften.

Das ist der einzige Punkt, der mich in Down Under immer beunruhigt: die giftigsten Schlangen der Welt sind hier zu Hause. Ich mag keine Schlangen, nicht mal die im Zoo hinter Glas. Für Natur- und Tierliebhaber ist dieser Teil des Landes aber unschlagbar. Wer mehr Stadtfeeling braucht, wird in Perth glücklich. Die nächste größere Stadt von Perth ist Adelaide – in 2.000 Kilometer Entfernung. Dazwischen liegen Ortschaften, durch die man schneller durch ist, als man mit dem Finger über die Landkarte fährt.

Perth mit seinen 1,5 Millionen Einwohnern hat durch die Mischung von modernen Neubauten und historischen Gebäuden einen zauberhaften Charme. Für Wassersportler ist es ein Paradies: Segler ziehen über den Swan River Richtung Indischer Ozean – Surfer und Sonnenanbeter finden in Fremantle oder Cottesloe Beach ihr Glück. Startet man von Perth auf dem Golden-Pipeline-Heritage-Trail in östliche Richtung ins Landesinnere, säumen goldene Weizenfelder statt roter Erde den Weg. Im Verlauf wird es immer heißer und staubiger. Am Ende der 600 Kilometer langen Straße glaubt man im 19. Jahrhundert gelandet zu sein. In der Goldgräberstadt Kalgoorlie scheint die Zeit kurz nach ihrer Entstehung 1893 stehengeblieben zu sein.

Das Flair der Vergangenheit grüßt aus den wunderschön restaurierten Kolonialbauten. Die Region lebt nach wie vor vom Goldabbau. Bei Temperaturen von 42 Grad ist der Besuch unter Tage in einer Mine durchaus verlockend. Aber wer in voller Goldgräbermontur eine Stunde durch Minentunnel gekrabbelt ist, freut sich, wieder ans Tageslicht zu kommen. Kalgoorlie ist auch das Tor zum Outback: Dann sollte der fahrbare Untersatz aber allradgetrieben sein. Wir entscheiden uns hier für den Weg nach Süden, Richtung Meer. Die 400-Kilometer-Strecke nach Esperance bietet Tristesse.
Doch die traumhafte Südwestküste entschädigt für die eintönige Fahrt. An der Great Ocean Road reihen sich wunderschöne Strände mit so klangvollen Namen wie 9-Mile-Beach oder Twilight-Beach.

Absoluter Höhepunkt: der Cape Le Grand Nationalpark. Sanfte grüne Hügel so weit das Auge reicht, das Meer ist nur zu erahnen. Auf dem Marsch zum Strand kreuzt allerhand Getier den Weg. Den Waranen sollte man nicht, wie es ein Känguru vor uns macht, auf den Schwanz treten – dann fauchen sie fürchterlich. Die Lucky Bay übertrifft alles, was man an Strand schon mal gesehen hat. Eine kilometerlange Bucht, der Sand so weiß und fein wie Puderzucker. Und das Meer in Farbtönen, die sich jeder Modedesigner wünscht.

Richtung Albany führt der South Coast Highway an Farmen vorbei, auf deren Grundflächen in Deutschland ganze Kleinstädte gebaut werden. Und beim Anblick der riesigen Rinderherden schweifen die Gedanken zum Abendessen. Doch spätestens in Albany ist man wieder beim Thema Fisch. Mit 25.000 Einwohnern ist Albany die drittgrößte (!) Stadt in Western Australia. Um 1900 pulsierte hier das Zentrum des Walfangs. Heute gehen vom größten Naturhafen der Welt nur noch Touristen mit Kameras auf Waljagd (Saison: Juni bis Oktober). Landratten sind die Nationalparks zu empfehlen. Schön ist etwa der Walpole-Nornalup-Park. Die bis zu 80 Meter hohen Karri-Bäume können im Valley of the Giants, dem Tal der Giganten, bei einem Spaziergang auf einem Weg durch die Baumwipfel erlebt werden. Wer mehr Kicks braucht, klettert ungesichert an simplen Tritteisen einen der Fire-Trees hinauf. Touristische Infrastruktur unter den Füßen hat man erst wieder in der Ferienregion Margaret River – die aber immer noch meilenweit vom Massentourismus entfernt ist. Lauschige Weingüter mit hervorragender Küche laden zum Verweilen ein. Und bei einem Glas Rotwein lässt sich beim postkartenmäßigen Sonnenuntergang wunderbar über das nächste Australien-Ziel nachdenken.

Die Leserreise

Die Leserin
Sylvia Recktenwald (35) hat nicht nur eine Vorliebe für Australien. So oft wie möglich nutzt sie die Gelegenheit, neue Länder zu erkunden. Was im Gepäck der passionierten Läuferin nie fehlt, sind Laufschuhe. Damit sind von ihr schon der Central Park und viele andere schöne Strecken auf der Welt erobert worden. Nächstes Ziel: Südtirol zum Skifahren.

Die Reise
Beste Reisezeit: November bis März Route: Flug über Singapur nach Perth (zum Beispiel mit Singapore Airlines). Dann mit dem Wohnmobil: Perth–Kalgoorlie–Esperance– Albany–Pemberton–Augusta–Margaret– River–Perth. Route: rund 3.000 Kilometer. Dauer: 3 Wochen (inklusive 4 Tage Aufenthalt in Perth). Camper können über Apollo, Britz, Maui oder Kea gemietet werden.

Infos
http://www.australia.com http://www.australien-info.de http://www.planbooktravel.com.au

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