Als Botschafter in den USA: Elisabeth Jetter und Richard-Elsen Groeneveld. Foto: privat

Sie haben ihr Land in den Vereinigten Staaten repräsentiert und den Blick dafür geschärft, wie es in Zeiten von Donald Trump um die Menschenrechte bestellt ist: Die Vaihinger Jugendgemeinderäte Elisabeth Jetter und Richard-Elsen Groeneveld waren als „Ambassadors in Sneakers“ in den USA unterwegs.

Vaihingen/Enz - Donald Trump ergießt sich vor auf internationalen Parkett in Eigenlob und wird ausgelacht. Nur wenig später tritt seine UN-Botschafterin Nikki Haley zurück. Die Turbulenzen, die derzeit in der ehrwürdigen UN-Zentrale abspielten, malten sich Elisabeth Jetter und Richard-Elsen Groeneveld wohl kaum aus, als sie sich kürzlich bei Vereinten Nationen in New York persönlich ein Bild über die Arbeit der Institution machten – und erfuhren, „für wie viele nachhaltige Ziele seit der Trump-Regierung der Geldhahn zugedreht wurde“, merkt Elisabeth Jetter an.

Die 18-jährige FSJ-lerin bei der Konrad-Adenauer-Stiftung und der 16-jährige Gymnasiast sind Jugendgemeinderäte in Vaihingen/Enz. In dieser Funktion wählte sie das Deutsch-Amerikanische Institutals Repräsentanten Deutschlands für das Programm „Ambassadors in Sneakers“ (Botschafter in Turnschuhen) aus. Es will so die Sinne für den Wert guter transatlantischer Beziehungen schärfen. Die Stadt Vaihingen trug ein finanzielles Scherflein bei, schließlich entsendet sie nicht alle Tage Botschafter in die Staaten.

Elisabeth Jetter: „Was man kennt, verurteilt man nicht so schnell“

Mit einer Handvoll anderer politisch engagierter Heranwachsender – das Motto der Reise lautete „Menschenrechte“ – machten sich Jetter und Groeneveld bei Begegnungen und Workshops im New Yorker Amnesty-International-Büro, beim Martin-Luther-King-Center in Atlanta oder beim Human Rights Institute der University of Alabama in Birmingham schlau darüber, was Amerikaner umtreibt – zumindest manche Amerikaner. „Ein Gesamtbild bekommen zu wollen, wäre vermessen gewesen. Dazu sind die USA viel zu komplex“, sagt Elisabeth Jetter.

In diesen aufgewühlten Zeiten die USA besser verstehen lernen wollen? Ein ambivalentes, aber angesichts der aktuellen Spannungen vielleicht umso wichtigeres Ansinnen. Elisabeth Jetter jedenfalls findet: „Was man kennt, verurteilt man nicht so schnell.“ Und zur Justierung darüber, was für gute Möglichkeiten und Freiheiten junge Leute in Deutschland haben, diente die Erfahrung allemal. Die Deutschen begleitete eine Gruppe gleichaltriger Amerikaner, darunter etliche Farbige. Von ihnen war wenig Ermutigendes zu erfahren. „Mich hat überrascht, wie ausgeprägt der Rassismus ist, wie viele rassistisch motivierte Morde es gibt und wie massiv das Wiedererstarken des Ku-Klux-Klan ist“, erzählt Richard-Elsen Groeneveld. „Viele Schwarze fühlen sich schnell auf ihre Hautfarbe reduziert“, ergänzt Elisabeth Jetter.

Die US-Delegation stößt in Berlin auf eine AfD-Demo

Gleichzeitig erfuhren sie eine große Weltoffenheit: „Auch die Weißen, mit denen wir geredet haben, fanden es toll, dass es einen Präsidenten Obama gab, der vieles in Bewegung gesetzt hat“, erzählt Elisabeth Jetter. In kontroverse Themen wie der US-Waffenpraxis werde die nächste Generation Bewegung bringen, glaubt das Duo: „Wir sind keinen Jugendlichen begegnet, die nicht für viel strengere Waffengesetze gewesen wären.“ Was das Bewusstsein für Nachhaltigkeit angehe – vom achtlosen Wegwerfen von Lebensmitteln über „die extreme Uncoolness des Fahrradfahrens“ bis hin zu Herstellungsbedingungen von Produkten –, mussten sich die deutschen Jugendlichen hingegen öfter mal auf die Zunge beißen. „Aber wir waren ja nicht dort, um zu belehren“, so Jetter, „sondern um uns auf Augenhöhe zu begegnen.“ Bei manchen Amerikanern hallte wohl trotzdem etwas nach: „Meine Partnerin hat jetzt in der Schule sogar eine Arbeit über Food Waste geschrieben“, freut sie sich.

Als die US-Ambassadors ihrerseits nach Europa reisten, geriet die Gruppe in Berlin gleich in eine rüde AfD-Demonstration mit massivem Polizeieinsatz – und erlebte eindrücklich, dass nicht nur in ihrer Heimat der Ton mittlerweile sehr rau geworden ist.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: