Austausch mit Stuttgarts Partnerstädten Da steckt viel Herzblut drin

Von Armin Friedl 

Die Zeichnung von Max Eyth zeigt Wolga-Schiffe bei Samara Foto: privat
Die Zeichnung von Max Eyth zeigt Wolga-Schiffe bei Samara Foto: privat

Die Stadt Stuttgart unternimmt viel, um ihre Partnerschaften mit Städten mit Projekten vielseitig zu gestalten. Doch die Projektpartner müssen auch Eigenverantwortung übernehmen. Und das bedeutet viel Arbeit.

Stuttgart - Stuttgart feiert seine seit 25 Jahre bestehende Partnerschaft mit der russischen Stadt Samara aktuell mit einer Fotoausstellung von Maria Polezhaeva im Rathaus. Gezeigt werden Porträtaufnahmen von Bürgern aus Stuttgart und Samara, die dem Austausch der beiden Städten verbunden sind. Aber nicht alle Stuttgarter Kulturschaffenden haben diesen Austausch in positiver Erinnerung.

Max Eyth in Samara

2013 hat der Stuttgarter Galerist Ulrich Bernhardt eine Ausstellung über den schwäbischen Ingenieur und Schriftsteller Max Eyth erarbeitet, der auch dort Spuren seiner Arbeit hinterlassen hat. Über diese Ausstellung „Max Eyth, Poet, Abenteurer und Missionar der Technik an der Wolga“ wurde vor Ort vielfach berichtet, an der technischen Universität Samara hat ein Symposium über Eyth stattgefunden und aufgrund des positiven Publikumsinteresses war die Schau dort länger zu sehen als zunächst vereinbart.

Doch danach wartete Bernhardt vergeblich auf die Rückkehr des Großteils der Exponate. Schreiben an die russischen Behörden, an die Stadtverwaltung dort sowie an das zuständige Museum für Luft- und Raumfahrt von Bernhardt blieben letztlich erfolglos, der von ihm aufgelistete Schaden von mehr als 4000 Euro wurde ihm nicht erstattet. Das Museum erklärte, dass es alle gezeigten Exponate wieder zurückgeschickt habe. Auch von der Stadt Stuttgart fühlt er sich im Stich gelassen. Bernhardt: „Bei diesen Kulturpartnerschaften läuft manches gut, manches schlecht, in Sachen Samara läuft es ganz schlecht. Ich bin in Vorleistung gegangen, habe Bilderrahmen wie Aushilfskräfte bezahlt, den Rücktransport privat organisiert.“ Für die Ausstellung in Samara hat Bernhardt von der Stadt 3500 Euro erhalten, für Recherchen in Samara und für die Präsentation der Schau 2012 im Stuttgarter Literaturhaus weitere 8400 Euro.

Eine Lehre für alle Projektgestalter

Doch für den Schaden durch die fehlenden Exponate ist niemand aufgekommen. Weitere geplante Ausstellungen der Eyth-Schau in den Stuttgarter Partnerstädten St. Louis und Kairo konnte Bernhardt deshalb nicht realisieren. Deshalb fordert Bernhardt: „Das Kulturamt sollte solche Vorhaben organisieren und kuratieren. Doch hier wird die Verantwortung dem Künstler übertragen.“

Frédéric Stephan, im Stuttgarter Rathaus zuständig für Städtepartnerschaften, bemerkt in Sachen Eyth in Samara: „Das sollte für alle eine Lehre sein, die solche Projekte durchführen. In den vergangenen 15 Jahren habe ich nichts Vergleichbares erlebt.“ Sowohl Künstler als auch Aussteller müssten eben Regularien beachten und einhalten: „Es wurde kein Vertrag mit dem Museum in Samara abgeschlossen, es gibt keine Dokumentation, was dort genau gezeigt worden ist. Da wird es schwierig für uns, Forderungen zu stellen.“ Es sei jedoch nicht möglich, dass die Stadt gesamtverantwortlich als Veranstalter auftritt: „Das überschreitet unsere Möglichkeiten bei der Vielzahl und Verschiedenheit der Projekte mit unseren Städtepartnern. Wir geben den Rahmen wie Jubiläen, machen Werbung und geben Zuschüsse. Aber es sind damit noch nicht unsere Veranstaltungen.“ Schließlich sei es ja am Ende auch eine Entscheidung der Kulturtreibenden in Samara, für welches Kulturprojekt aus Stuttgart sie sich interessieren.

Sinfoniekonzert mit Kevin Tarte

Da verweist er auf positive Beispiele wie das Renitenz-Theater: „Die haben in Samara ihre Programme gespielt, haben dort Schülerprojekte realisiert und haben auch umgekehrt schon Künstler aus Samara nach Stuttgart eingeladen. Mit dem Stuttgarter Musicalkünstler Kevin Tarte haben sie ein tolles sinfonisches Konzert in Samara gemacht, im nächsten Jahr wird es wieder ein Musicalprojekt des Renitenz-Theaters in Russland geben. Die Künstlervereinigung Gedok ist mit Austauschprogrammen schon seit einigen Jahren ein verlässlicher Partner in Sachen Städtepartnerschaften“.

Dahinter stecken zwar Einrichtungen mit mehreren Personen, dennoch hofft Stephan weiter auf das Engagement einzelner Künstler, auch von Bernhardt: „Da steckt doch immer sehr viel Herzblut drin. Für das Jubiläumsjahr 2017 mit Samara hat er ja mit dem Fotosommer Stuttgart kooperiert, ein Partner mit viel Erfahrung mit internationalen Ausstellungen. Leider wurde dazu in Samara kein Partner gefunden. Das kann nun mal passieren.“

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