In der Galerie Andreas Henn zu sehen: Handdrucke von Gerold Jäggle Foto: Galerie Henn Foto:  

Mit dem Galerienwochenende „Art Alarm“ hat der Kunstherbst in der Metropolregion Stuttgart vielversprechend begonnen. Die „Stuttgarter Nachrichten“ geben weitere Tipps für aktuelle Ausstellungen

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Stuttgart - Die Schätze aus den keltischen Fürsten­gräbern faszinieren bis heute. Der Bild­hauer Gerold Jäggle bewundert aber weniger die Eigengestalt der kostbaren Beigaben für die ewigen Welten. Ihm geht es um das technische Verfahren, bei dem die Bronze zwischen zwei Steinplatten gegossen wird. Jäggle hat daraus ein Markenzeichen gemacht.

Doch die „Idole“, grundsätzliche Annäherung an Kultfiguren jeder Art, sind längst nicht mehr alleine. Verwandlung, zeigt eine bis zum 24. Oktober zu sehende Schau in der Galerie Henn in Stuttgart, ist für Jäggle, der im oberschwäbischen Ertingen lebt und arbeitet, eine Realität an sich. Und so kann etwa in seinen großformatigen Hand­drucken auch ein Kanal­deckel oder eine ­Bienenwabe zum ­Material werden.

„Priory Park Water Reservoir, 2012-4“ und „Biene Blüte Wabe, 2016-2“ zeigen Jäggle als einen, der Figuration konkret denkt. Von hier aus kann man sich denn auch den Figurinen neu nähern, erspürt man deren durch die ­Gusstechnik forciertes formales Eigenleben schärfer.

Dass Jäggle in der kommenden Woche den Premio Europeo Capo Circeo 2016 ent­gegennehmen kann, eine Ehrung für ­Verdienste um die europäische Integration, verdankt sich – neben seiner Lehrtätigkeit in London – zuvorderst der Großskulptur „LNN“, 2010 für das seinerzeit eröffnete Liebherr-Werk im russischen Dzerzhinsk geschaffen.

Wohl auch über diese Hommage an den Architekten Tatlin, den Maler ­Malewitsch und den Ingenieur Schuchow wird Jäggle berichten, wenn er an diesem Samstag zwischen 15 und 18 Uhr zu Gast in der Galerie Henn sein wird. (nbf)

Ines Doujak im Württembergischen Kunstverein

Iris Dressler und Hans D. Christ, Direktoren des Württembergischen Kunstvereins ­Stuttgart (Kunstgebäude am Schlossplatz), sind nicht als Liebhaber roter Teppiche oder Laufstege bekannt. Und nun das: Der ­Vierecksaal, traditionell an Verwandlungen nahezu jeder Art gewöhnt, zeigt sich als ­Modebühne.

„Zum Erobern falsch gekleidet“ ist die Schau betitelt, mit der die Österreicherin Ines Doujak, wie Iris Dressler sagt, „den Kunstverein in einen politisch unterwanderten Fashion-Store verwandeln wird“. An ­diesem Freitag um 19 Uhr wird die Schau der Documenta-Teilnehmerin eröffnet – standesgemäß mit einer Modenschau der ­besonderen Art. Als Models werden auch „zahlreiche Größen der Stuttgarter Kulturszene“ versprochen.

Auch an diesem Samstag wird der ­Kunstverein zur Aktionsbühne: Die Frage „Welches Innen formt ein Außen, und was ist der Raum dazwischen?“ bestimmt die Performance von Ines Doujak, John Barker und Ornella de ­Bakel. Zu sehen ist die Ausstelung „Not Dressed for Conquering“ bis zum 15. Januar 2017. (StN)

Ben Willikens in der Kunsthalle Weishaupt

Wie hält man ein Werk, das in sich derart konsequent erscheint wie das des Stuttgarter Malers Ben Willikens, lebendig? Als Antwort versteht sich die Schau „Ben Willikens. die Anmaßung der Räume und Orte“, die an diesem Sonntag um 11 Uhr in der Kunsthalle Weishaupt in Ulm eröffnet wird. Götz Adriani lenkt in seiner Ausstellungskonzeption den Blick ­gerade auch auf die jüngsten Werke von Willikens. (StN)

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