Stuttgart hat gute Chancen, die Automobilausstellung zu holen. Doch die Konkurrenz um die IAA ist groß. Foto: dpa/Marijan Murat

Die Messe hat der Forderung nach der Überweisung von Bitcoins nicht nachgegeben. Ihre Datenverarbeitung wird weiterhin wieder aufgebaut.

Stuttgart - Die Landesmesse auf den Fildern will in diesem Jahr einen neuen Rekord schreiben, mit 185 Millionen Euro soll erstmals ein Umsatz jenseits der 180 Millionen erzielt und ein Ergebnis von 34 Millionen erwirtschaftet werden. Davon gehen die umsatzabhängige Geländepacht und Steuern ab. Die neun Millionen Ergebnis 2019 (125 Millionen Umsatz) nannte der scheidende Messechef Ulrich Kromer am Donnerstag vor der Presse „ein gutes Ergebnis in einem schwachen Jahr“. Wegen zweijähriger Veranstaltungen gibt es auf den Fildern eine stetige Berg- und Talfahrt, die von dreijährigen Veranstaltungen wie der R+T (Rolladen und Tore) noch überlagert wird.

„Die Zahlen belegen, dass Messen eine ganz wichtige Komponente der Wirtschaft sind, trotz einer digitalen Welt“, sagte Kromer, der nach 19 Jahren Ende Januar in den Ruhestand geht. Mit der digitalen Welt hatte die Messegesellschaft am 1. September 2019 äußerst unangenehmen Kontakt. Ein Cyberangriff legte sie lahm. „Er hat uns in vielerlei Hinsicht gebeutelt, auch im Ergebnis“, so Co-Geschäftsführer Roland Bleinroth. Die Messe war nicht nur eine Woche offline. 600 Festplatten mussten getauscht, auf die Schnelle IT-Experten gefunden werden, die Datenverarbeitung werde noch immer neu aufgebaut, als Konsequenz würden mobiles Arbeiten und Homeoffice eingeschränkt, der „dezidierte Angriff“ habe alle Schutzwälle überwunden. Der Messe fehlten anschließend zum Beispiel Dateien mit den Verträgen der Aussteller auf der an diesem Samstag beginnenden CMT.

Forderung per Mail

Die Erpresser, die bis heute unbekannt sind, schicken per E-Mail eine Forderung, die in Bitcoin beglichen werden sollte. „Wir sind grundsätzlich nicht erpressbar“, sagt Kromer dazu. „Es hätte ja keine Garantie gegeben, dass die Systeme anschließend wieder laufen, der After-Sales-Service von Erpressern soll ja grottenschlecht sein“, so Bleinroth in einer Art Galgenhumor. Der Cyberangriff, um den sich das Landeskriminalamt kümmert, habe die Messe nicht nur im Vorjahr einen Millionenbetrag gekostet, auch für 2020 rechne man mit einem siebenstelligen Aufwand. „Wir sind heute noch nicht da, wo wir vor dem 1. September waren, so Bleinroth.

Bewerbung um die IAA

In 2020 bemüht sich die Messegesellschaft darum, die IAA einzuwerben, und sie will die Schritte für den Endausbau festlegen. „Wir sind am Feintuning zur Vorstellung beim Verband der Automobilindustrie“, so Kromer, „unsere Chancen sind gut“. Bis zur Jahresmitte wolle man Kosten und Ablauf des Ausbaus mit der Halle 11, kleinem Kongresszentrum, neuer Parkhäuser und Logistikflächen sowie der Werkfeuerwehr-Unterbringung festlegen. Wobei „das Parken Vorrang vor der neuen Halle hat“, so Kromer. 1500 Plätze sollen entstehen, schon durch den Bau der Halle 10 waren welche verschwunden. Stemmen soll die Messe den Ausbau (plus 15 000 Quadratmeter Ausstellungsfläche) aus eigener Finanzkraft. Dazu sind weiterhin attraktive Messen nötig. 2019 wurden die T4M (Medizintechnik) und In.Stand (Instandhaltung und Service) platziert, bei den Publikumsmessen die Dance World, Optik & Design, außerdem wurden die Herbstmessen radikal verkürzt. 2020 wird es eine Blasorchestermesse (Brawo), den Themenbereich Imkerei auf der Gartenmesse, im April eine Designmesse (Design Fest) und die Kocholympiade auf der Intergastra geben, dazu die Dach+Holz, die nur alle vier Jahr auf die Fildern zieht.

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