in der Galerie Rainer Wehr (Alexanderstraße 53, bis zum 17. Dezember,Di-Fr 14.30-18.30 Uhr). www.galerie-rainer-wehr.de Foto:  

Zeichnung oder Fotografie? Philip Loersch macht es Betrachtern schwer. Malerei oder doch Stoff beziehungsweise Papier? Auch Mona Ardeleanu spielt virtuos mit den Ebenen. Nun ist Neues von Loersch und von Ardeleanu zu sehen. Die Besuche lohnen.

Stuttgart - 250 Euro. Das wird rauskommen für Philip Loersch. Irgendwann einmal. Ein Wink mit dem Zaunpfahl prekärer Künstlerexistenz? Kaum. Loersch zegt seinen 1:1 abgezeichneten Rentenbescheid als Botschaft und Botschafter eigener Leichtigkeit. Es hilft ja nichts – der Bescheid landet im Gras (auch das sorgsam künstlerisch erstellt als natürliche Fiktion des Virtuellen), ohne dass er ganz darin landen würde. Nein, die Kunst lässt sich nicht unterkriegen.

Früh von Wehr entdeckt

Noch zu dessen Zeit an der Stuttgarter Kunstakademie hat der Galerist Rainer Wehr die Arbeiten von Philip Loersch für sich entdeckt – 2003 hatte Loersch für seine raumgreifenden Zeichnungsinstallationen mit allem Grund den Akademiepreis erhalten. Immer hat Loersch für die Ausstellungen bei Wehr seither mit Schere und Bleistift bwtiehungsweise Buntstift Denkräume entwickelt. Das gelingt dem 1980 Geborenen unter dem Titel „Noch keine Kutsche, aber bald“ auch diesmal wieder.

Die eigentliche Fragestellung der Schau ist aber nicht etwa die Kraft der Ironie für die künstlerische Existenz, sondern die Bedeutung literarischer Ebenen. Was ist Literatur? Wie wird etwas Literatur? Und lässt sich Literatur nach (Konzept-)Grundsätzen der Gegenwartskunst erstellen? Loersch lässt ein Kind Goethe-Zeilen schreiben, macht Ernst H. Gombrich über gezeichnete Anmerkungen im Inhaltsverzeichnis zur „Geschichte der Kunst“ zum Gombrich-über Gombrich-Szenario und titelt schließlich folgerichtig „Lyrik schaffen“.

Der Bleistift wird Objekt

Da kann es kaum ausbleiben, dass der Gegenstand der Tat selbst zum realen Kunstobjekt wird – „Aber Ast“ nennt Loersch einen bearbeiteten Bleistift, der als Edition (450 Euro) in einem pseudo.musealen Schmuckkasten ein eher trauriges Dasein führt und vom Galeristen zu Recht pur präsentiert wird.

Philip Loerschs Kunst macht das Machen von Kunst zum eigentlichen Thema und ­verwebt geschickt die Stationen der Präsentation von Kunst (imer auch ein Filter auf dem Weg eines Werkes in und durch die ­Öffentlichkeit) mit der Frage nach der intendierten Positionierung. Nicht immer gelingt sies so überzeugend wie in der Anverwandlung der Geburtsurkunde des Galeristen in eine Zeichnung („reiner Körper“, 2200 Euro), die ­programmatisch das aktuelle Kunstwollen Philip Loerschs spiegelt.

Ein Kunstwollen, das 2015 eine Präsentation von Loerschs Arbeiten im Dialog mit Werken von Hanne Darboven im Hamburger Poolhaus Blankenese markant ausarbeitete und das die Schau bei Rainer Wehr überzeugend hervortreten lässt. Der Anspruch? Kunst als Literatur, Literatur als Kunst erlebbar zu machen. (nbf)

Ardeleanus Premiere bei Thomas Fuchs

Stuttgart - Der Stuttgarter Galerist Rainer Wehr hat sie entdeckt, in den Kunstmarkt gebracht und sich sicher auch über erste Erfolge (etwa einem Gastspiel in der „Frischzelle“-Reihe des Kunstmuseums Stuttgart 2013) gefreut. Nun startet Mona Ardeleanu unter neuen Galerie-Fittichen, und die Entscheidung von Thomas Fuchs für die materielle Malerei Ardeleanus kann zunächst einmal überraschen.

Das unmittelbar Stoffliche

Schnell aber wird deutlich, dass Fuchs nun innerhalb des durch die Galerie konsequent aufgebauten Kanons über die Möglichkeiten von Malerei die Möglichkeiten jenes unmittelbar Stofflichen diskutiert, das sich in manch weiteren Künstlerpositionen der Galerie (zuletzt bei Patrick Angus) innerhalb eines figurativen Kontextes zeigt. Das mögliche Detail eines Interieurs bei ­Angus oder auch bei Steven Black wird formatfüllende Eigenform und misst sich im Galerieprogramm zugleich mit der stofflichen Malerei von Jochen Hein oder auch mit den nicht weniger fremd erscheinenden ­Formationen von Bertram Hasenauer.

Lässt sich Keramik falten?

Kommt Adeleanus Ölmalerei auf Leinwand mitunter fast ein wenig überglänzt daher, hat sie mit dem Arbeiten auf Keramikton ein Verfahren identifiziert, mit dem sie das feinsinnig Lapidare pflegt und zugleich die Faltung zu einer nurmehr als Behauptung fassbaren Größe macht. (nbf)

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