In der Städtischen Galerie in Bietigheim sind derzeit Werke von Simone Westerwinter (Bild) und von zwei weiteren Künstlern zu sehen. Mehr dazu in der Bildergalerie. Foto: factum/Granville

Die Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen zeigt drei höchst unterschiedliche Ausstellungen zur gleichen Zeit. Wer mag, kann am Ende sogar mit einem Hemd voller Farbkleckse nach Hause gehen.

Bietigheim-Bissingen - Auf den ersten Blick haben sie nicht viel gemeinsam: Die dynamischen Farbschlieren von Simone Westerwinter, die historisierend anmutenden, aber gleichzeitig ironisch verspielten Radierungen und Zeichnungen von Matthias Gnatzy und die düsteren Collagen von Luisa Richter. Werke dieser drei Künstler werden derzeit in der Städtischen Galerie in Bietigheim-Bissingen gezeigt.

Isabell Schenk-Weininger, die Galerieleiterin, versucht einen Bogen zu spannen: Eine Art „Best of Besigheim“ sei hier versammelt. Man wolle die drei „ganz unterschiedlichen Universen“ in den verschiedenen Gebäudeteilen der Galerie aufeinandertreffen lassen. Tatsächlich sind alle drei Künstler mit der kleinen Nachbarstadt eng verbunden. Westerwinter und Gnatzy wohnen in der Kleinstadt, Luisa Richter wurde nach ihrem Tod 2015 dort beerdigt.

Bunte Karos bei Simone Westerwinter

Den größten Raum nimmt die Ausstellung zu Westerwinters Werken ein – was allein schon aufgrund der Dimensionen ihrer großformatigen Werke einleuchtet. Gleich zu Beginn begrüßt den Besucher die vier mal vier Meter große Bodenarbeit „Picknickdecke“ – eine Mischung aus Decke und Kissen, die zum Hinlegen einlädt, was aber leider nicht erlaubt ist. So könnte man sich viel besser in die dynamischen Farbschlieren vertiefen, die auf einer sechs Meter langen Leinwand in die verschiedensten Richtungen fließen. Westerwinter hat das Bild beim Bemalen mehrmals gedreht, um diesen Effekt zu erzeugen. Am Ende ergeben sich bunte Karo-Strukturen – was in ihrem Werk häufiger auftaucht.

Die Palette der konzeptionell arbeitenden Künstlerin ist aber breiter: So finden sich auch Videos in der Ausstellung, beispielsweise, wie eine Schulklasse eine Polonaise durch die Galerie macht, und es gibt Olymp-Hemden (natürlich mit Karo-Muster) mit Farbklecksen zu kaufen.

Ironisches Bildungsbürgertum bei Matthias Gnatzy

Eine Art Kunst- und Wunderkammer hat der Besigheimer Matthias Gnatzy im ersten Stock des Altbaus eingerichtet bekommen. Dort werden die zum Teil sehr anspielungsreichen Radierungen und Materialassemblagen des ehemaligen Kunst- und Deutschlehrers gezeigt. Da lugen beispielsweise Miniatur-Büsten von Goethe und Schiller aus Zigarettenpackungen heraus. Das Schiller-Zitat zum Menschen, der nur da ganz Mensch ist, wo er spielt, ist in Vollkorn-Nudeln auf einem alten Holztisch gelegt, auf dem ein Schachspiel steht. Der Wortwitz kommt bei Gnatzy nicht zu kurz. Er zeigt auch historisch anmutende Relikte, sie sich bei näherem Betrachten als Witz herausstellen. So ist Goethes Sprudelsteinsammlung ein altes Kästchen mit Brause-Brocken darin. Manchmal lohnt es sich, bei den sehr detailliert gearbeiteten Werken ganz genau hinzusehen – Lupen gibt’s am Eingang auszuleihen.

Düstere Collagen bei Luisa Richter

Eine Auswahl von Papierarbeiten der Besigheimer Künstlerin Luisa Richter ist im obersten Stock zu sehen. Die wortwörtlich vielschichtigen Collagen und Tusche-Zeichnungen enthalten viele literarische Anspielungen. Vielfach griff sie alte Arbeiten wieder auf und variierte oder übermalte sie. Im Jahr 2006 bekam Richter, die „Wanderin zwischen den Welten“, so der Titel, eine große Retrospektive in der Städtischen Galerie in Bietigheim-Bissingen gewidmet. Richter lebte lange Zeit in Venezuela und wird in Lateinamerika zu den bedeutendsten Malerinnen gezählt.

Die Ausstellung von Simone Westerwinter „Revolution (Make-Up) Palette“ ist noch bis zum 13. Januar in der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen zu sehen. „Die vier Kammern des Herzens“ von Matthias Gnatzy gibt es bis zum 31. März zu sehen. Und die „Variationen einer Idee“ Luisa Richters sind bis 17. März 2019 zu besichtigen.

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