Der Showroom von Timo Eberspächer hat in dieser Woche noch geöffnet. Foto: /Roberto Bulgrin

Nachdem das Wäschegeschäft Mehl am Esslinger Marktplatz im Januar schloss, tut sich etwas in dem Gebäude: Es wird gewerkelt, und ein Schreiner aus Esslingen stellt vorübergehend zwei seiner Stücke aus. Wie kam es dazu – und was kommt danach?

Holz ist Timo Eberspächers Element – sein Vater war Schreiner, sein Großvater ebenfalls. Und auch Timo Eberspächer ist Schreiner. Vorübergehend hat er einen Showroom in dem ehemaligen Textilwarengeschäft Mehl in der Esslinger Altstadt eingerichtet. Bis Ende dieser Woche sind die beiden Stücke, die er dort ausstellt, zu besichtigen. Danach sollen die Umbauarbeiten, die schon in Ansätzen sichtbar sind, richtig losgehen. Denn hier, wo einst Wäsche verkauft wurde, sollen schon im November oder Dezember Cocktails gemixt werden.

 

Interieur für VW-Busse

Doch noch betreibt Timo Eberspächer dort seinen Pop-up-Store, seinen Laden auf Zeit. Vor bald 25 Jahren hat er seine Schreinerausbildung beendet, aber mit seinem Geschäft Raumforderung selbstständig ist der 47-Jährige erst seit August. Nach seiner Lehre vereinte er viele Jahre lang seine Liebe zum Beruf und das Vergnügen, auf Brettern zu stehen: Er ging nach San Francisco, wo er als Schreiner arbeitete und in seiner Freizeit sein Surfbrett durch die Wellen des Pazifischen Ozeans balancierte. Er mag Bretter jedweder Art unter den Füßen: Snowboard, Skateboard, Surfbrett.

Diese Leidenschaft meint man auch in einem seiner Ausstellungstücke zu erkennen: ein individuell gestalteter Schreibtisch mit Rundungen. Die verschiedenen Schichten hat Eberspächer gepresst wie ein Surfbrett, das von der Furnierpresse in Form gezwungen wird. Ganz anders die andere Arbeit, die sehr funktional und eckig aussieht. Es ist das Interieur für einen Kleinbus.

Sechs Jahre lang war der Esslinger in den USA. Zurück in Deutschland ging er zwei Jahre an die Fachschule für Holztechnik in Stuttgart und spezialisierte sich auf Möbel- und Innenraumgestaltung. Mit dem Meistertitel in der Tasche ging er zurück nach San Francisco, wo er das erste Mal selbstständig arbeitete. Es dauerte drei weitere Jahre, bevor er – vor allem aus privaten Gründen – endgültig in seine Heimatstadt zurückkehrte. Er war inzwischen Vater geworden – Zeit, sich niederzulassen.

Werkstatt in Esslingen-Liebersbronn

Mittlerweile ist das rund zehn Jahre her. In der Zeit arbeitete er zunächst für eine Firma, die Einzelstücke für Firmenkunden herstellte, Büromöbel im weitesten Sinne. 2015 wechselte er in eine Werkstatt, in der individuell zugeschnittene Möbel geschreinert wurden, auch antike Reproduktionen. „Hier habe ich noch viel gelernt“, sagt Eberspächer, der zu jenen Menschen gehört, die niemals aufhören zu lernen. Nun bietet er selbstständig seine Dienste an. Sein Geschäft sind die Herstellung von Einzelstücke und Reparaturen. Er arbeitet auch mit altem Holz. „Wenn jemand kommt und sagt, ,ich habe hier einen zerfallenen Schrank meiner Großeltern, an dem ich hänge. Kann man daraus noch irgendein ein Möbelstück machen?’, dann schau ich mir das an.“ Für den 47-Jährigen steckt in jedem Stück Holz eine Schönheit, und hier denkt er wie ein Bildhauer: „Man muss die Schönheit herausholen.“

Mittlerweile haben seine Frau und er drei Kinder und leben in Esslingen-Liebersbronn, wo er auch seine Werkstatt hat. In der Nachbarschaft lebt die Familie Müller, die über sehr lange Zeit das Traditionshaus Mehl betrieben hat. Als Eberspächer hörte, dass sie ihr Geschäft aufgeben wollte, fragte er an: Kann ich hier eine Weile meine Möbel ausstellen? Die Antwort ist noch bis zum 26. August in dem Pop-up-Store zu besichtigen.