Oskar Schlemmer mit Maske und Metallobjekt (ca. 1931) Foto: Staatsgalerie

Noch bis zum 6. April ist die Große Landesausstellung „Oskar Schlemmer – Visionen einer neuen Welt“ in der Staatsgalerie Stuttgart zu sehen. Mehr als 100 000 Besucher wurden bisher gezählt. Ein Zuspruch, der die Staatsgalerie bestärkt, die Schlemmer-Forschung auszubauen.

Stuttgart - Am 13. April 1943 stirbt der Maler Oskar Schlemmer. Verfemt von den National­sozialisten und sich doch völlig sicher, dass es richtig und notwendig sei, „die Kunst nicht für eine Auswahl aus der Welt zu ­halten, sondern für deren restlose Verwandlung ins Herrliche hinein“.

Mit diesem Rilke-Zitat schließen die ­Tagebucheintragungen Schlemmers am 1. April 1943. „Längst“, so schrieb Uwe M. Schneede, der langjährige Direktor der Hamburger Kunsthalle, 37 Jahre später im Jahr 1980 – anlässlich der Veröffentlichung von Karin von Maurs großer und bis heute gültiger Oskar-Schlemmer-Biografie –, „würde uns Schlemmers Kunst nicht mehr interessieren, hätte er nicht auch gegen die Abgründe in sich selbst angemalt. Es ging darum, der als schlecht empfundenen Realität metaphorisch im Bild beizukommen, sie in Rückgriff und Vorschein aufzuheben.“

Offensichtlich verfehlt die von Schneede ausgemachte Kraft des Schaffens von ­Oskar Schlemmer auch aktuell ihre Wirkung nicht. Bereits mehr als 100 000 Besucher haben die Große Landesausstellung „Oskar Schlemmer – Visionen einer neuen Welt“ in der Staatsgalerie Stuttgart gesehen. Noch bis zum 6. April ist die Schau geöffnet. Man darf also ein wenig spekulieren – auf bis zu 130 000 Besucher? In der Staatsgalerie bleibt man zurückhaltend. „Der Erfolg einer Ausstellung in einem öffentlichen Museum lässt sich nicht auf die Besucherzahl reduzieren“, hatte Staatsgaleriedirektorin Christiane Lange schon bei ihrem Amtsantritt betont.

Wichtig aber ist dieser Erfolg gleichwohl – für die Diskussion, wie man in der Staatsgalerie Stuttgart künftig die Schlemmer-Forschung positioniert. „Die Staatsgalerie Stuttgart“, betont Museumschefin Lange auf Anfrage, „baut seit Jahrzehnten gezielt den Bestand an ­Werken von Oskar Schlemmer auf. Die große Anerkennung, die unsere Ausstellung erfährt, bestätigt unsere Museumsarbeit.“ Und weiter: „Durch unser Sammeln, Forschen, Bewahren und Vermitteln können wir nun die Bedeutung des Künstlers Oskar Schlemmer angemessen würdigen.“

Als entscheidende Weichenstellung bis hin zur Realisierung der seit 30 Jahren umfassendsten Schlemmer-Werkschau weltweit sieht Staatsgaleriedirektorin Christiane Lange „Tut Schlemmers große Zukunftstat“.

Und Lange führt aus: „Die weitsichtige Schenkung von Oskar Schlemmers Witwe Tut Schlemmer, die bereits 1969 seinen Nachlass der Staatsgalerie Stuttgart überließ, ist nun die Grundlage weiterer Forschungsarbeit. Dank der Sondermittel des Landes Baden-Württemberg wird in den nächsten Jahren das Archiv ­Oskar Schlemmer weiter aufgearbeitet und die Erforschung seines Werkes vertieft.“

Das Archiv sichert der Staatsgalerie Stuttgart in der nun bereits international wieder spürbaren Schlemmer-Euphorie einen Forschungsvorsprung. Den will man nun offensichtlich nutzen.

Und auch auf die aktuelle Nachfrage reagiert die Staatsgalerie: Das Museum wird nun auch an Karfreitag (3. April) geöffnet – von 10 bis 18 Uhr. Auch an diesem Tag gibt es um 15 und 16 Uhr Führungen durch die Schlemmer-Schau.

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