Der Konzeptkünstler Jan-Hendrik Pelz zeigt im Kunstraum Zumhof die wiederentdeckten Werke seines Urgroßvaters Jan Hendrik Pelz. Er hat bei der Recherche auch überraschende Ähnlichkeiten mit ihm entdeckt.
Rudersberg - Es war einmal – ein junger Künstler, der in der hintersten Ecke des elterlichen Dachbodens einen wahren Schatz fand. In Jutesäcken und unter Koffern verborgen lagerten Hundert Gemälde seines Urgroßvaters Jan Hendrik Pelz, dessen künstlerisches Schaffen man nach einem großen Atelierbrand verloren wähnte.
Zu wundersamer Fake-Fund?
Der junge Künstler heißt bis auf einen Bindestrich gleich, nämlich Jan-Hendrik Pelz. Auch sonst gibt es spannende Parallelen. Der eine Pelz wurde 1884 geboren, der andere 1984. Beide haben an der gleichen Kunstakademie in Stuttgart studiert, und auch rein äußerlich ist eine gewisse Ähnlichkeit festzustellen. Von Freitag an zeigt Jan-Hendrik Pelz alle 2014 wiederentdeckten Werke seine Urgroßvaters Jan Hendrik Pelz im Kunstraum Zumhof. „Das war ein wichtiger Ort für ihn“, erzählt der 37-Jährige. Denn in dem kleinen Rudersberger Teilort habe sein Vorfahre die letzten 26 Jahre seines Lebens verbracht. Auf dem Bauernhof züchtete er Schweine, und weil es sein letzter Wunsch war, wurde er sogar im dortigen Garten bestattet. Davon zeugt ein Grabstein.
Eine Geschichte wie aus dem Märchenbuch. Zu wundersam und zauberhaft? „Die Diskussion, was wahr ist und was nicht, die ist normal bei einem solchen Fund“, sagt Jan-Hendrik Pelz, der Konzeptkünstler ist und erzählt, dass seine eigene Kunst spielerisch sein darf und experimentierfreudig. Fake oder nicht? Den Betrachtern ist es selbst überlassen, wie weit sie sich auf die Geschichte und Kunst des Urgroßvaters einlassen, die Jan-Hendrik Pelz sichtbar macht.
Fotos und ein Tagebuch erzählen vom Leben des Urgroßvaters
Denn es gibt beileibe nicht nur die Kunstwerke. Es gibt Fotos vom Urgroßvater als Soldat im Ersten Weltkrieg oder mit Otto Dix. Es gibt ein 200 Seiten starkes Tagebuch, es gibt die Einschreibung in die Kunstakademie. Jan-Hendrik Pelz hat die Werke des Urgroßvaters in Friedrichshafen und Kempten präsentiert, nun sind sie bis zum 9. Oktober im Kunstraum Zumhof zu sehen. „Oft bekommt die Geschichte des Funds mehr Aufmerksamkeit als die Malerei.“
Dabei sind sie mehr als eine Randbemerkung wert, dokumentieren sie doch historische und kunsthistorische Entwicklungen. „Das ist total spannend, ein Blick in eine andere Welt“, sagt Jan-Hendrik Pelz. Er habe sich immer wieder gefragt, wie es wohl gewesen wäre, Hundert Jahre früher geboren worden zu sein. Zwei Weltkriege hat der Urgroßvater erlebt. Die Selbstbildnisse zeigen Jan Hendrik Pelz als Soldaten, „man sieht sein Entsetzen im Gesicht“, erzählt der Urenkel.
Sind die Bilder zunächst detailgetreu, werden sie im Laufe der Jahrzehnte immer abstrakter. Formen und Farben verschwimmen. Am Schluss wendet sich Jan Hendrik Pelz vom Kunstbetrieb ab und konzentriert sich auf die Schweinezucht. „Er hat sich abgekapselt, war sehr verbittert. Ich hoffe, dass ich so nicht werde“, sagt Jan-Hendrik Pelz.
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Die Ausstellung wird am 17. September um 20 Uhr eröffnet. Wer teilnehmen möchte, sollte sich für diese und alle anderen Veranstaltungen des Kunstfestivals über info@kunstraum-zumhof.de anmelden. Zudem gilt die 3G-Regel. Auch beim nunmehr 7. Zumhofer Festival gibt es nicht nur Kunst, sondern auch Musik. Die Bandbreite reicht von französischen Chansons über Indiemusik bis zu Harfenmusik mit Teresa Emilia Raff. Mehr Information im Internet unter www.kunstraum-zumhof.de .