Das überdimensionales Gehirn-Modell im Hauptbahnhof Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Ein riesiges Kunststoffgehirn hat am Mittwoch das Interesse von Passanten in der Halle des Stuttgarter Hauptbahnhofs geweckt. Das Modell war Teil einer Infoveranstaltung zum Multiple-Sklerose-Tag.

Stuttgart - Es soll Brücken bauen, das große Kunststoffgehirn, das am Mittwoch in der Halle des Stuttgarter Hauptbahnhofs aufgebaut ist. Anlässlich des Welt-Multiple-Sklerose-Tags hat der Landesverband Multiple Sklerose Erkrankter Amsel über die Krankheit aufgeklärt. 1000 Menschen in der Landeshauptstadt leiden an Multiple Sklerose (MS), die sich auf das ganze zentrale Nervensystem auswirkt. „MS ist die Krankheit mit den 1000 Gesichtern“, sagt Götz Zipser, Geschäftsführer des Amsel-Landesverbands in Baden-Württemberg. Ihm ist wichtig, die Öffentlichkeit dafür zu sensibilisieren, dass es sich dabei nicht nur um Muskelschwund handelt. Seh-, Schluck- oder Schlafstörungen, Depressionen, Sprech-, Atem- und Schluckstörungen können zum Krankheitsbild gehören.

Das weiß auch Susanne Leinberger. Die 41-Jährige leidet seit 20 Jahren an der Krankheit und ist das Gesicht der Bundeskampagne zum Welt-MS-Tag. „Ich habe gelernt, selbstbestimmt damit zu leben“, sagt die Frau aus dem Landkreis Göppingen, die längere Strecken nur mit dem Rollstuhl zurücklegen kann und anderen Mut machen will. Sie hat beispielsweise viel Freude mit einem speziell für Gehbehinderte angefertigten Dreirad.

Besonders betroffene Jugendliche und junge Erwachsene schotten sich ab

Besonders junge Menschen mit MS, sagt Zipser, würden schwer von den Verbänden erreicht. Auch wenn in Stuttgart etwa die Hälfte der MS-Erkrankten in der Selbsthilfeorganisation Amsel Mitglied sei, schotteten sich gerade Jugendliche und junge Erwachsene mit dem Krankheitsbild ab. „Besonders hart trifft es die meisten, wenn es um Familienplanung geht, die durch MS erschwert werden kann“, sagt er.

Ihnen will er Mut machen, die Hürden zu meistern. Darum ist neben der Infoveranstaltung am Hauptbahnhof auch das Internet eine wichtige Möglichkeit, mit Betroffenen zu kommunizieren. „Wir hoffen, jungen Menschen in sozialen Netzwerken Hilfestellung geben zu können“, sagt Zipser. Die Amsel will ihr Digitalangebot in den kommenden Jahren weiter ausbauen.

Bundesweit leiden etwa 200 000 Menschen an MS. Deutschland gilt als Vorreiterland im gesellschaftlichen Umgang mit der Krankheit – in anderen Ländern ist Multiple Sklerose weitestgehend unbekannt, entsprechend fragwürdig fällt die Behandlung der Symptome oft aus. „Wir hoffen, mit unserer Aufklärungsaktion auch über die Landesgrenzen hinweg Signalwirkung zu erzielen“, sagt Zisper. Damit mehr Menschen ein glückliches Leben wie Leinbach führen können – trotz MS.

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