Kuratorin Susanne Schnelzer in der Leseecke der Ausstellung (links). Deutsche Touristen auf österreichischen Bergen – Karikatur Haderer, „Großglockner“ von 1993, zu sehen in der der Ausstellung „Die Lieben Nachbarn“. Foto: Gottfried Stoppel

Die Galerie Stihl Waiblingen wagt in der aktuellen Ausstellung einen satirischen Blick auf das Verhältnis zwischen Deutschland und Österreich – also auf „Ösis“ und „Piefkes“.

Man muss wohl schon der etwas älteren Generation angehören, um die legendäre „Piefke-Saga“ noch selbst vor dem Fernseher mitverfolgt zu haben. Die drei Fernsehfilme aus dem Jahr 1990 und ein Nachdreher 1993 nach einem Drehbuch des Dramatikers Felix Mitterer boten einen satirischen Blick der Österreicher auf die Deutschen und ihre merkwürdigen Eigenheiten.

 

An diese TV-Saga über die „Piefkes“ erinnert fühlt man sich auch beim Besuch der neuen Ausstellung „Die lieben Nachbarn! Deutschland und Österreich“ in der Galerie Stihl am Remsufer in Waiblingen (Rems-Murr-Kreis). Die Präsentation beleuchtet die außergewöhnliche Beziehung der beiden Länder nicht aus filmischer, sondern aus karikaturistischer Perspektive und stellt den besonderen Blick zweier Nachbarländer aufeinander humorvoll in den Mittelpunkt.

Großer Publikumsandrang wäre nicht überraschend

Die Prognose sei gewagt: Die Exponate sind einerseits mit so viel hintersinnigem Humor gespickt und andererseits, im Gegensatz zu so manchen der vielen Ausstellungen in näherer und weiterer Umgebung, recht schnell erschließbar, sodass ein großes Interesse zu erwarten ist.

Die Ausstellung in Waiblingen stellt eine erneute Kooperation mit dem Wilhelm-Busch-Museum für Karikatur und Zeichenkunst in Hannover dar – „unsere bewährten Partner“, wie die Waiblinger Galerieleiterin Anja Gerdemann beim Presserundgang erläutert. Aus der niedersächsischen Landeshauptstadt stammen die meisten der rund 200 Werke, erstellt von 40 renommierten Künstlerinnen und Künstlern – eben aus Deutschland und aus Österreich.

Ein Blick in die aktuelle Ausstellung. Foto: Gottfried Stoppel

Sie widmen sich pointiert, ironisch wie selbstironisch, dem Verhältnis der beiden Länder – mit dem treffsicheren Blick des Karikaturisten und der idealen Kombination der kleinen Zitate und der entlarvenden Zeichnungen: „Ösis gegen Piefkes“, oder vielleicht besser „Ösis und Piefkes – ein ambivalentes Verhältnis“.

Die Auswahl der Exponate legt den Fokus auf Karikaturen aus den vergangenen 15 Jahren. Die Arbeiten zeigen, wie es auch die Waiblinger Kuratorin Susanna Schnelzer umschreibt, „auf charmante wie kritische Weise, wie nah sich die Nachbarn stehen und wie fern sie sich manchmal doch sind“. Es geht um Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Länder, deren gemeinsame Grenze erstaunliche 818 Kilometer lang ist und die nicht nur in der Einwohnerzahl (84,7 Millionen zu 9,2 Millionen Bürgerinnen und Bürger) ziemlich divergieren.

Unter den Karikaturisten sind etliche, die schon länger ein großes Renommee genießen – zum Beispiel Manfred Deix, Peter Gaymann, Ruth Hebler, Erich Sokol oder Gerhard Haderer. Aufgeteilt ist die Ausstellung in der Galerie Stihl, wie Schnelzer erläutert, in sieben Schwerpunkte: Diese tragen treffende Titel wie „Hallo der Servus?“ zum Thema Sprache, „Zugspitze oder Großglockner“ über den deutschen Tourismus in Österreich oder „Frankfurter oder Wiener Würstel“, in dem es um die divergierenden Essgewohnheiten geht.

Kuratorin Susanna Schnelzer in der Leseecke der Ausstellung, die mit Blick auf den deutschen Tourismus in Österreich in einer Campingplatz-Anmutung gestaltet wurde. Foto: her

„Beethoven oder Mozart“ wiederum präsentiert Karikaturen von Prominenten, die in beiden Ländern groß herausgekommen sind – etwa Boris Becker, Thomas Gottschalk, Niki Lauda (porträtiert noch in der Zeit vor seinem schrecklichen Formel-1-Unfall auf dem Nürburgring) oder Heino.

Es geht um Sprache und Kultur, um Alltagsleben und Politik – etwa eine österreichische Karikatur zu den eigenen Verhältnissen, auf der vor einer Bundestagswahl nur noch Abbiegemöglichkeiten nach Rechts eingezeichnet sind. Ähnlichkeiten zu Deutschland? Erkennbar!

Und natürlich thematisieren gerade die Karikaturisten aus dem südöstlichen Nachbarland auch die Sportduelle – etwa die legendären Fußball-Länderspiele bei Weltmeisterschaften, bei denen die deutschen Elite-Kicker nicht bloß einmal von den „Ösi-Kickern“ an die Wand gespielt wurden.

Die großformatigen Werke in der Ausstellung entfalten im Übrigen noch eine deutlich größere Wirkung, da deren zeichnerische Qualität hier deutlich erkennbarer ist als auf dem begrenzten Raum in der Tagespresse.

„Der Unterschied ist die gemeinsame Sprache“

Wie üblich, gibt es auch zu dieser Ausstellung in der Stihl-Galerie ein maßgeschneidertes Begleitprogramm. Dazu gehört etwa ein Künstlertalk von Susanna Schnelzer mit dem Cartoonisten Michi Brezel (17. April), es gibt Konzerte mit Beats und Poesie oder mit „Avantgarde-Pop aus den Abgründen der Gegenwart“.

Es gibt diverse Workshops, und bei einem Comedyabend am 21. März ist der Kunstcomedien Jakob Schwerdtfeger am 21. März mit seinem Programm „Meisterwerk“ zu Gast. Und die Direktorin des Busch-Museums, Eva Jandl-Jörg, stellt ihren Vortrag am 23. April unter das vom Schauspieler Karl Farkas ersonnene skurrile Motto: „Der Österreicher unterscheidet sich vom Deutschen durch die gemeinsame Sprache.“

Bis 17. Mai in der Galerie Stihl

Vernissage
Die Ausstellung „Die lieben Nachbarn! Deutschland und Österreich“, wird am Freitag, 20. Februar, um 19 Uhr eröffnet. Der Eintritt ist frei. Die Galerie Stihl Waiblingen befindet sich direkt an der Rems, Adresse: Eva Mayr-Stihl-Platz 3. die Begrüßung der Gäste übernimmt der Waiblinger Oberbürgermeister Sebastian Wolf.

Öffnungszeiten
Die Präsentation der Karikaturen ist vom 21. Februar bis 17. Mai 2026 zu sehen – Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr, Donnerstag bis 20 Uhr.