Ausstellung in Stuttgart-Mitte Von Brutalos und Sensibelchen

Von Cedric Rehman 

Klaus Bushoff, zweiter Vorsitzender des Vereins Inter Art, und der Künstler Günter  Guben (rechts) betrachten  in der Galerie an der Rosenstraße den Hundekopf, den die Künstlerin  Evelyn Schmidt gemalt hat. Foto: Cedric Rehman
Klaus Bushoff, zweiter Vorsitzender des Vereins Inter Art, und der Künstler Günter Guben (rechts) betrachten in der Galerie an der Rosenstraße den Hundekopf, den die Künstlerin Evelyn Schmidt gemalt hat. Foto: Cedric Rehman

In der Galeria Inter Art an der Rosenstraße stellen 58 Künstler Werke aus. Sie alle beschäftigen sich mit dem, was wir auf den Schultern tragen: den Kopf.

Stuttgart-Mitte - Hund isst Hund, Frosch isst Frosch, steht auf dem Bild von Stefan Tümpel. Auf einem roten Hintergrund ist ein Tier zu erkennen, dass der Form nach auch ein aufgeweichtes Baguette sein könnte. Den rasiermesserscharfen Zähnen nach ist es allerdings ohne Zweifel ein ziemlich bissiges Exemplar Hund. Professor Klaus Bushoff, zweiter Vorsitzender des Vereins Inter Art, kommentiert Tümpels Bild mit einer wohl allgemeingültigen Weisheit: „Es gibt eben immer die Brutalos und die Sensibelchen“, sagt er. Warum sollte das bei der Kunst auch anders sein?

Professor Bushoff führt durch den hinteren Ausstellungsraum der Galerie Inter Art an der Rosenstraße. Er hat Kunst an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg gelehrt. Am heutigen Freitag, 9. März, können Besucher sich anschauen, was 58 Künstler zum vorgegebenen Thema: „Der Kopf als pars pro toto“ eingefallen ist. In jedem Jahr gebe es in der Galerie Inter Art eine thematische Ausstellung, berichtet der Professor. An ihr könnten sowohl Künstler teilnehmen, die Mitglied im Verein sind, als auch Gastkünstler. Bei rund einem Drittel der Künstler, die sich 2018 an der Ausstellung beteiligen, handelt es sich um Gastkünstler.

Künstler sollen sich freischwimmen

Nun erklärt der Kunstprofessor in deutlichen Worten, worin der Sinn besteht, bei Ausstellungen auch einmal ein Thema vorzugeben. „Sobald Künstler ihren Stil gefunden haben, reproduzieren sie ihn. Und machen ihn zum Markenartikel“, sagt Bushoff. Er schiebt den zweiten Satz so hinterher, dass er nicht als Vorwurf zu verstehen sei. Künstler müssten eben auch von etwas leben, sagt der Kunstprofessor.

Die thematischen Ausstellungen in der Galerie Inter Art sollen den teilnehmenden Künstlern also ermöglichen, aus eingefahren Mustern auszubrechen. „Mal wieder mitdenken“, beschreibt Professor Bushoff den angestrebten Denkprozess. Warum das Motto in diesem Jahr auf den Kopf fällt und im vergangenen Jahr auf den Omnibus, bleibt allerdings ein Mysterium, das innerhalb des künsterischen Beirats des Vereins verortet ist. Professor Bushoff erklärt, dass es dem lateinischen Stilmittel entsprechend um den Kopf als Symbol für das Ganze gehe. „Der Kopf zeigt doch das ganze Leben oder auch die Haltung von Menschen zur Gesellschaft, wenn ich bloß an die Frisuren denke“, sagt der zweite Vorsitzende des Vereins.

Der Hundeblick fesselt Betrachter

Der Beitrag einer Künstlerin, deren Kunstwerk der Professor eher zu den Sensibelchen zählt, steht momentan noch prominent und wuchtig an die Wand gelehnt im Ausstellungsraum. Evelyn Schmidt habe den Kopf des Familienhundes gemalt, der sie durch ihre Kindheit begleitet habe, erzählt er. Das Haupt des Tieres wird dominiert von Augen, die nachgerade prototypisch zeigen, was gemeinhin Hundeblick genannt wird. Hinter dem Bild stecke eine ganz persönliche Geschichte, meint Professor Bushoff.

Der Künstler Günter Guben betritt den Raum. Er wird heute Abend die Ausstellung mit einer Rede eröffnen. Er bleibt vor dem riesigen Hundeblick stehen und betrachtet das Bild seiner Kollegin.

Seine eigenen Bilder sind vom Format her etwas kleiner als das Werk Schmidts. Eines heißt „Brett vor dem Kopf“. Ein Betrachter will darin eine Ähnlichkeit erkennen zu jener Zeichnung Sigmund Freuds, in der eine nackte Frau verarbeitet ist. Guben lacht und meint: „Natürlich kennen wir alle unseren Freud“. Vielleicht freut sich der Künstler, dass nicht nur ihm bei der Produktion der Kunstwerke, sondern auch dem Publikum beim Betrachten der Rekurs auf Altbekanntes nicht viel weiterhelfen wird.

Ansprechpartner
Martin Haar
s-mitte@stz.zgs.de

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