Die Feuerbacher Zeichenknechte Hans Ginter, Fritz Arnold, Peter Lorenz und Heike Rambow (v.l.) zeigen ihre Arbeiten im Gustav-Siegle-Haus. Foto: Susanne Müller-Baji

Künstler und Mitarbeiter des Grafik-Designers Anton Stankowski reflektieren dessen Einfluss auf ihr Werk. Ihre Arbeiten sind im Gustav-Siegle-Haus zu sehen.

S-Mitte - Anton Stankowski (1906 – 1998) gilt als einer der wegbereitenden Grafik-Designer und Künstler des 20. Jahrhunderts. Nun haben sich vier ehemalige Mitarbeiter seines Ateliers, vom Meister gerne als seine „Zeichenknechte“ bezeichnet, zusammengetan: Die beiden Feuerbacher Hans Ginter und Fritz Arnold sowie der Korntaler Peter Lorenz und die in Tübingen ansässige Heike Rambow stellen von Dienstag an beim Stuttgarter „Kunst-Bezirk“ im Gustav-Siegle-Haus aus. Der Rundgang wird dabei zur Entdeckungsreise in Sachen konkrete Kunst und zur Spurensuche: In wie weit haben sich die Zeichenknechte emanzipiert und wo ist längst eine neue, eigene Meisterschaft zu entdecken?

Meister oder Zeichenknechte? Zum Vergleich sind in der neuen Ausstellung auch Blätter aus Stankowskis „Signetmappe“ zu sehen sowie die Arbeit „Diagonalitäten“, doch es zeigt sich schnell: Während die von „Stanko“ in seinem Killesberger Atelier mitgeprägte konkrete Kunst das ästhetische Spiel von Form und Farbe feiert, haben seine Mitarbeiter durchaus ihren eigenen Weg beschritten und lassen es in dieser bisweilen als kühl und unzugänglich gescholtenen Kunstform spürbar menscheln. Bei Heike Rambow ist die strenge grafische Umsetzung geblieben, inhaltlich kommen die wie in Comic-Strips dreigeteilten Arbeiten mit einem Augenzwinkern daher. Ein einzelner Farbpunkt wird zum Wanderer in der Masse der schwarzen Punkte; es bleibt dem Betrachter überlassen, ob er darin das alltägliche Drängeln an der Supermarkt-Kasse, den Karrieristen auf der Überholspur oder Menschen auf der Flucht sieht.

Fritz Arnold zeichnet frei und zeitkritisch

Bewegt gibt sich die konkrete Kunst auch beim Feuerbacher Künstler Hans Ginter: An die Stelle der strengen Ausrichtung ist hier ein befreites Spiel der Bildelemente getreten: Quadrate schweben scheinbar, Quader werfen bunte Schatten und dreidimensionale Stelengruppen schrauben sich losgelöst in den Himmel. Schön gelöst im Gustav-Siegle-Haus: Seine Plastik „Gelb auf Spitze“ korrespondiert mit dem unbetitelten und ebenfalls in Gelb und Schwarz gehaltenen Gemälde von Peter Lorenz. Auch wenn in ihm vieles an Stankowskis Liebe zur streng grafischen Unterteilung erinnert: Lorenz verbindet die makellose Farbflächen mit dem expressiven Duktus einer asiatischen Kalligrafie, und bricht sie auch in seinen anderen Arbeiten immer wieder mit Schlieren, Lasuren und Spritzern.

Und dann ist da noch der Fritz Arnold, der sich selbst auch als „Ausreißer“ unter den Zeichenknechten bezeichnet: Er zeichnet frei und zeitkritisch. In einem seiner Objekte zieht er gar eine ironische Parallele zwischen dem menschlichen Verstand und dem Wurmfortsatz des Darms. Weit her geholt? Ganz und gar nicht.

Und für zwei neue Objektkästen mussten gar zwei chinesische Winkekatzen daran glauben, die er im Namen der Kunst zerlegte: Nun zeigt der Computerfreak ein siegessicheres V wie Victory. Der Tod daneben muss freilich nur einen knochigen Finger heben und bleibt am Schluss doch immer der Sieger.

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