Es lohnt sich, genau hinzusehen. Noch bis Ende des Monats sind die Werke der Künstlerin an der Klinglerstraße 7 ausgestellt. Foto: Susanne Müller-Baji

Susanne Krüger-Eisenblätter stellt im Foyer und im Sitzungssaal des Bezirksrathauses Botnang aus.

Stuttgart-Botnang - „Eigentlich“ ist das Wort, das im Zusammenhang mit der neuen Ausstellung auffallend oft Verwendung findet. Eigentlich hätte die Werkschau im Frühjahr und mit einer richtigen Vernissage stattfinden sollen. Wegen Corona kam alles anders. Jetzt hängt das Grußwort der Bezirksvorsteherin Mina Smakaj zum Selberlesen an der Wand; eröffnet wurde im ganz kleinen Kreis. Und die Exponate sind eigentlich auch ganz anders, als es auf den ersten Blick den Anschein hat.

Denn sie kombinieren auf sehr individuelle Weise Papierschnitt und Druckgrafik, erwecken aber nicht den Eindruck von einer Collage. Gemalte Elemente tauchen auch auf, aber meist nur, um mit einer Schicht Seidenpapier wieder zugedeckt zu werden, bis gerade ein Hauch von Struktur zurückbleibt. Die Arbeiten von Susanne Krüger-Eisenblätter sind voller versteckter Bilder und zarter Nuancen.

Nun rudern Kinder in einem Boot wie in einer Fotografie von anno dazumal – nur, dass Farbgebung und Flächigkeit an einen Linolschnitt denken lassen. Tatsächlich handelt es sich um einen Papierschnitt, abgestuft vom hellen Untergrund bis zur dunklen, vordersten Schicht. „Das ist tatsächlich wie beim Linolschnitt, beim Prinzip der verlorenen Form“, erläutert die in Botnang ansässige und an der Stuttgarter Kunstakademie ausgebildete Künstlerin. Aus der ersten Papierschicht schneidet man heraus, was vom Untergrund zu sehen sein soll. Aus der Schicht darüber, was von Hintergrund und der ersten Schicht sichtbar bleibt und so weiter.

Die Werkschau ist bis zum 31. Oktober zu sehen

Es lohnt sich, genau hinzusehen. Die Haare im Porträt der Schauspielerin Jane Birkin? Gras, geschnitten aus einem Plakat. Der Baum vor dem Eckensee? Aus einem Geschenkpapier mit historischen Naturillustrationen. Einen inhaltlichen Zusammenhang zwischen Aufdruck und Verwendung im Bildmotiv gibt es übrigens nicht, betont die Künstlerin: „Ich habe eine Vorstellung, und dann suche ich mir das entsprechende Papier.“ Ob das ein Kunstdruck ist oder ein Plattencover, spiele keine Rolle; das Motiv darauf wird rein abstrakt eingesetzt.

Es ist spannend, mal an einer Arbeit nachzuvollziehen, wie sie aufgebaut ist. Meistens ist das komplizierter als gedacht. Aber eigentlich – und hier kommt das entscheidende „Eigentlich“ – mag Krüger-Eisenblätter gar nicht so detailliert auf ihre Technik eingehen oder auf die Frage, wie lange sie an den sehr aufwendigen Blättern arbeitet. „Mir macht das einfach Spaß.“

Und genauso soll der Betrachter seine Freude haben am Wiedersehen mit Greta Thunberg, den Frauen am Bauhaus und den Beatles. Und die Weltumsegelung im Ballon beweist, dass die Erde rund ist. Eigentlich. Denn die Welt der Susanne Krüger-Eisenblätter ist flach und schichtet sich aus vielen Lagen Papier.

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