Auch der Maler Vincent van Gogh ist zur 7,5 Zentimeter kleinen Playmobil-Figur geschrumpft. Foto: Gottfried Stoppel

In Remshalden-Buoch ist die bunte Welt von Playmobil zu bestaunen. Eine Ausstellung im Museum im Hirsch zeigt die Entwicklung der Kultfiguren von den allerersten Exemplaren bis heute.

Friedrich der Große, der Weihnachtsmann, Rotkäppchen und der Maler Vincent van Gogh haben etwas gemeinsam: Alle hat der Spielwarenhersteller Playmobil auf die Einheitsgröße 7,5 Zentimeter geschrumpft und tausendfach verkauft. Die Ausstellung „Kleine Playmobilwelten“ in Remshalden-Buoch (Rems-Murr-Kreis) zeigt bis zum 13. September an Beispielen, wie sich diese Welt verändert hat und erklärt, wieso die Figuren überhaupt entstanden ist.

 

Gleich am Eingang des Museum Hirsch fährt der passionierte Sammler Roland Birkle aus Althütte Promis aus aller Herren Länder auf: griechische Götter, preußischer Adel, Fußballer, das Schwarzwaldmädel Marie mit Bollenhut, die Star-Trek-Mannschaft, ein Schlossgespenst und berühmte Maler stehen hier einträchtig nebeneinander – oder in der Schlange vor einer blauen Mobiltoilette. Kopf, Perücke, Arme, der Rumpf mit Innenteil und zwei Beine – für jede Figur braucht es sieben Einzelteile. Playmobil-Menschen sind industrielle Massenware.

Die Idee für diese kleinen Spielfiguren aus dem Stoff Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymerisat (ABS) hatte ihr Erfinder, der Entwickler Hans Beck, schon 1970. Zunächst sei der Vorschlag aber in der Schublade gelandet, erzählt Roland Birkle. Denn Becks Arbeitgeber, die Firma Geobra, verdiente ihr Geld zu dieser Zeit mit Hula-Hoop-Reifen, Kindermöbeln und anderen großformatigen Kunststoffartikeln. Die Ölkrise 1973 verteuerte Kunststoff erheblich – und machte die von Beck entwickelten kleinen „Klickies“ für den Firmeninhaber Horst Brandstätter zu einer Alternative.

Eine ganze Etage in der Ausstellung widmet sich dem Wilden Westen. Foto: Gottfried Stoppel

Mit drei Figurenserien – Bauarbeitern, Rittern und indigenen Figuren – ging die Firma 1974 an den Start und landete umgehend einen großen Erfolg. In der Ausstellung sind diese Urväter der Playmobilwelt zu sehen – Frauen gab es zunächst nämlich keine. Die ersten weiblichen Figuren tauchten 1976 auf und unterschieden sich allein durch ihre Langhaar-Perücken von den männlichen. Mehr weibliche Attribute kamen erst Ende der 1980er Jahre ins Spiel.

Beim Rundgang durchs Museum des Heimatvereins Buoch zeigt sich, dass es fast jeder Lebensbereich in die Playmobil-Welt geschafft hat: Ob Polizeiwache, Bauernhof, Vespa-Werkstatt, mittelalterliche Burg samt Drachen oder Raumstation, ob Zirkus, Bahnhof oder Baustelle – alles baute man im Werk in Dietenhofen im Kleinformat nach. Eine ganze Etage nimmt der Wilde Westen ein, vom Dorf mit Saloon, Sheriffposten und der obligatorischen Postkutsche über ein Fort, eine Goldmine und ein Dorf mit den Tipis der Ureinwohner ist alles vorhanden. Einige Schritte weiter dampft eine Playmobil-Bahn durchs Märchenland, vorbei an Märchenhelden wie dem Froschkönig, Rapunzel oder dem Rattenfänger von Hameln.

Playmobil schließt deutsches Werk: Kinder spielen immer kürzer

Kassetten, Puzzles, Sammelbilder und Aufkleber zeigen Kreativität bei der Vermarktung. Dennoch geht es der Firma Playmobil nicht gut: Anfang Februar hat der Spielwarenhersteller angekündigt, er werde sein letztes deutsches Werk aus Kostengründen schließen und die Produktion in Werke nach Malta und Tschechien verlegen. Der Zeitabschnitt, in dem Kinder spielten, schrumpfe ständig, sagt Roland Birkle: „Früher hat vielleicht noch ein 14-Jähriger mit Playmobil gespielt, heute tun das oft Zehnjährige schon nicht mehr.“

Der Absatzmarkt für das auf Kinder ausgelegte Spielzeug wird kleiner. Die Firma Lego hingegen konzentriert sich verstärkt auf eine erwachsene Kundschaft, die auch hochpreisige Produkte kauft. Bis zu tausend Euro legten Sammler für eine Packung hin, sagt Roland Birkle, der früher auch Lego sammelte, inzwischen aber auf Playmobil setzt: „Die Sachen bekommt man auf dem Flohmarkt für einen Appel und ein Ei.“

Kleine Playmobilwelten

Ausstellung
Die bunte Playmobil-Welt ist bis zum 13. September in Remshalden-Buoch zu sehen. Der Eintritt kostet zwei Euro für Erwachsene. Geöffnet ist samstags von 14 bis 16 Uhr, sonntags von 10 bis 12 und von 14 bis 16 Uhr. Für Gruppen gibt es weitere Termine, Anfragen per E-Mail an cw@fezers.de.

Eröffnung
Die Ausstellung eröffnet an diesem Freitag, 17. April, um 19 Uhr im Museum im Hirsch, Eduard-Hiller-Straße 6.