Ausstellung in Plieningen Originelle Skulpturen in originaler Umgebung

Von Sabine Schwieder 

„Sphinx von Göppingen“ hat Markus Wolf seine Skulptur genannt, die aus einem großen Pappelstück entstanden ist. Foto: Sabine Schwieder
„Sphinx von Göppingen“ hat Markus Wolf seine Skulptur genannt, die aus einem großen Pappelstück entstanden ist. Foto: Sabine Schwieder

Die Holz- und Steinarbeiten und abstrakten Gemälde von Markus Wolf aus Plieningen erzählen immer auch die Geschichte ihrer Entstehung. Am Wochenende stellt der Bildhauer und Maler in der Werkstatt der Schreinerei Rück aus.

Plieningen - Er sei ein Freigeist, sagt der Plieninger Künstler Markus Wolf von sich. Der Bildhauer und Maler hat keine Schule durchlaufen wie andere, doch als gelernter Steinmetz hat er immer mit natürlichem Material gearbeitet. Seine Skulpturen aus Stein oder Holz sind in keine Schubladen einzuordnen, doch sie alle verbindet die Vorliebe für die Natur. Wolf bearbeitet Baumstämme aus dem Stadtwald von Göppingen ebenso wie Fundstücke aus der Alpenregion und vom Bodensee, denen ihre Vergangenheit auch als Kunststücke noch anzumerken ist. Am kommenden Wochenende zeigt er in der Werkstatt von Horst Rück Arbeiten der vergangenen Jahre.

Die Schreinerwerkstatt Rück ist in einem Gebäude aus der Zeit der industriellen Revolution untergebracht, das nur wenig Veränderung erfahren hat. „Der alte Boden, der Zaun, die Randsteine aus Cannstatter Travertin, das alles ist mir sofort aufgefallen“, schwärmt Markus Wolf, der seit 1996 in seiner benachbarten Meisterwerkstatt für Grabmal, Naturstein und Skulptur arbeitet. Das um 1870 entstandene Gebäudeensemble an der Bernhauser Straße nennt er eine „lebende Präsentations-Antiquität“, die mit ihren Nischen und verschiedenen Lichtverhältnissen gut zu seinen Kunst passe.

Das Pappelstück war respektlos abgesägt

In der ehemaligen Filiale der Vaihinger Tricotagenfabrik Behr und Vollmoeller wurde Wäsche für die sogenannte Reformkleidung hergestellt: Das Korsett war Mitte des 19. Jahrhunderts abgeschafft worden, um es Frauen zu ermöglichen, sich freier zu bewegen und aktiv am Arbeitsleben teilzunehmen. Wolfs überlebensgroße „Sphinx von Göppingen“ passt zu dieser Freiheit: Bei seiner Arbeit im Wald hatte der Künstler das riesige Pappelstück mit einem Durchmesser von einem Meter entdeckt. „Das war respektlos abgesägt und wurde von mir gerettet“, sagt er. Zu dieser Rettung gehört allerdings auch eine intensive Bearbeitung: Die Sphinx wurde geflammt, was es möglich macht, sie draußen stehen zu lassen. Dann wurde sie komplett rot gestrichen, anschließend komplett grün, Ränder wurden glatt geschliffen, Farbe wieder entfernt, und so entstand ein wohlgerundetes, charakterstarkes Wesen.

Ein Botero ist Wolf jedoch nicht. Die älteste Figur der Ausstellung, „Der Gelbe“ aus Lindenholz, besticht durch seine schlanke und bizarre Form. Er hat eine spitze, zerfurchte Nase und verfügt so wie der danebenstehende „Lange“ über auffällig große Hände. Auch „Donald Trump“ ist eher schmal, nur die Frisur geht in die Breite. „Bei ihm kommt der Wind immer von rechts, die Frisur fliegt nach links, und der Kopf ist hohl“, beschreibt Wolf seinen Präsidentschaftskandidaten. Denn nicht immer sind seine Arbeiten abstrakt oder mysteriös wie die Sphinx. Auch Fernsehmoderatorinnen oder Bluesmusiker hat der Jazz- und Bluesliebhaber Wolf abgebildet.

Entscheidend aber ist für ihn immer das Material und dessen Geschichte. Die Spuren eines am Bodensee gefundenen Holzes werden im Marmorsockel fortgesetzt, ein lange in Wasser gelegenes Fundstück wirkt wie ein versteinerter Fisch, eine uralte Spraydose sieht aus wie ein hölzerner , verwitterter „Wikinger“.

Der Künstler verwendet gern erdverbundene Materialien

Auch beim Malen verwendet Wolf zusätzlich zum Acryl gerne erdverbundene Materialien. Den Blick auf den Albtrauf hat er zunächst mit Hilfe von in Tusche getunkten Pflanzenstängeln gemalt. Zuletzt wurde ein Relief aus türkischem Marmor daraus. „Es ist für mich immer entscheidend, mich selbst zu überraschen“, beschreibt der Künstler seine Arbeitsweise.

In der Schreinerei, wo einst Unterwäsche hergestellt wurde, ist an Werktagen die Kreissäge zu hören. Doch dieses Wochenende soll ausschließlich der Kunst dienen. Markus Wolf freut sich, dass er einen Ausstellungsraum ohne „nüchternen Galeriecharakter“ gefunden hat. Neben seinen Skulpturen, Kleinplastiken und Gemälden ist dabei auch die Arbeit der Schreinerei nachzuvollziehen: Es gibt „Handverlesenes, Möbel und Antikes“.

Werkstattgespräch:

Die Ausstellung von Markus Wolf in der Werkstatt von Horst Rück, Bernhauser Straße 14, wird am Freitag, 23. September, um 16 Uhr mit einer Feier eröffnet. Sie ist am Freitag bis 18 Uhr, am Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr zu sehen.

Redaktion Plieningen

Ansprechpartnerin
Julia Bosch
plieningen@stz.zgs.de

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