Die Sehnsucht nach Orientierung erforschen drei Maler in der jüngsten Ausstellung „Sonne, Mond und Sterne – Mit der Tradition nicht brechen“ der Städtischen Galerie Ostfildern.
Wer wünscht nicht etwas Orientierung in einer zunehmend komplexeren Welt? Die drei Künstlerfreunde André Butzer, Thomas Grötz und Philipp Haager sind für diese erste Ausstellung im Jubiläumsjahr Ostfilderns in einen intensiven Dialog getreten, um die Faszination ferner Galaxien zu erforschen. Die Stadt feiert in diesem Jahr ihren 50.. Da wird rein künstlerisch nicht etwa das Blaue vom Himmel versprochen. Vielmehr geht die Städtische Galerie Ostfildern in die Vollen und widmet sich mit der Auftakt-Schau ganz konkret „Sonne, Mond und Sterne“. Denn diese Gestirne sind es, die dem Menschen helfen, bei der irdischen und kosmischen Standortbestimmung.
Traditionen geben Halt und sind die Basis für Inspiration
Dass es nicht allein bei der Romanze mit dem Kosmos bleibt, signalisiert der zweite Teil des Titels „Mit der Tradition nicht brechen“. Hannah Eckstein, Leiterin der Galerie der Stadt Sindelfingen, erklärte in ihrer Einführungsrede bei der Vernissage, was es damit auf sich hat. Das Bild tritt für die drei Maler gleichsam an die Stelle des Himmels und wird „sinnstiftende und zerstörende Instanz“, so Eckstein. „Für ihre Bilder bedeutet das Verankert-Sein in Tradition nicht, sich dem Wandel zu verschließen, sondern die Wurzeln zu bewahren, die uns Halt und Orientierung geben und uns im Hier und Jetzt verorten.“ In einer sich stetig verändernden Welt könne das Festhalten an Traditionen eine wertvolle Ressource sein, um nicht nur Trost und Stabilität zu finden, sondern auch Inspiration.
André Butzer erreichte große Bekanntheit durch seine Gemälde im Stil des Science-Fiction Expressionismus, in denen er eine Welt voller comicartigen Figuren darstellt, die von der Gegenwart durchdrungen sind. Diese Figuren sind seit 1999 festes Bildpersonal, das immer wieder in seinen Arbeiten auftaucht, wie die Frau mit großen Walt-Disney-Augen. Zu dieser fiktiven Welt gehört auch das „Nasaheim“, „ein kosmischer Ort, an dem sich die Gegensätze und die Zerrissenheit des irdischen Seins auflösen“, so Eckstein. Mit „N“ meint André Butzer einen Ort der Freiheit und Unendlichkeit. In Ostfildern besteht „N“ aus drei Skulpturen auf Stelen, die eine transzendente Verbindung zwischen Mensch, Kunst und Kosmos herstellt.
Mystisch wirken die Bilder von Thomas Grötz. Meist ist der Himmel Ausgangspunkt der Kompositionen in sehr reduzierter, transluzenter Farbigkeit. Die traumverlorenen Bildgründe sind nicht zu verorten und dennoch schweben ganz gegenständlich Objekte, Figuren und Architekturfragmente in dieser abstrakten Szenerie. „Sie wirken wie nicht greifbare Zeugnisse einer vergangenen Zeit und könnten auf eine Welt hindeuten, die nur in unserem Unterbewusstsein existiert“, vermutet Hannah Eckstein.
Träumerische Szenerien an der Grenze zwischen Fantasie und Realität
Philipp Haager hat die Natur zur Muse für seine zeitgenössische Interpretation der poetischen Farbfeldmalerei auserkoren. Der Himmel in all seinen Facetten hat es ihm angetan, als atmosphärisch-flimmernder Farbraum. Für Hannah Eckstein zeigt sich darin „das gesamte Spektrum der Farben mit dem Wechsel von Tag und Nacht, den Jahreszeiten und den unkontrollierbaren Launen des Wetters.“ Es sind träumerische Szenerien an der Grenze zwischen Fantasie und Realität. Himmel und Farben verschmelzen in den beiden großformatigen Arbeiten „Postcard Nebula“. Die Wintervariante eines Sonnenuntergangs zeigt sich in pastellig-zarten Tönen, während der Sommer mit all seiner Strahlkraft punktet. Hingegen scheinen die schier undurchdringbaren Schichtungen in „Dome Painting, Schwarz“ die Grenzen des sichtbaren Universums auszuloten. In der Bildmitte gibt es nichts mehr. Der Blick verliert sich in einem nachtdunklen Vakuum.
Die Wurzeln bewahren
Führungen
Die Ausstellung geht bis 18. März. Zwei öffentlichen Führungen für Erwachsene und Jugendliche finden sonntags statt, am 2. Februar und 16. März, jeweils um 16 Uhr. Dort können Kunstinteressierte mehr über die Hintergründe der Werke erfahren und zur Inspiration der Künstler.
Drei Künstler
André Butzer wurde 1973 in Stuttgart geboren. Er studierte kurze Zeit an der Merz Akademie in Stuttgart. 1996 war er Mitbegründer des Künstlerkollektivs „Akademie Isotrop“ in Hamburg, dem auch Jonathan Meese angehörte. Er lebt in Berlin. Thomas Grötz wurde 1965 in Aschendorf/Erms geboren, lebt und arbeitet ebenfalls in Berlin. Er ist Kunsthistoriker, Autor, Musiker und bildender Künstler. Philipp Haager wurde 1974 in Stuttgart geboren. Er studierte an der Frankfurter Städelschule, sein Lebensmittelpunkt und sein Atelier befinden sich in Ditzingen.