Hoffen auf viele Besucher: (von links) Volontärin Sümeyye Tarhan, Saskia Dams, Leiterin der Städtischen Museen Kornwestheim, und Eva Henrike Leube, Projektmitarbeiterin Kulturgeschichtliche Sammlung. Foto: Andreas Essig

Von Kornwestheim (Kreis Ludwigsburg) nach ganz Deutschland – eine neue Ausstellung im Kleihues-Bau setzt bei ihrer Konzeption und den erwarteten Besuchern auf die ganze Region.

„Beim Ausstellungstitel Stadt-Land-Sehnsucht haben wir uns tatsächlich am Namen des Spiels orientiert“, sagt Museumsleiterin Saskia Dams beim ersten Rundgang schmunzelnd. Im hinteren Teil der Ausstellung im Kleihues-Bau in Kornwestheim kann man das beliebte Spiel „Stadt-Land-Fluss“, auf Holzbänken an einem großen Tisch wie auf einem Wanderparkplatz sitzend, auch spielen.

 

Blickt man von dort aus auf eine Wand, kann man sich beinahe fühlen wie am Ufer des Bodensees. Auf einem großflächigen Bild glänzt hinter einem fast realistisch dimensionierten Segelboot verheißungsvoll das „Schwäbische Meer“ in tiefem Blau unter einem strahlend blauen Himmel. „Der Bodensee ist seit Generationen in unserem kollektiven Gedächtnis verankert, genauso wie der Schwarzwald“, so die Museumsleiterin.

Zu sehen sind auch Kornwestheimer Ansichten. Foto: Andreas Essig

Der Ausstellungsraum sei nach dem Prinzip „Von Kornwestheim hinaus ins Land“ konzipiert, verrät Saskia Dams. Wenn man den Raum im oberen Stock des Museums betritt, fällt der Blick gleich auf eine große Holzkonstruktion, die an das Fachwerkgerippe eines alten Bauernhauses erinnert. „Ich sehe hier Motive aus Kornwestheim“, freute sich denn auch der Erste Bürgermeister Daniel Güthler als Vertreter der Stadt.

Bild von berühmtem Maler wird erstmals gezeigt

Das Gestaltungselement dient einerseits als eine Art Raumteiler, andererseits als Hinweis aufs heimische Kornwestheim als Bauerndorf und als Stellfläche für verschiedene Gegenstände, die vom Selbstbewusstsein der Gemeinde zeugen. Wie von Fremdenverkehrsorten mit bekannten Sehenswürdigkeiten hatte man hier Kornwestheim-Souvenirs wie eine Vase mit Rathaus-Motiv fertigen lassen. Für die originelle Gestaltungs-Idee konnte Saskia Dams auf ihr Netzwerk vertrauen, dank dem sie mit der Stuttgarter Bühnenbildnerin Jessica Marquardt bekannt wurde und mit ihr schon öfter bei der Ausstellungsgestaltung zusammengearbeitet hat.

Besagtem Netzwerk verdankt Saskia Dams auch das künstlerisch spektakulärste Exponat. „Dieses Bild von Oskar Schlemmer wurde noch nie öffentlich gezeigt“, berichtet sie und zeigt auf ein kleines unauffälliges Ölgemälde in düster anmutenden Farbtönen, betitelt „Hinterhofszene mit Wäscheaufhängender“. Es ist ein unsigniertes Frühwerk des berühmten Malers, dessen Provenienz jedoch von Experten bestätigt wurde. Den Leihgeber, der anonym bleiben möchte, hatte Dams ursprünglich in einem anderen Kontext kennengelernt.

Es sind nicht nur Bilder zu sehen. Foto: Andreas Essig

Die Tristesse des Schlemmer-Bildes steht in starkem Gegensatz zu den meisten anderen Bildern der Ausstellung, bei denen es weniger um realistische Landschaftsdarstellung als um Gegenden geht, in denen man gerne sein möchte oder an die man sich gern zurückerinnert.

Der Schwarzwald als Sehnsuchtslandschaft

So eine Sehnsuchtslandschaft ist der Schwarzwald, dessen Traditionen nach dem Zweiten Weltkrieg sogar politischen Zwecken dienten. „Beim Zusammenschluss zwischen Württemberg und Baden hat man auf badischer Seite beschlossen, den Bollenhut der Schwarzwälder Tracht als Symbol für Baden zu verwenden“, berichtet Dams in ihrer erklärten „Lieblingsecke“ der Ausstellung. Eigentlich sei der Bollenhut nur Teil der Tracht des weltabgeschiedenen Gutachtals gewesen. Inzwischen gilt er weltweit als Symbol für den Schwarzwald schlechthin.

Besonders stolz ist Saskia Dams darauf, dass viele der Exponate aus Kornwestheimer Museumsbeständen kommen: „Die Ausstellung führt alles zusammen, was Museen in Kornwestheim haben“. Aber getreu dem Motto „Von Kornwestheim hinaus ins Land“ konnte sie auch Leihgeber aus Orten wie Karlsruhe, Schwäbisch Gmünd oder Tübingen gewinnen.

Für die am Wochenende gestartete Ausstellung hat Saskia Dams eine lange Laufzeit geplant: bis 27. September 2027. Eine Verlängerung wird es nicht geben.