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Wer einmal einen Zeppelin am Himmel gesehen hat, vergisst ihn nie, diesen majestätischen Anblick. Was war der Namensgeber und Pionier der Luftschiff-Fahrt für eine Persönlichkeit? Eine Ausstellung versucht Antworten zu geben.

Friedrichshafen - Wer einmal einen Zeppelin am Himmel gesehen hat, vergisst ihn nie, diesen majestätischen Anblick. Was war der Namensgeber und Pionier der Luftschiff-Fahrt für eine Persönlichkeit? Eine Ausstellung versucht Antworten zu geben.

Endlich soll es gelingen, der 2. Juli 1900 zu einem geschichtsträchtigen Datum werden. Sein Leben lang hat er auf den Moment hingearbeitet – Ferdinand Adolph August Heinrich von Zeppelin, 1838 in Konstanz geboren. Der Graf, inzwischen 52 Jahre alt, steht selbst am Steuer des ersten Luftschiffs, das seinen Namen trägt – LZ 1.

Immer wieder muss der Start wegen des Wetters verschoben werden, dann ist es endlich soweit. Um 20.02 Uhr erhebt sich der Riese mit brummenden Motoren über den Bodensee. Die Tausenden Zuschauer trauten ihren Augen kaum: Mit 128 Meter Länge und einem Durchmesser von zwölf Metern ist das Luftschiff von schier unglaublicher Größe.

Ein Vergleich macht das deutlich: Der Airbus A 380, der größte Passagierflieger der Welt, misst vom Cockpit bis zur Schwanzflosse etwa 73 Meter. Nach 18 Minuten endet die erste Fahrt eines deutschen Luftschiffes, die seinen Erbauer weltberühmt macht.

Zeppelin war ein Visionär

Zeppelin hat für den Erfolg gekämpft, immer geglaubt, dass es gelingt und alle Widerstände überwunden. Heute würde man sagen, er war ein Visionär. „ Er hat Entwicklungen vorhergesehen, lange, bevor sie vorherzusehen waren“, so Bleibler. Das Visionäre ist einer der Wesenszüge, die in der Ausstellung des Friedrichshafener Zeppelin-Museums zum 175. Geburtstag des Pioniers herausgearbeitet werden. Die Figur Zeppelin hat jedoch mehr Facetten. „Er war zum Beispiel genialer Netzwerker“, sagt Jürgen Bleibler, Leiter der Zeppelin-Abteilung des Museums. Er habe Verbindungen in alle Gesellschaftsschichten geknüpft und es perfekt verstanden, sich zu vermarkten.

Die Ausstellung betreibt keine unkritische Heldenverehrung, sie zeigt den zwiespältigen Charakter dieser Figur der Zeitgeschichte. Zeppelin war überzeugter Militär. Durchaus logisch, denn die Entwicklung der Luftfahrt war immer militärisch und zivil geprägt, „das gehört zusammen“, erläutert Bleibler. Heute wird Zeppelins Name in der Öffentlichkeit vor allem mit den silbernen Zigarren in Verbindung gebracht, die Passagiere Anfang des 20. Jahrhunderts rund um den Erdball trugen.

Das habe den Grafen tatsächlich angetrieben, sagt der Experte: Luftschiffe mit extremer Reichweite und hoher Nutzlast zu konstruieren. Die Armee wusste diese Vorteile jedoch ebenfalls für sich zu nutzen. „Graf Zeppelin war ein Verfechter des Bombenkrieges.“ Luftschiffe, die tödliche Waffen weit ins Feindesland tragen, das konnte sich der Graf ebenfalls vorstellen.

Zeppelin ist natürlich nicht der Erfinder der Luftschiffe

Die Schau klärt den einen oder anderen Irrtum auf. Zum Beispiel den: Zeppelin ist natürlich nicht der Erfinder der Luftschiffe. Sie stiegen lang vor der Erstfahrt der LZ 1 in den Himmel. Bereits im Jahre 1884 wurde mit der „La France“ erstmals     bewiesen, dass die stolzen Konstruktionen aus Metallskelett und glänzender Außenhaut zu steuern sind.

„Was die Franzosen leisteten, war für den Grafen die Initialzündung, seine Pläne voranzutreiben“, sagt Bleibler. Die ersten Schritte auf diesem Weg waren begleitet von Pleiten und Pannen. Auch nach dem LZ1-Erfolg ging es keineswegs immer nach oben. 1908 wollte Zeppelin endgültig den Beweis für die Überlegenheit der deutschen Luftschifferei antreten. Mit einer 24-Stunden-Fahrt der LZ 4 vom Bodensee über die Schweiz und Deutschland galt es, die Vorgaben des Deutschen Reichs für die Abnahme eines Luftschiffs zu erfüllen.

Die Triumphfahrt endet im Desaster. Nach einigen Motorpannen muss LZ 4 am 5. August 1908 auf einem Feld vor den Toren Echterdingens landen. Ein aufkommender Sturm reißt das Schiff aus der Verankerung, es fängt Feuer und wird in kürzester Zeit zerstört.

Die Ära der Luftschiffe endet (vorläufig) im Jahre 1937

„Zeppelin ist am Ende“, sagt Bleibler. „Mit 60 Jahren.“ Sein Lebenswerk, ein Trümmerhaufen. Eine spontane Spendenaktion rettet den Traum. Die Deutschen sammeln die für damalige Zeiten gigantische Summe von 6 096 555 Mark: Der Graf gründet mit dem Kapital die Luftschiffbau Zeppelin GmbH. „Sein Projekt steht damit endlich finanziell auf sicherem Boden.“

Aus dem Visionär und Luftschiffer Zeppelin wird der Unternehmer Zeppelin. Er schart die findigsten Ingenieure seiner Zeit um sich: Claude Dornier, Wilhelm Maybach, Alfred Colsman, Ludwig Dürr. In den nächsten 30 Jahren dominieren die Riesenzigarren die Lüfte. Zwischen 1900 und 1938 wurden insgesamt 119 Zeppeline gebaut.

Die Ära der Luftschiffe endet (vorläufig) im Jahre 1937. Die „Hindenburg“, noch größer als alle Vorgänger, geht bei der Landung im amerikanischen Lakehurst in Flammen auf. Bilder, die jeder kennt. Zeppelin hat dieses Unglück nicht mehr erlebt. Er starb 1917.

Sein Erbe lebt nicht nur in etlichen Firmen, die er gegründet hat, weiter. Heute erobern sie wieder die Lüfte, die Zeppeline. Mit dem Zusatz „NT“ für Neue Technologie. Und noch immer hat diese Art der Fortbewegung nichts von seiner Faszination verloren.

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