Marco Wörner stellt zum ersten Mal im Kunst-Werk Fellbach aus – seine dreidimensionalen Holzarbeiten ergeben einen spannenden Mix mit den Acryl-Collagen von Ina Reicherter-Kappler und Anita Spörle Erath.
Manchmal liegt in der Lücke auch eine Chance. Die haben Ina Reicherter-Kappler und Anita Spörle Erath genutzt und sich die „Leerstelle“, die sich im Ausstellungskalender des Kunst-Werks Fellbach in der Schorndorfer Straße kurzfristig aufgetan hat, gesichert. Die beiden hatten vor nicht allzu langer Zeit im Gewölbe des Fellbacher Kunstvereins eine Ausstellung und haben sich nun Marco Wörner ins Boot geholt, damit ihre neue Ausstellung von Freitag, 28. Februar, an einen anderen Duktus bekommt und neue Sehensweisen ermöglicht.
Eine kluge Entscheidung. Die dreidimensionalen Holzarbeiten des Waiblinger Künstlers ergeben einen interessanten Mix mit den Acryl-Collagen der beiden Frauen. Drei nahezu autodidaktische Handarbeiter zeigen ihre Werke unter der Überschrift „Bunt, frei, einzigartig“. Marco Wörner könnte man einen „Holzflüsterer“ nennen. Er kümmert sich um Holz. Er verwendet für seine Arbeiten Holz, das zu ihm kommt – als Fundstücke, von Streuobstwiesen, wo alte Apfelbäume sterben. Auch vom Straßenrand, wo Bäume dem Verkehr weichen müssen, oder von Freunden und Bekannten, die von seiner Leidenschaft, mit unterschiedlichen Hölzern zu arbeiten, wissen. Marco Wörner ist ein Holz-Künstler der besonderen Art. Sensibel, geduldig und nachhaltig.
Handarbeit von der Streuobstwiese
Er lässt dem Holz Zeit, sich zu beruhigen, seine Adern und Schichten zu verfestigen, seine Lebendigkeit in Struktur zu verwandeln. Er spielt mit der Maserung, experimentiert mit Astlöchern, mit Rissen, die beim natürlichen Trocknen entstehen. Er drechselt Hohlräume, schmirgelt Oberflächen und bürstet. Er lässt sanfte Kugelformen entstehen, die innen ausgehöhlt sind. Er verführt die Betrachter, die Zartheit der Oberfläche zu spüren, die Schönheit der Form zu genießen, die Harmonie der Natur zu erkennen und ihre Eleganz wertzuschätzen. Das sind seine Objekte.
Bei den Möbelstücken verbindet Marco Wörner Funktion und die Natürlichkeit des Materials. Tische und Stühle übernehmen die Formensprache der Stämme, aus denen sie entstehen. „Jedes meiner Unikate wird in Handarbeit gefertigt. Dafür verwende ich ausschließlich Hölzer aus regionalen Streuobstwiesen und heimischen Wäldern. Mein Schaffen besteht im Wesentlichen darin, die Einzigartigkeit der Natur und den damit verbundenen Charakter einzufangen und mit meiner Handschrift zu ergänzen“, so beschreibt Marco Wörner seine Herangehensweise.
Angefangen habe alles mit den Tikis, erzählt er. Er war den Holzskulpturen in Neuseeland begegnet – und ist nicht mehr von ihnen losgekommen. Wieder zuhause im Schwäbischen hat der gelernte Maschinenbautechniker die Kettensäge in die Hand genommen und begonnen, mit ihr zu „schnitzen.“ Marco Wörner hat seinen Ausbildungsberuf nahezu zwei Jahrzehnte lang ausgeübt, bis er ihn vor zwei Jahren für sein Hobby aufgab. Der Tiki stellt in der polynesischen Kultur die Verbindung zwischen Mensch und Natur, zwischen Himmel und Erde dar und symbolisiert die Schöpfung und das Leben. Einige interessante Exemplare zeigt Wörner im Fellbacher Kunst-Werk. Sie beleben die Ausstellung, die Ruhe findet in den formschönen Objekten und Designmomenten in den Unikaten. Selten, sehenswert, spannend.
Idole aus der Film- und Popwelt
Auch der Kontext, den Ina Reicherter-Kappler und Anita Spörle Erath mit ihren Bildern liefern, passt. „Wir arbeiten gerne mit den Händen“, erzählt Ina Reicherter-Kappler, „und jeweils gemeinsam an einem Bild.“ Die ungewöhnlichen Materialien – Beton, Eisenarmierungen, Fundstücke vom Bau und Schrott – kommen von Anita Spörle Erath. Ina Reicherter-Kappler bringt Farbe rein, malt mit Acryl, verbindet Elemente und ist intensiv bei der technischen Ausführung zugange. Die Idee, sich dabei mit Idolen aus der Film- und Popwelt zu beschäftigen, ist schon vor vielen Jahren entstanden. Mit Greta Garbo, Romy Schneider, Marlene Dietrich, James Dean, Marilyn Monroe, aber auch den Stones haben sich die Künstlerinnen an die ganz Großen in großem Format gewagt. Die Bilder wollten unterhalten, sie sollen dekorieren: „Kunst ist Dekoration“, sagt Ina Reicherter-Kappler.
Die Ausstellung von Ina Kappler, Anita Spörle-Erath und Marco Wörner wird an diesem Freitag, 28. Februar, um 19 Uhr in der Galerie des Kunst-Werks in der Schorndorfer Straße 33 in Fellbach eröffnet. Sie ist bei freiem Eintritt bis einschließlich 16. März zu sehen, samstags und sonntags jeweils von 14 bis 18 Uhr.